Bruit
Meine sehr verehrten Damen und Herren, willkommen zu dieser sechsunddreißigsten Ausgabe meiner Abenteuer in Frankreich!
Die kulinarische Versorgung diese Woche gestaltete sich als erstaunlich aufwendig, da die Mensa die ganze Woche geschlossen war. Die Franzosen haben nämlich wieder einmal Ferien, weshalb Eigenversorgung angesagt war. Immerhin bot sich gleich am Montag die unerwartete Gelegenheit eines gemeinsamen Abendessens mit meinem Nachbarn Simon, im Zuge dessen wir einige sehr interessante Themen diskutierten. Wie sich herausstellte, haben wir beide sehr ähnliche Interessen; u.a. arbeitet Simon auch momentan an zirkulären Beweisen so wie ich, und wir interessieren uns beide für die Grundlagen der Wissenschaften. Da ist es auch kaum erstaunlich, dass er wie ich ein leidenschaftlicher Radfahrer ist und für diesen Sommer eine Tour de France plant.
Würde mich natürlich sehr jucken, da mitzufahren, aber andererseits freue ich mich schon zu sehr auf Österreich, sodass ich den Sommer lieber zuhause verbringen möchte.
Wenn wir schon bei Österreich sind: Die Tiroler Landtagswahlen sind ja jetzt geschlagen, und die eingetretene Koalition von ÖVP und Grünen ist genau das, was ich mir erhofft hatte — wunderbar!
Die Reaktionen der Leute auf die Koalitionspartnersuche, die der ORF zusammengeschnitten hat, ist meines Erachtens legendär.
Ich verfluche fast täglich die Konstrukteure von Village 2, denn was diese als Materialien für die Konstruktion desselben gewählt haben, würde in Österreich vermutlich nicht einmal als Schuhkarton durchgehen. So ist es hier möglich, dass man eine Etage und mehrere Zimmer von einem Lärmverursacher (im weiteren Verlauf dieses Textes “Disco Stu” genannt) entfernt diesen noch immer allerbestens hört. Was aber noch besser ist, ist dann die Reaktion desselben: Beim ersten Mal entschuldigt sich Disco Stu und verspricht, seine “Musik” leiser zu drehen. Hört man dann die Geräusche immer noch und tritt erneut den Gang in das höhere Stockwerk an, sagt Disco Stu: “Du hörst mich immer noch? Jetzt kann ich aber wirklich nichts mehr machen … ich könnte allerhöchstens den Bass abstellen.” Verdammt, warum kommst du da erst jetzt darauf? Ein Studentenwohnheim ist keine Disco, zumindest nicht zur Mittagszeit. Und sich schon zu einer solchen Tageszeit zuzudröhnen, finde ich ebenso peinlich, wie den ersten Whisky des Tages zum Frühstück einzunehmen.
An Lärm ist in Village 2 allerdings keine Knappheit: Man muss oft nicht einmal in die Ferne schweifen, sondern vor bzw. neben der eigenen Haustüre kehren, nämlich bei seinem besten Nachbarn Aalâa. Dieser hat mir die Woche auch wieder einmal dadurch versüßt, dass er bis spät in die Nacht hinein geredet hat, und das mehrfach pro Woche. Und mit “spät in der Nacht” meine ich nicht 10 Uhr, sondern deutlich nach Mitternacht, und mit “reden” meine ich Geräusche erzeugen, dass ich sie trotz einer uns trennenden “Mauer” (Kuchenblech) und Ohrenstöpseln (Hansaplast, made in Germany) noch deutlich zu vernehmen vermag. Ich kann mich natürlich jedes Mal wieder beschweren, aber das habe ich langsam satt. Besonders toll ist es dann, wenn ich, wie in der Nacht auf den Samstag, um 5 Uhr in der Nacht aufwache, weil mein Nachbar dies als wunderbare Zeit zur Konversation auserkoren hat. Zumindest half da ein kräftig gerufenes “Aalâa, ta geule” (“Halt die Pappn, Aalâa”), um für instantane Ruhe zu sorgen. ![]()
Was mich als verbindendes Motiv hauptsächlich stört, ist nicht hauptsächlich der Lärm selbst; es ist vielmehr der Unwillen meiner Nachbarn, ihre Nachbarn zu respektieren. Ich unterstelle ja meinen Nachbarn ein gewisses Maß an Intelligenz, mit dem diese eigentlich wissen sollten, dass sie andere Leute stören, wenn sie Krach machen. Daher folgere ich, dass sie dieses Wissen bewusst und wiederholt ignorieren. Und wie sagt so schön ein Zitat von Christopher Marlowe? “There is no sin but ignorance.” Es ist diese Ignoranz, der ich den Kampf ansage.
Am Samstag bin ich dann auch relativ geladen zum Accueil von Village 2 gegangen, um eine offizielle Beschwerde gegen meinen Nachbarn einzulegen. Ich denke, manche Leute lernen es nur auf dem harten Weg, und den war ich zu gehen entschlossen.
Am Nachmittag machte ich noch ein paar Erledigungen in der Stadt und nützte die Gelegenheit gleich für eine kleine Radltour, bei der ich einige Zeit im Buchgeschäft Mollat hängenblieb. Bei meiner Rückkehr nach Village 2 war Disco Stu schon wieder voll in seinem Element, woraufhin ich die Schnauze voll hatte und ihm relativ scharf klarmachte, dass meine Geduld zu Ende sei und ich ab jetzt bei weiteren Störungen einfach direkt die Heimleitung kontaktieren würde. Das schien ihm gar nicht zu schmecken und er wurde ein bisserl aggressiv, was mir aber vor lauter Ärger relativ wurscht war. Es kam jedenfalls zu keiner Messerstecherei oder dergleichen (quod erat demonstrandum per hunc historiam), und — siehe da — die Musik war danach tatsächlich nicht mehr zu vernehmen. So geht das!
In der Nacht kam allerdings genau in dem Moment, als ich mich hinlegen wollte, mein Nachbar Aalâa zurück und fing natürlich sofort wieder an zu quatschen. Als ich daraufhin bei ihm klopfte, wurde ich allerdings unerwartet zu einem zweiten Abendessen eingeladen, was ich eigentlich nicht annehmen wollte, da ich mich ja quasi am selben Tag noch bei der Heimleitung über ihn beschwert hatte. Er insistierte aber so stark auf seine Einladung, dass ich nicht Nein sagen konnte und die Ehre hatte, mit ihm und seinem Freund Said Hühnchen zu essen. Ich fühlte mich ein wenig wie in 1001 Nacht, bei einem opulenten Nachtmahl mit Said und Aladdin (Aalâa). Es fehlte eigentlich nur noch die Wunderlampe.
Als ich ihm dann eröffnete, dass ich offizielle Beschwerde wegen ihm eingelegt hatte, sagte er, dass er ohnehin schon über sein Verhalten nachgedacht hätte und in Betracht zöge, das Zimmer zu wechseln, da er wüsste, dass mich sein Verhalten störe und er nicht unsere Freundschaft deswegen belasten möchte. Das kam allerdings unerwartet; ich fühlte mich wegen meiner Beschwerde etwas schäbig, aber er schien es nicht so tragisch zu nehmen. Finde es auf jeden Fall bemerkenswert, dass er sich doch Gedanken über sein Verhalten gemacht hat, und muss sagen, dass es mir auch leid täte, ihn als Nachbarn zu verlieren — wenn er nicht nur immer so viel Krach machen würde. ^^
Unter der Woche habe ich fast durchgehend wie ein Verrückter an meiner Masterarbeit gearbeitet, die jetzt schon sehr klare Gestalt annimmt (49 Seiten
). Ein Schreck erfasste mich am Wochenende, als ich von meinem Innsbrucker Betreuer Cezary erfuhr, dass man für die Defensio der Masterarbeit alle seine Kurse erfolgreich abgeschlossen haben müsse, denn ich muss noch ein paar Kurse in Innsbruck belegen und kann deshalb vermutlich meine Defensio noch nicht im Sommer machen. Momentan kläre ich gerade ab, ob das Auswirkungen auf die Anerkennung meiner Masterarbeit für meinen Erasmus-Aufenthalt hat.
Wieder einmal mit einiger Verspätung, aber schließlich doch wünsche ich rückwirkend einen angenehmen Wochenbeginn für den 13. Mai ^^ und verabschiede mich bis bald. Auf Wiederlesen!
(Dieser Artikel hat im Vergleich zu seinem Vorgänger statt 7 Tagen nur noch 4 Tage Verspätung. Daher sage ich für diese Woche eine Verspätung von einem Tag voraus. ^^)
L’Ariège
Meine sehr verehrten Damen und Herren, willkommen zu dieser fünfunddreißigsten Ausgabe meiner Abenteuer in Frankreich!
Der Titel enthält eigentlich den gesamten Inhalt meiner Woche: Ich war mit meinem Chor auf Reise im französischen département Ariège!
Montag morgens fuhr ich mit einem zum Brechen vollbepackten Fahrrad zur Wohnung unseres Chorleiters Alexis in Bordeaux, von wo wir dann mit einem ebenfalls zum Brechen beladenen Clio Richtung Ariège fuhren. Dabei wurde ich gleich zu Beginn Zeuge der ziemlich rabiaten Fahrkultur der Franzosen (oder vielleicht gilt das nur für unsere Chormitglieder), denn noch in Bordeaux brachten es unsere Chauffeure fertig, innerhalb von fünf Minuten drei verschiedene Fahrzeuge bzw. deren Fahrer anzuhupen und lauthals zu beschimpfen. “Vollidiot” (“connard”) und “blöde Kuh” (“connasse”) sind hierbei nur zwei Beispiele, die beredtes Zeugnis der französischen Fluchkultur ablegen. Bei der ersten Tankstelle, an der wir hielten, wurde ein altes Mütterchen, das ihren Motor abwürgte, ebenfalls zum Gegenstand äußerst hämischer Kommentare. Einzig die Tatsache, dass noch kein Chormitglied bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, konnte meine rapide aufsteigenden Sorgen besänftigen.
Wie es sich für eine zünftige Chorreise gehört, regnete es natürlich in Strömen; vergleiche Chorreise nach Spanien. Das konnte unseren Elan allerdings kaum dämpfen, und so dampften wir mit Vollgas Richtung Foix, der Hauptstadt des département Ariège. Dort machten wir gleich in einem Restaurant Station, und nach ca. zwei Stunden (ja, wir sind in Frankreich …) fuhren wir weiter zu unserer Destination, Ornolac. Diese Gegend als entlegen zu bezeichnen ist wohl noch ein wenig untertrieben; so gibt es dort so gut wie überhaupt kein Mobilfunknetz, weshalb manche von uns sogar mit dem Auto weggefahren sind, um wichtige Telefonate zu tätigen. o_O Computer habe ich gar nicht erst mitgenommen, weshalb ich eine fast vollständig computerfreie Woche genießen konnte! ![]()
Wir waren im dortigen centre diocésian untergebracht, was sich durch einen recht großen Gemeinschaftsraum und durch eine hervorragend ausgestattete Küche (Töpfe so groß wie mein Kühlschrank!) auszeichnete. Von der Umgebung sahen wir am ersten Tag noch recht wenig, da sich der Regen weiterhin kraftvoll auf das Land ergoss.
An diesem ersten Abend waren wir noch relativ wenige Choristen, da die anderen im Laufe der Woche zu uns stießen. So konnte ich mir in aller Ruhe ein Doppelzimmer mit Clément sichern, um einem Logis in einem der Achterzimmer zu entgehen, was sich zumindest anfangs recht vorteilhaft auf meinen Schlaf auswirkte. ![]()
Wir kochten in der Küche unser eigenes Essen, was bei (später bis zu dreißig Choristen) eine anspruchsvolle Aufgabe war. Nichtsdestotrotz konnte sich der Speiseplan durchaus sehen lassen: Schweinebraten mit Honig, Nudelgratin, Crêpes, … hier gab sich die französische Küche ein Stelldichein. Dermaßen gemästet spielten wir nach dem Abendessen auch immer wieder Karten, unter anderem das sehr amüsante Spiel Belote, das ich schon einmal mit dem Chor in Spanien gelernt hatte.
Am Dienstag war der Regen Vergangenheit, und eine nahezu tirolerische Landschaft begrüßte uns mit stolzen Bergen, grünen Wiesen und als weiße Farbtupfer dazwischen immer wieder ein paar Schafe. Überflüssig zu erwähnen, dass mir das Lust auf eine Bergtour machte, die ja schon längst überfällig war; war doch seit dem letzten Mal, dass ich einen Berg gesehen hatte, fast ein halbes Jahr vergangen. (Unglaublich!) Ein paar Kollegen waren ebenfalls motiviert, und so erklommen wir gleich nach dem Frühstück den nächstgelegenen Berg, den ich allerdings nach Tiroler Kategorie wohl eher “Hügel” nennen müsste, so schnell waren wir oben. Trotzdem, meine erste Bergtour in Frankreich, eine première.
Nach dem Mittagessen ging es auch bergig weiter: Die Region ist nämlich bekannt für ihre heißen Quellen, woher auch die zahlreichen Thermen rühren, und so gingen wir zu einer solchen heißen Quelle in den Bergen. Visuell war sie nicht weiter spektakulär, denn es waren einfach drei mittelgroße “Becken”, die durch ein Bächlein gespeist wurden … aber die Temperatur war genial. Man fühlt sich darin wie in einem gut geheizten Becken in einem Hallenbad, wenn man von dem penetrant an faule Eier erinnernden Geruch absieht. Wir nutzten die Gelegenheit, um uns einige Zeit zu suhlen, wobei wir auch nicht versäumten, in dem warmen Nass zu singen, was ein paar vorbeikommende Wanderer zu spontanem Applaus anregte. ![]()
Szenenwechsel: Da sich unser Planschbecken in der Nähe des Kleinstaates Andorra befand, entschlossen wir uns, nach unserem Bad diesem Land einen Besuch abzustatten. Was wir allerdings nicht realisiert hatten, war, dass es in Andorra zu dem Zeitpunkt gerade schneite. Und so kam es, dass sich einige von uns in kurzen Hosen und T-Shirts verwundert mitten im Schneefall wiederfanden.
Der Grenzort von Andorra, in dem wir uns aufhielten, war jedenfalls ein bizarres Erlebnis: Eine ziemlich grauenhafte Architektur (genre Massenbauten der 1970er-Jahre), die von allerhand französischen Touristen gestürmt wurden, die sich durch die niedrigen Preise anlocken ließen. In Andorra sind nämlich die Preise für Alkohol und Zigaretten im Vergleich zu Frankreich relativ niedrig, was die Franzosen dazu verleitet, sich dort in Heerscharen mit ebendiesen Artikeln einzudecken. (Es wird sogar im mehrere Stunden entfernten Bordeaux noch dafür auf Plakaten geworben!) So könnte man Andorra als das moderne Babel bezeichnen, denn die Nachfrage wird durch ein nahezu unüberschaubares Angebot gedeckt … auch einige von uns deckten sich mit 5l-Whisky-Flaschen ein.
Aus Andorra in unsere Herberge zurückgekehrt hatten wir dann abends noch vor dem Abendessen eine kurze Chorprobe, wo wir ein neues Stück, This Train Is Bound For Glory, einstudierten. (Karl, falls du das liest: Die Aufnahme ist von Mumford & Sons und ziemlich cool. ^^) Das Stück passt zu unserem momentanen Gospel-Schwerpunkt, in dessen Rahmen wir auch das Stück “Rejoice” lernen.
Nach dem Abendessen spielten wir noch das Spiel Loups-garous, welches dem deutschen “Werwölfe von Düsterwald” entspricht.
Am Mittwoch ging es wieder auf in die Berge, und wieder sollte uns das Wetter überraschen: Als wir nämlich an unserer Destination ankamen, blinkten uns veritable Schneehaufen entgegen, die dem aufziehenden Mai grimmig trotzten. Gegen unseren Chor kamen sie allerdings nicht an, denn wir nutzten die Gelegenheit natürlich sofort für eine Schneeballschlacht.
Der Aufstieg gestaltete sich dann auch unerwartet schwierig, denn über Schneefelder, die immer wieder einbrechen, steil den Berg zu besteigen, ist schon mit guter Ausrüstung nicht immer ganz leicht, und man kann sich vorstellen, dass es mit ordinären Straßenschuhen nicht gerade leichter wird. Schlussendlich erreichten wir allerdings doch den anvisierten Rastplatz ohne gröbere Blessuren, und waren somit in der Lage, unser reichhaltiges Picknick zu genießen, während der rauschende Wildbach im Hintergrund seine säuselnde Melodie sang.
Nach dem Picknick stiegen einige von uns noch weiter auf, was mir allerdings nicht zusagte, da der Weg durch ein einziges riesiges Schneefeld zu führen schien und meine Schuhe ohnehin schon nass genug waren. Auch das Wetter schien mir eher unsicher, und so stiegen wir in einer kleineren Gruppe ab und warteten bei unseren fahrbaren Untersätzen auf den Rest der Gruppe. Dieser erschien dann auch wenig später, relativ durchnässt, da sie auf dem Hosenboden das Schneefeld heruntergerodelt waren — von “cul sec” war da keine Rede mehr.
Am Donnerstag machten wir einen Ausflug in die Grotte de Lombrives. Diese Höhle bot uns einige atemberaubende Augenblicke, u.a. als wir den riesigen “Kathedralensaal” betraten, wo wir es uns natürlich nicht nehmen ließen, ein paar Lieder zu singen und die unglaubliche Akustik zu genießen — wie es scheint, wird die Höhle auch öfters offiziell für Konzerte benutzt. Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten der Höhle zählt auch ein unterirdischer See, der wohl bei Kerzenschein zu zweit eine unvergleichlich romantische Stimmung hervorbringen könnte. (Vorausgesetzt, man könnte den See aufwärmen.) Abende zu zweit im See — eine Geschäftsidee? Ich bin mir sicher, das wäre der Renner.
Im gesamten Höhlensystem befinden sich unzählige Graffitis, die zum Teil weit in die Geschichte zurückdatieren: So ist es keine Seltenheit, auf Inschriften aus dem 17. Jahrhundert zu stoßen, die die Jahrhunderte mühelos überlebt haben, und uns heute mit ihrer verschnörkelten Schrift faszinieren. Eine etwas aktuellere Inschrift hat uns beim Ausgang amüsiert.
Nach dem Höhlenbesuch aßen wir in der Herberge zu Mittag. Zwischendurch haben wir uns übrigens immer wieder mit Fußball bzw. Rugby die Zeit vertrieben, manchmal auch unter der Mitwirkung des Hofhundes Pipo. Unter den ständigen Bewohnern der Herberge ist auch die Schwester hervorzuheben, die sich um die Verwaltung der Herberge kümmert und mit der ich einige sehr interessante Gespräche hatte. Eine bemerkenswerte Frau.
Am Nachmittag setzten wir unsere Besichtungstour mit dem Château de Foix fort. Aufgrund des miesen Wetters verweise ich hier auf ein bestehendes Foto des Schlosses. Wir nutzten natürlich auch hier wieder einmal die Akustik des Ortes, um ein kleines Spontan-Konzert zu geben, zum Gaudium der anderen Schlossbesucher.
Château de Foix (Wikipédia)
In der Nacht auf diesen Tag hatte ich ziemlich schlecht geschlafen, da sich mein Zimmergenosse als wahrhafte “Schnarchnase” herausgestellt hat. Nachdem ich mir das Geschnarche einige Zeit angehört habe, suchte ich mir ein anderes Zimmer in der Herberge, nur um erstaunt erstaunt festzustellen, dass keine einzige Türe verschlossen war. Auch die Zimmer, die nicht belegt waren, waren alle offen, sodass ich meine Matratze ein ein leeres Zimmer schleppte und dieses als temporäre Schlafstatt einrichtete. Das löste mein Problem schnell und effektiv. Es hat mich auf jeden Fall ziemlich erstaunt, dass in der Herberge alles so offen war — man stelle sich das einmal in einer Jugendherberge einer größeren Stadt vor! Es könnte theoretisch jederzeit jemand in die Herberge gehen, sich ein Zimmer frei wählen und dort dann übernachten, oder die Küche bzw. den Kühlschrank ausräumen. Doch scheinbar scheint dies in Ornolac kein Problem zu sein; vermutlich, weil es einfach nicht so viele Leute da oben gibt, und Bettler sind in der Gegend überhaupt inexistent. Dafür ist auch überhaupt nichts los in der Gegend. Die Freuden des Landlebens. ![]()
Auf jeden Fall wollte ich die Nacht darauf das Schnarchproblem etwas eleganter lösen als unbewohnte Zimmer zu okkupieren, weshalb ich bei Hugo anfragte, ob in seinem Zweibettzimmer noch ein Bett frei sei, worauf er mir Unterkunft bei sich gewährte. Dies sollte sich aber als auch wieder etwas zwiespältige Lösung herausstellen, denn bei all der Zerstreuung am Abend fehlte auch der Alkohol nicht, was ich in der Nacht mitbekam, als ich (schon im Bett) von ein paar ziemlich blauen Gestalten aufgeweckt wurde, die von Zimmer zu Zimmer marschierten und allerhand Blödsinn anstellten. Vielleicht sollte man sich von der Vorstellung, allzu viel zu schlafen, vor solchen Reisen von vornherein verabschieden …
Am nächsten Tag, es war der Freitag, gingen wir raften. Glücklicherweise bekam ich davor von einem Kollegen ein altes Paar Schuhe, da ich nur ein einziges Paar Schuhe zur Verfügung hatte und dieses danach komplett nass gewesen wäre. Auch meine Bedenken, dass ich über keine raftingtaugliche Jacke verfügte, wurde zum Glück dadurch zerstreut, dass wir uns beim Rafting Jacken ausleihen konnten.
Es war auf jeden Fall ein ziemlicher Spaß, wenn auch etwas brutal, denn gerade zu Beginn gab es einige heftige Kämpfe zwischen den Booten (wir bildeten vier an der Zahl), wobei sich die Leute der verschiedenen Boote gegenseitig ins Wasser zu ziehen versuchten — bei den eiskalten Wassertemperaturen nicht unbedingt sehr erstrebenswert. Da ich mit Bertrand die Führung unseres Bootes übernommen hatte, wurde ich zweimal Ziel eines solchen Ins-Wasser-Zieh-Versuches, konnte mich allerdings beide Male — mit tatkräftiger Unterstützung meines Teams — im Wasser halten. Dafür gelang es uns auch einmal, einen Insassen eines feindlichen Bootes zu “versenken”. Wie schon gesagt, ein Heidenspaß. ^^
Mit der Zeit nahmen die Rivalitäten allerdings ab, denn wir waren alle durch das Rudern sehr eingespannt. Es gab auch einen Zwischenfall, als ein Boot auf einen Stein stieß und sich dadurch umdrehte, alle Insassen ins dahinschießende Wasser ergießend. Dabei bekam eine von unseren Choristinnen eine ordentliche Kopfwunde, aber wir waren für solche Fälle bestens gerüstet, denn von Feuerwehrmännern (die das Boot umdrehten und die anderen hineinretteten) bis hin zu Krankenschwestern (die die Versorgung der Verwundeten übernahmen) kann unser Chor alles aufbieten.
Nach dieser sportlichen Verausgabung ging es zurück in die Herberge, aber nicht lange, denn es wartete ein Konzert auf uns, nämlich im Temple de Mazères. Dahinter verbarg sich ein kleines Kirchlein in einem kleinen Örtchen, das à propos genau an der Grenze dreier französischer départements (Ariège, Aude und Haute-Garonne) und an der Grenze zweier französischer Regionen (Midi-Pyrénées und Languedoc-Roussillon) liegt. Während dieses Konzertes spielte auch eine unser Choristinnen auf dem Violoncello, und ich hatte die Ehre, ihre Nummer anzusagen, was dem Publikum sichtlich gefiel. (Man könnte an dieser Stelle wohl über den Charme des österreichischen Akzentes diskutieren. ^^) Danach fragten mich mehrere Leute, ob ich nicht fürderhin die Rolle des Ansagers für den Chor übernehmen wolle. Leider kommt das ein wenig zu spät, denn die Konzerte bis zu meiner Abreise lassen sich an einer Hand abzählen …
Der Samstag begrüßte uns mit strahlendem Wetter, doch sollten wir nicht allzusehr davon profitieren, da wir Aufnahmesitzung hatten. Es war nämlich im Laufe der Woche unser “Hauskomponist” Pierre Manchot zu uns gestoßen, für den wir (wie schon für seinen letzte Filmmusik) ein paar Stücke aufnehmen sollten. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten (die Kirche, wo wir aufnehmen hätten sollen, war versperrt o_O) fanden wir uns alle in dem kleinen Kirchlein von Ornolac wieder, wo wir die Aufnahme dann ohne Probleme durchführen konnten. Einige nützten die Pause zwischen den Aufnahmen konstruktiv, um ein wenig “nachzuschlafen”:
Nach der Aufnahme fand die letzte — und größte — Feier der Woche statt, an der ich mich auch vollständig beteiligte. Ich spare mir hier jegliche Beschreibung, denn Worte sind nichts als Schall und Rauch, und wer nicht dabei war, könnte es niemals nachvollziehen. (Vielleicht bin ich aber auch einfach nur ein wenig zu faul, auch diese Feier noch detailliert zu beschreiben? Möglich.)
Am Sonntag nach kurzer Nachtruhe ein erstaunlich katerfreies Erwachen. Bei einem kurzen Blick in die Küche bzw. den Versammlungssaal wird einem dann doch ein wenig übel, aber man schwingt zusammen mit Bertrand (der ebenfalls zu den Kurzschläfern gehört) den Besen, bis wieder alles glänzt. Nach und nach kriechen die Faultiere aus ihren Löchern, und das Frühstück nimmt sich im warmen Sonnenschein am besten ein. Dann droht uns auch schon langsam die bevorstehende Abreise, die es zuvor noch durch rigoroses Aufputzen vorzubereiten gilt, was nach einigen Stunden geschehen ist. Die Rückreise traten wir dann gesondert per Auto an, um uns dann nochmals in dem Chorhauptquartier zu versammeln.
Hier endet mein Reisebericht. Ich entschuldige mich für die fast einwöchige Verzögerung, die allein meinem Arbeitseifer in der Woche nach der Reise geschuldet ist, wünsche meinen Lesern noch einen schönen Abend und bis bald!
Vif
Meine sehr verehrten Damen und Herren, willkommen zu dieser vierunddreißigsten Ausgabe meiner Abenteuer in Frankreich!
Die Woche begann am Montag gleich prächtig; hatten wir am Vortag, sprich den Sonntag, noch Paulines Geburtstag gefeiert, so klopfte sie am Montag schon wieder an meine Türe, um mich zu fragen, ob ich sie zur Tramstation begleiten möchte, wo sie mich gerne ihrer Familie vorstellen würde, die anlässlich ihres Geburtstags gerade zu Besuch in Bordeaux sei. Daraufhin zögerte ich nicht lange (auch, um eine willkommene Auszeit von meiner Arbeit zu nehmen ^^), und lernte somit bei der Tramstation die paulinische Familie kennen, die sich in Form von Mutter und zwei Schwestern inkarniert hatte. Pauline verabschiedete sich allerdings relativ bald wieder, denn sie würde noch arbeiten müssen, was ihre Mutter gleich zum Anlass nahm, mich zum Abendessen zu ihnen einzuladen. Da ich ohnehin an diesem Abend keine große Lust auf Kochen hatte, kam mir das Angebot gerade recht, und begleitete sie zu ihrem gemieteten Domizil, wo ich bei der Fischwerdung eines Abendessens beiwohnen durfte. Paulines Familie ist auf jeden Fall sehr nett; ihre Mutter war mir gegenüber sehr entgegenkommend, und ihre Schwestern in der frühen Adoleszenz waren sehr lustig, vor allem, wenn sie versuchten, mit mir andere Sprachen als Französisch zu sprechen. ![]()
Etwas später gesellte sich auch Pauline noch zu uns dazu, und wir genossen ein echtes französisches Abendessen. Allein was fehlte, war der Wein, wir konnten trotzdem lustig sein.
Am Dienstag erfuhr ich mehr zufällig als geplant nach der Mensa von meinem Erasmus-Kollegen Gabriele, dass der Französisch-Sprachkurs ab sofort nicht mehr stattfinden würde. Es geht nichts über eine Portion Zufall und ein gutes, soziales Netz, um solche Nachrichten zu erfahren, vor allem, wenn diese nicht offiziell kommuniziert werden. Auf meine Nachforschungen hin kann man sich den Kurs für sein Studium anrechnen lassen, allerdings steht die Note scheinbar erst gegen Anfang Juni fest. Da ich bei dem einzigen Test, an den ich mich erinnern kann, allerdings nicht gerade berühmt abgeschnitten habe, weiß ich noch nicht, ob ich mir den Kurs wirklich anrechnen lassen möchte. Das hängt auch davon ab, ob ich z.B. eine schlechte Note in Frankreich durch eine bessere Note in einer Innsbrucker Vorlesung “ausbügeln” kann. Doch ach, mir kommt fast vor, es steht mir die Klärung noch so einiger Sachverhalte bevor …
Am Abend war jedenfalls wieder Chorprobe, und obwohl ich zeitlich nicht mehr zu meinem Döner-Sprint in der halben Stunde zwischen Sprachkurs und Chorprobe gezwungen war, gönnte ich mir anlässlich des Döner-Days wieder mein lieb gewonnenes Stück Fast Food. In der Chorprobe wurden wir dann zu unserer unmittelbar bevorstehenden Chorreise nächster Woche nach Ariège informiert: Wir werden in dem Örtchen Ornolac unser Domizil finden und die Woche bis zum Sonntag mit allerhand Freizeitaktivitäten garnieren; genannt wurden Rafting, Wandern (u.a. auch zu heißen Quellen, wo man im Freien baden kann!), Klettern … es klingt also fast so wie das Abenteuercamp, das wir im Gymnasium gemacht hatten. (Habe gerade alte Fotos angeschaut und bin dabei richtig nostalgisch geworden … die gute, alte Schulzeit …) Schüttel, schüttel, zurück in die Gegenwart, bzw. die Zukunft. Da es eine Chorreise ist, wird natürlich auch die musikalische Komponente nicht zu kurz kommen; leider ist nur ein einziges Konzert am Freitag geplant, was wohl bedeutet, dass mein Cousin Mino nicht wie angedacht am Wochenende zu einem unserer Konzerte kommen kann. :/ Dazwischen werden wir allerdings ein paar Stücke aufnehmen, und zwar wie schon bei unseren letzten Aufnahmen zum Film “Hasta Santiago” stammen auch diese Stücke vom Komponisten Pierre Manchot.
In unmittelbarer Nähe unseres Aufenthaltsortes befindet sich übrigens auch der Kleinstaat Andorra, der weniger Einwohner hat als Innsbruck. Vielleicht geht sich ein Kurzbesuch dorthin aus. Kurz und gut, die kommende Woche erfüllt alle Voraussetzungen für eine gewaltige Woche!
Am Mittwoch nützte ich die Gelegenheit, um ein wenig Tiroler Kulturgut nach Frankreich zu bringen: Ich brachte meinen Uni-Freunden das Watten bei! Diese zeigten sich erstaunlich vif beim Erlernen des Spieles, bis auf meinen Partner beim Ladinisch Watten, denn wir brachten es prompt fertig, bei der ersten Partie zu verlieren. Welche Schande …
Am Nachmittag nützte ich das schöne Wetter und versuchte, im Hof von Village 2 einen Artikel für meine Masterarbeit zu studieren. Allerdings vergeblich, denn es gesellte sich noch eine Heimbewohnerin namens Lili auf meine Bank, und wir redeten so lange miteinander, dass wir am Ende schon die Bank wechseln mussten, da die Sonne soweit fortgeschritten war, dass sie uns ins Gesicht zu scheinen begann.
Auch als sie dann gegangen war, wurde meine Aufmerksamkeit strapaziert, denn ich bemerkte eine große Anzahl von Wohnwägen, die sich an Village 2 vorbeibewegten: Die Zigeuner zogen weiter! Ich konnte mein Glück auf den ersten Blick gar nicht fassen — endlich wieder Tage ohne Dauer-Hundegebell! Auch die in letzter Zeit häufig gesichtete Security in Form eines kräftiger gebauten Cyrano von Bergerac wird so vermutlich obsolet. Als einer der Hausmeister an mir vorbeikam, fragte ich ihn, ob er meine, dass die Zigeuner weitergezogen seien, worauf er meinte, dass sie vermutlich einen Monat verschwunden bleiben würden und dann wieder zurückkämen. Nun, in zwei Monaten bin ich eh fast schon wieder weg, also geniert mich das nicht so sehr.
Am Donnerstag Abend war wieder einmal ein Konzert fällig, und zwar in symphonischem Rahmen! Ich begab mich mit Pauline in das Auditorium de Bordeaux, wo wir den wunderbaren Werken von Debussy, Prokofiev, De Falla und Strawinsky lauschten, und das auf einem Balkon direkt “neben” dem Orchester mit grandioser Sicht auf ebendieses. Danach schmuggelte ich mich noch in die darauffolgende soirée (nicht zuletzt mithilfe eines Chorkollegen, der beim Auditorium an dem Abend gearbeitet hat — es geht nichts über gute Freunde ^^), wo wir noch einige interessante Leute kennenlernten. Bei solchen Anlässen macht es sich bezahlt, bei einem Chor zu singen, denn viele Konzertbesucher haben meinen Chor zumindest einmal schon gehört, was natürlich gleich einen guten Gesprächseinstieg bietet.
Am Samstag war mein für diese Woche produktivster Arbeitstag; ich habe an einem Tag gleich drei Seiten an meiner Masterarbeit geschrieben, die mittlerweile auf 39 Seiten angewachsen ist. Die Arbeit wird mir auch so schnell nicht ausgehen, denn ich habe noch viel zu schreiben und zu beweisen … es macht mir einiges an Spaß, mein “Meisterwerk” immer schöner und ausführlicher zu gestalten. Der Abgabetermin in Frankreich ist jedenfalls auf den 2. Juni festgesetzt, und die Präsentation gegen Ende Juni. Da ich zusätzlich zu der Präsentation in Frankreich meine Arbeit auch in Innsbruck verteidigen muss, werde ich auch in Bälde die entsprechenden Termine für Österreich organisieren, damit die Anerkennung meiner Arbeit für das Erasmus-Programm möglichst glatt vonstatten geht.
Am Abend meldete sich recht unerwartet mein Nachbar Simon noch bei mir und wollte mich zum Billardspielen einladen. Da er allerdings selbst bezweifelte, dass man am Samstag Abend so leicht einen Billardtisch bekommt, schlug ich ihm einen Kinobesuch vor, was ihm zusagte, und ich nützte die Gelegenheit, auch Sara dazu einzuladen. So kam es, dass wir uns à trois den Film “L’écume des jours” (“Der Schaum der Tage”) ansahen, der mir sehr gut gefallen hat — ziemlich psychedelisch angehaucht und sehr liebenswert gestaltet. Die wohl bekannteste Schauspielerin des Filmes dürfte Audrey Tautou sein, die schon in einer anderen fabelhaften Welt mitgespielt hat.
Das war’s von mir für diese Woche; ich wünsche meinen Lesern noch einen schönen Wochenbeginn, und bis bald!
P.S.: LyX-Tipp der Woche: Man kann sich in LyX Grafiken so anzeigen lassen, genau wie sie später im fertigen Dokument aussehen werden. Einfach unter “Werkzeuge -> Einstellungen -> Anzeige -> Grafiken anzeigen” aktivieren, und schon werden alle Formeln wunderschön dargestellt.
Ich hoffe, ich klinge nicht zu sehr wie die berühmt-berüchtigte Büroklammer …
P.P.S.: Noch ein schönes Musikstück zum Abschluss: Rachmaninow, Klavierkonzert No.2, Adagio. Die Melodie dieses atemberaubenden Stückes ist mir Anfang der Woche eingefallen und nicht mehr aus dem Kopf gegangen, bis ich es endlich gefunden habe …
Tant pis
Meine sehr verehrten Damen und Herren, willkommen zu dieser dreiunddreißigsten Ausgabe meiner Abenteuer in Frankreich!
Beginnen wir dieses Mal zur Abwechslung mit einem Bilderrätsel: Wer ist die Dame mit dem Mikrofon auf dem folgenden Bild? Ein kleiner Tipp: Der Herr rechts von ihr würde auch noch zu ihr aufschauen, wenn er aufrecht stünde.
Während die Gehirnzellen noch glühen, fahre ich fort und löse das Rätsel später auf. Manchen gibt’s der Herr ja beim Lesen … ^^
Am Mittwoch verleiteten uns die warmen Lüfte nach dem obligatorischen mittäglichen Resto’U-Besuch zu einer Partie Tarock (fr. “tarot”) auf der grünen Wiese. Das Studentenleben erblüht wieder nach dem langen, kalten Winter (na gut, vielleicht ein wenig übertrieben dafür, dass es vielleicht einmal für zwei Minuten geschneit hat), wird aber bei den Studenten dadurch wieder abgewürgt, dass viele Prüfungen bevorstehen, nämlich die gefürchteten “partiels”! Alle Studenten? Nein! Ein paar leben noch in relativer Freiheit, ihre Galgenfrist dauert bis zum Juni, wo sie dann ihre Masterarbeit präsentieren. Und so geht der Kelch momentan an mir vorüber, aber sein giftiger Inhalt wird mir am Ende nicht erspart bleiben …
Es ist erstaunlich, wie die Zeit vergeht: Von zehn Monaten Aufenthaltszeit sind schon fast acht vergangen, das heißt, mir bleibt nur noch 1/5 meiner Gesamtaufenthaltszeit hier in Frankreich, bevor ich wieder nach Österreich zurückkehren werde. Ich glaube, ich begreife noch gar nicht richtig, was das heißt, denn ich denke, dass die Umstellung wieder ein ziemlicher Schock werden wird …
Um mich auf diesen Schock wenigstens ein bisschen einzustellen, habe ich mir diese Woche den Besuch eines “Österreich-Abends” gegönnt. Kurze Vorgeschichte: Vor einiger Zeit habe ich eine E-Mail von einer Institution namens “Maison de l’Europe” (Europahaus) bekommen, in der ich zu einer “soirée autrichienne” eingeladen wurde, mit der Option, dort einen potenziellen Radioauftritt zu besprechen. Da mir das zu gut erschien, um war zu sein, beschloss ich, als Zeugin meine Nachbarin Kasia zu der soirée mitzunehmen, auf dass sie mich aus meinen überschäumenden Träumen zwickend aufzuwecken vermöge. Bei besagter soirée erwarteten uns dann einige Poster meiner Heimat, die das Land natürlich im schönsten Licht zeigten, mit Hochglanzprospekten und dergleichen. An der kulinarischen Verpflegung muss allerdings noch gefeilt werden, denn der Apfelstrudel wurde ohne Schlagobers serviert — da sollte man meinen, dass seit “Inglourious Basterds” die ganze Welt einen Apfelstrudel entsprechend zu garnieren weiß, aber denkste! Trotzdem war Kasia davon begeistert — ein klarer Gewinn für unsere Küche! ![]()
Zwischen Wein und Kuchen fragte ich dann die Damen der Maison de l’Europe nach ihrem ominösen Rundfunkangebot und erfuhr, dass sie am 30. April eine Radiosendung über Erasmus-Studenten aufzeichnen, in der diese ihre Erfahrungen schildern können. Sozusagen das, was ich mit diesem Blog schon seit einiger Zeit wahrnehme.
Zu meinem großen Bedauern musste ich allerdings feststellen, dass ich am 30. April voraussichtlich schon mit dem Chor im Département Ariège sein würde, außer es würde mir gelingen, eine spätere Mitfahrgelegenheit zu finden. Dieses ist momentan eher unwahrscheinlich, aber man wird sehen … die Sache ist noch nicht ganz gegessen.
Der Überraschungsgast des Abends war allerdings — unsere Ex-Außenministerin Ursula Plassnik! Hiermit ist auch das Bilderrätsel von oben aufgelöst; gratuliere an die, die es geschafft haben, der Rest möge sich ins Eck stellen und sich zehn Minuten lang schämen. …
Gut, genug geschämt. Frau Plassnik ist momentan jedenfalls Botschafterin in Frankreich und nutzte diese Position, um den Anwesenden der soirée über Österreich und Europa zu referieren. Kannte ich sie vorher eigentlich kaum, war ich doch ziemlich beeindruckt von ihrem Auftritt, denn sie strahlte große Kompetenz aus und ging auch auf die Fragen im Publikum sehr genau ein, anders als gewisse andere Politiker. Ich denke, das wäre ein guter Indikator für Kompetenz: Fragen ohne Umschweife beantworten zu können.
Nach dem Vortrag und der Diskussion unterhielt ich mich noch kurz mit ihr, bevor ich dann mit der immer hungriger werdenden Kasia die Maison de l’Europe verließ. Da sie noch nie die Innenstadt von Bordeaux bei Nacht gesehen hatte, spielte ich ein wenig Reiseführer, und wir genossen die Sicht auf die illuminierte Place de la Bourse, während uns die im Hintergrund leise plätschernde Garonne im schimmernden Mondenschein eine zarte Begleitung war. Stadtbesichtigungen machen hungrig, und anstatt direkt nach Village 2 zurückzukehren, schlug ich vor, in der Stadt zu essen, was auch Kasia zusagte, worauf wir zu einem “echten Türken” gingen und uns dort bestens restaurierten. Der Kellner holte sogar ein türkisches Instrument (eine Saz) hervor und spielte uns ein Ständchen. Dass wir uns also prächtig amüsierten, brauche ich kaum zu erwähnen.
Am Donnerstag traf ich mich mit meiner “Konzertbekanntschaft” von letzter Woche, Anaïs, um mit ihr ein paar Schubert-Lieder zu singen bzw. sie am Klavier zu begleiten. Sie möchte nämlich nächstes Jahr am Konservatorium Gesang studieren, weshalb ich ihr angeboten habe, sie am Klavier bei einigen Liedern zu begleiten und ihr Tipps geben, sofern ich dazu befähigt bin.
Es ließ sich unser Zusammenspiel auch recht vielversprechend an; leider musste sie schon früher als von mir erwartet wieder von dannen ziehen, aber wir haben für nächste Woche schon wieder ausgemacht, und ich hoffe, dass wir dann ein wenig mehr Zeit haben. ![]()
Musikalisch ging es weiter, denn am Abend war wieder einmal ein Chorkonzert, diesmal mit einer Besonderheit: Es fanden sich drei verschiedene Chöre zusammen, darunter natürlich unserer Chor, ein anderer Chor aus Bordeaux und ein tschechischer Mädchenchor aus Brünn, der gerade auf Frankreich-Tournée war. Mit dieser geballten musikalischen Kraft bestritten wir das Konzert gemeinsam, um am Ende mit dem triumphalen “Cantique de Jean Racine” von Gabriel Fauré zu schließen.
Zu diesem Konzert waren auch meine Nachbarn Simon und Pauline gekommen, die beide begeistert waren. Ich fuhr dann noch mit Pauline per Fahrrad zurück nach Village 2, womit wir also so nebenbei auch unsere erste Fahrradtour gemacht hatten.
Am Freitag ging es paulinisch weiter, denn sie lud mich am Nachmittag dazu ein, mit ihr schwimmen zu gehen. Das Schwimmbad der Wahl war in diesem Fall das “Stade Nautique” in Pessac, das wohl eine der wichtigsten Einrichtungen in diesem Ort zu sein scheint, denn es ist quasi an jeder Kreuzung angeschrieben — alle Wege führen ins Schwimmbad.
Die erste freudige Entdeckung: Es herrscht keine Badehaubenpflicht! Der obligatorische Slip ist dagegen nur ein kleines in Kauf zu nehmendes Übel. Weitere Überraschung: Es gibt eine kostenfreie Sauna! Damit schlägt das Schwimmbad die “Piscine Judaïque” um Längen. Wir machten sowohl von Schwimmbecken als auch von Sauna regen Gebrauch, und als wir nach acht Uhr abends ziemlich fertig aus dem Schwimmbad kamen, besorgten wir uns noch in Pessac eine Pizza, die wir in einem Park bei lauen Temperaturen verspeisten. Wir haben uns selten so gut verstanden.
Zurück in Village 2 war ich von dem ungewohnten Schwimmbadbesuch ziemlich fertig, aber der Tag sollte noch eine Überraschung für mich bereithalten. Es klopfte nämlich an der Türe. Knock, knock. Who’s there? Ein schönes Mädchen, das ich auf Anhieb nicht erkannte. (In solchen Situationen wünscht man sich ein besseres Gesichtergedächtnis.) Dann macht das Hirn einen Satz, und erkennt meine “Zugbekanntschaft” Sarah wieder, die ich mit Omar auf dem Weg nach Montpellier kennengelernt hatte. Wie es scheint, gibt es da ein Techtelmechtel zwischen ihr und Omar, von dem ich nicht informiert war, und sie war zum Wochenende auf Besuch in Bordeaux. Ich war an dem Abend leider schon ein wenig zu kaputt, um mit den beiden etwas zu machen …
Am Samstag war ich höchst arbeitsmotiviert, was sich sehr vorteilhaft auf meine Masterarbeit auswirkte, denn mittlerweile habe ich schon einen guten Teil davon geschrieben.
Am Abend gab es dann wieder ein Chorkonzert, und zwar im direkt am Garonne-Ufer gelegenen “Cap Sciences”: Wir untermalten eine 50-Jahr-Feier des Vereins “Bordeaux accueille”, der es sich zum Ziel gesetzt hat, neu zugezogene Nicht-Bordelais in Bordeaux zu begrüßen. Ich selbst hatte ja schon das Vergnügen, bei einer Stadtführung zu Beginn meiner Zeit in Bordeaux mit diesem Verein in Kontakt getreten zu sein. Unser Auftritt stieß jedenfalls auf großen Beifall, und das äußerst reichhaltige Buffet nach dem Konzert (inklusive — wer ahnte es nicht? — Wein) trug zu einer äußerst lustigen Atmosphäre bei, was konsequent zu einer schon etwas schief klingenden Mitternachtseinlage führte. Danach ging es noch in die “Chorbasis” zu Alexis, wo wir ausgelassen und ausgiebig weiterfeierten.
Am Sonntag ein spätes Erwachen. Mein erster Gedanke galt Pauline, denn sie hatte an dem Tag Geburtstag und ich wollte ihr noch einen Kuchen machen. Blick auf die Uhr: 11:50 Uhr. Wann macht der Supermarkt zu? 12:30 Uhr. Da hilft kein Jammern und Flehen, da muss man heraus aus den Federn, schnell am Rechner ein Kuchenrezept heraussuchen, mit Hochgeschwindigkeit zum Supermarkt fahren, dort feststellen, dass man die Zutaten nicht alle findet, schlussendlich darauf scheißen und ein Fertigkuchenpulver kaufen zusammen mit ein paar Eiern, die man auch vor lauter Stress prompt bei der Kasse fallen lässt und zertätscht. Danach geht es an die Organisation eines Backrohrs, das man natürlich als Village-2-Bewohner nicht hat, und man wird bei einem Chorkollegen fündig, der praktischerweise gleich in der Nähe des Supermarktes wohnt. Dieser Chorkollege (namentlich Adrien) ist von der Feier noch kaputter als man selbst, und im Halbdelirium bereitet man den Kuchen zu und flankt sich danach auf die mittlerweile äußerst sonnige Terrasse, von der man sich am liebsten gar nicht mehr wegbewegen möchte. Dann wird man noch zum Mittagessen eingeladen, was man natürlich dankenderweise annimmt, und man verbringt den Beginn des Nachmittags in der äußerst sympathischen WG, wo man auch gleich weiterführenden Unterricht zum französischen Chanson bekommt.
Als man sich endlich loszureißen vermag, geht es in Village 2 weiter mit den Geburtstagsvorbereitungen: Es müssen Nachbarn mobilisiert werden, der Kuchen dekoriert …
Als wir am Ende vor Paulines Türe mit einem fix und fertigen Kuchen stehen und sie herauskommt, kann man mit Stolz sagen: Mission accomplished.
Das war im Großen und Ganzen meine Woche. Ich hoffe, ihr hattet Spaß beim Lesen; ich wünsche euch noch einen schönen Abend und bis bald!
On verra
Meine sehr verehrten Damen und Herren, willkommen zu dieser zweiunddreißigsten Ausgabe meiner Abenteuer in Frankreich!
Am Mittwoch fand mein erstes “offizielles” Konzert in Bordeaux statt! Es wurde vom service culturel der Universität Bordeaux 1 organisiert, und insgesamt wirkten daran drei Leute mit: ein Mathematik-Doktorand namens Giovanni (Klavier), eine Juristin namens Corinne (Gesang), und last but not least meine Wenigkeit (Klavier & Gesang).
Vor Beginn des Konzertes war ich wie zumeist höchst aufgeregt, hatte dann aber das Glück, für Giovanni die Seiten umblättern zu müssen, sodass ich ein wenig abgelenkt von meinem bevorstehenden Auftritt war und gleichzeitig noch die Musik genießen konnte.
Als die Reihe an mir war, litt ich leider an dem “Zitterfinger”, sodass ich nicht gerade von einer fehlerfreien Performanz sprechen kann, aber zum Glück blieb mir ein Super-GAU erspart. Am Ende, als es zu den Gesangsstücken kam, war ich wieder einigermaßen entspannt, da ich diese ja in- und auswendig kenne. Dabei war es keine Selbstverständlichkeit, dass ich diese Stücke singen konnte, denn am Vortag noch war meine Stimme von der überstandenen Krankheit um einiges schlechter, und ich konnte die Höhen kaum singen. Am Tag des Konzertes aber musste ich nur an einer einzigen Stelle bei den Höhen des “Erlkönigs” ein klein wenig schummeln. ![]()
Bei dem Konzert waren unter den zahlreichen Besuchern auch einige meiner Bekannten anwesend, unter anderem Kasia, Anne-Sophie, Mathieu (québécois) und mein Masterarbeit-Betreuer Géraud, der, wie ich wenige Tage zuvor erfahren hatte, früher auch Klavier gespielt hatte. Weiters kam ein “Fan” nach dem Konzert zu mir, um mir zu gratulieren, worauf ich sie spontan zum Mittagessen einlud, da ich vor dem Konzert aus Nervosität nichts essen konnte. Doch zuvor wurde mir noch die Ehre zuteil, eine Flasche “Universitäts-Wein” als Geschenk vom service culturel entgegenzunehmen. Habe ich in München ja schon das Universitäts-Bier (Weihenstephan) genossen, entkomme ich also auch in Bordeaux nicht dem universitären Alkohol. Nur in Innsbruck fehlt noch so etwas wie ein “Uni-Schnaps” … wäre aber vielleicht auch eine Schnapsidee.
Jedenfalls gingen wir nach dem Konzert noch Crêpes essen, wo wir auf Géraud und seine Frau stießen (die mir bisher auch noch unbekannt war), worauf wir zu viert den Text des Erlkönigs diskutierten.
Leicht alkoholisch ging es auch am Donnerstag weiter: Schon seit längerem hatte uns unsere Sprachlehrerin im Französisch-Kurs eine Weinverkostung versprochen, und sie hielt sich an das französische Sprichwort “chose promise, chose due”: Es begrüßte uns bei unserem Eintritt eine Tafel mit verschiedensten (natürlich französischen!) Käsesorten, Brot und Wein. Es war also nicht nur für Trank, sondern auch für Speis gesorgt, und wir bekamen gleich noch eine Einführung in die Önologie. Das Ensemble stieß bei uns auf Anklang, und ich glaube behaupten zu können, dass das wohl der lockerste Sprachkurs war, an den ich mich erinnern kann.
Am Freitag veranstaltete ich in Village 2 ein “concert de rattrapage”, will heißen, ein Konzert für diejenigen meiner Nachbarn, die zu faul waren, ihren Hintern am Mittwoch in “mein” Konzert an der Uni zu bewegen. Der Veranstaltungsort war der schummrige Klaviersaal im Erdgeschoss, wo man seit neuestem nicht einmal mehr die Fensterläden öffnen kann, weiß Gott warum. Trotz der etwas muffigen Atmosphäre und der Tatsache, dass nur ca. fünf Leute gekommen waren, war ich deutlich entspannter als bei dem Konzert am Mittwoch, und es machte mir richtig Freude, für meine Freunde zu spielen. ![]()
Am selben Tag erhielt ich auch noch Post aus der Heimat, nämlich eine Wahlkarte für die Tiroler Landtagswahl. Bei Betrachtung der bisherigen Prognosen wird die Koalitionsfindung wohl recht interessant werden, da ja die meisten Parteien nicht gut auf die ÖVP zu sprechen sind, die ÖVP aller Voraussicht nach aber auf eine andere Partei zur Koalitionsbildung angewiesen sein wird. Eine Koalition der kleinen Parteien könnte theoretisch eine Ampelkoalition ergeben (Rot/Gelb/Grün, was meine persönliche Lieblingskoalition wäre), diese würde allerdings kaum über 50% der Wählerstimmen kommen. Meine Prognose: Die ÖVP wird eine Koalition mit der zweitstärksten Partei eingehen, also vermutlich der SPÖ oder den Grünen. Topp, die Wette gilt. Meine Wahlkarte ist auf jeden Fall schon wieder auf dem Weg zurück nach Tirol.
Am Samstag ist der Sommer da. Spontan kommt der Gedanke an “Zuviel Hitze” von Falco, der den irrationalen Wunsch entstehen lässt, den Kühlschrank ein paar Minuten offen zu lassen. Doch dann besinnt man sich eines Intelligenteren und beschließt, vom schönen Wetter zu profitieren und eine Fahrradtour nach Bordeaux zu machen, wo man schon länger nicht mehr war. Und dort entdeckt man gänzlich neue Territorien, auf die man noch niemals einen Fuß oder einen Reifen gesetzt hat: Breite Alleen entlang der Garonne, auf denen sich eine undurchdringliche Menschenmasse langsam voranschiebt. Eine große Brücke, die seit wenigen Monaten erst die rive gauche mit der rive droite verbindet und einen starken Kontrast zur napoleonischen pont de pierre bildet. Dann auf der anderen Seite des Flusses, deutlich weniger stark frequentierte Gegend ohne Geschäfte, was für den slalomgewöhnten Radfahrer durchaus eine angenehme Abwechslung darstellt. ![]()
Am Ende der Tour, die ungefähr drei Stunden gedauert hat, war ich komplett fertig, was sicherlich meinem zu niedrigen Fahrradsattel geschuldet ist — wenn ich nicht so ein Geizhals wäre, würde ich mir ja glatt noch für die kommenden zwei Monate einen neuen Fahrradsattel gönnen.
Am Abend hörte ich von einem Nachbarn (Simon, der übrigens auch bei meinem Konzert am Mittwoch anwesend war, ohne mich allerdings zuvor zu kennen), dass in der Stadt ein Jazzkonzert stattfinden würde, worauf ich Lust gehabt hätte, allerdings schon von meiner Fahrradtour so kaputt war, dass ich mich zu einem gemütlichen Abend in Village 2 entschied. Da traf es sich gut, dass mein Nachbar Aalaa gerade Besuch hatte, und so quatschten wir fast drei Stunden lang bei ausgezeichnetem marokkanischem Tee (made in China) über Gott und die Welt.
Am Sonntag entschied sich die Sonne, weiter zu kochen. Auch ich kochte, allerdings Eier für ein Sandwich, wobei ich merkte, dass es vielleicht wirklich Sinn ergibt, die Eier vollständig mit kochendem Wasser zu bedenken, denn sonst ist eine Hälfte gut gekocht und die andere mehr oder weniger weiß-gelber Gatsch. Das Sandwich war jedenfalls auch ohne Eier mein ganzer Stolz und ist dem gewaltigen Sandwich meines Cousins Mino nachempfunden; es enthielt:
- Tomaten
- Schinken
- Salat
- Käse
- Mayonnaise
- (Die Eier sollten eigentlich auch noch hinein, aber aufgrund ihrer Konsistenz aß ich sie einfach direkt, während ich das Sandwich machte.)
Mit dieser kalorienbombigen Mischung machte ich mich in die Stadt auf, denn ich hatte mich mit Clara und Sara zum Picknick im parc bordelais verabredet. Die Hitze war ziemlich erdrückend (was Sara als Algerierin allerdings nicht so empfand ^^), weshalb wir uns an einem etwas schattigen Plätzchen im Park installierten und uns von dort die nächsten paar Stunden auch nicht mehr wegbewegten. Erst als der Abend heraufdämmerte, ließen wir von unserer Lagerstatt ab, um langsam in unsere respektiven Domizile zurückzukriechen. Für unsere nächste Zusammenkunft haben wir angesichts der steigenden Temperaturen jedenfalls schon eine etwas wässrigere Umgebung auserkoren, sei es nun Arcachon oder Bordeaux-Lac. ![]()
Was begrüßte mich bei meiner Rückkehr in Village 2, als ich beim Fenster hinausschaute? Auf der Wiese vor meinem Fenster, die mich in der Früh noch im satten Grün angestrahlt hat, parkte nunmehr eine Schar von Wohnwägen — die Zigeuner sind wieder da! Wir werden sehen, wie sich das entwickelt … bis jetzt nervt mich nur ein Hund, der sich als äußerst stimmbandstark erweist und dies durch Dauerbellen unter Beweis zu stellen versucht. Bisher mit Erfolg. Die Polizei ist auf jeden Fall schon mit einem Streifenwagen zur Stelle, hält sich aber noch brav zurück.
Meinen Lesern wünsche ich das Allerbeste, das Leben ist schön und bis nächste Woche!
Rien de rien
Meine sehr verehrten Damen und Herren, willkommen zu dieser einunddreißigsten Ausgabe meiner Abenteuer in Frankreich!
Abenteuer ist diesmal etwas zuviel gesagt, denn diese Woche war eigentlich verhältnismäßig ereignislos. Das mag die Leser freuen, die von der Last meiner Buchstaben bisher schier erdrückt worden sind und sich schon länger einmal einen kürzeren Text gewünscht hätten. (Dabei denke ich nicht zuletzt auch an meine Familie, die ja von mir auch manchmal über den Inhalt meiner Blog-Einträge geprüft wird. ^^)
Seit Montag führe ich einen Tram-Entzug durch, hauptsächlich mit den Substitutionsdrogen Véloin und Pedesol. Bisher funktioniert der Entzug ganz hervorragend (keine Entzugserscheinungen, dafür wegen entfallender Tramkarten mehr Geld in der Tasche!), und vermutlich ist er auch meiner Gesundheit recht zuträglich. Wobei man sich fragen muss, inwiefern Fahrradfahren mit einem viel zu niedrig eingestellten Sattel die Kniegelenke schädigt, und ob das den allgemeinen Gesundheitsgewinn durch die Bewegung wettmacht.
Der Dienstag hat mir das unbestrittene Video der Woche beschert — voilà Gros Google. Cooler französischer Rap mit bärigem Beat, dazu tolle Animation und eine interessante Thematik, wenn auch etwas derb aufbereitet. ![]()
Selber singen konnte ich am Dienstag hustenbedingt leider noch nicht, außer in den allertiefsten Stimmlagen. Da das aber bizarr klingt, musste ich auf den Chor verzichten.
Am Mittwoch der monatliche Gang zum Accueil von Village 2, wo ich meine Miete bezahlen möchte. Freudige Überraschung: Ich muss nichts zahlen! Mittlerweile hat sich nämlich die CAF (nach fast sechs Monaten!) meiner erbarmt und mich für wohnunterstützungsberechtigt befunden. Das heißt, dass ich ab jetzt Monat für Monat haarsträubende 37,92€ aus den barmherzigen Konten der CAF zu empfangen die Ehre habe. Dazu kommt, dass ich die besagten 37,92€ für meinen gesamten bisherigen Aufenthalt nachgezahlt bekomme, was ungefähr zwei Monatsmieten entspricht, die somit für mich entfallen. ![]()
Als i-Tüpfelchen habe ich auch gleich noch ein Paket gekommen, in dem mein neuer Friseur, sprich Haarschneidemaschine, enthalten war. Da ich nämlich schon immer über eine äußerst dagobertoide Ader verfügt habe, habe ich mir durchgerechnet, wie viel Geld ich mir sparen würde, wenn ich mir selber die Haare schneiden könnte. Das Ergebnis (509,2 Fantastillionen) hat mich so überzeugt, dass ich trotz immanenten Haarüberschusses nicht den Gang zum Friseur angetreten, sondern mir bei Amazon eine Haarschneidemaschine von Philips zugelegt habe. Ich erwähne hier die Marke ausdrücklich, da ich schon einen Rasierapparat von Philips mein Eigen nenne und dieser erstaunlich langlebig ist; da ich etwas gegen geplante Obsoleszenz habe, achte ich nach Möglichkeit darauf, langlebige Produkte zu erstehen.
Nachdem ich nunmehr also in meinem kleinen Village-2-Zimmerchen ein Restaurant (Küchenzeile), ein Hotel (Bett) und ein Büro (Arbeitstisch) eingerichtet habe, ist hier nunmehr auch ein Frisieursalon angesiedelt. Das Selbst-Schneiden funktioniert auch recht gut; nur am Hinterkopf habe ich noch nachbarlicher Unterstützung bedurft, nämlich am …
Freitag von Kasia! Im Gegenzug habe ich ihr einen kleinen LyX-Kurs gegeben, nachdem ich bei meinem letzten Besuch bei ihr bemerkt habe, dass sie eine unregistrierte Version von Word benutzte, mit der sie überdies noch die Überschriften händisch nummeriert hat! (Da ist sie allerdings nicht die erste.) Für diejenigen, die noch nicht erleuchtet wurden: LyX ist ein Programm wie Word, mit dem man Dokumente erstellen kann; im Unterschied zu Word sieht man allerdings auf dem Bildschirm nicht direkt, wie das Dokument im Druck ausschauen wird, sondern nur eine ungefähre Vorschau. Will man das endgültige Dokument sehen, dann klickt man auf ein Knöpfchen und bekommt eine PDF-Datei, die um einiges hübscher ist als die Vorschau. Meistens sind die Resultate von LyX auch optisch sehr ansprechend, da im Hintergrund das renommierte Programm LaTeX die endgültige Ausgabe erzeugt.
Warum ist LyX so toll? Manche Leute schreiben ihre Dokumente direkt mit LaTeX; dabei kann allerdings schnell einmal die Übersicht verloren gehen, wobei einem LyX sehr hilft, da es z.B. Überschriften anders darstellt als normalen Text. Außerdem zeigt es viele andere Objekte direkt in der Vorschau an, wie z.B. Tabellen, Bilder, Formeln, …
Ich verwende LyX schon seit Schulzeiten (genauer gesagt, seit meiner Fachbereichsarbeit 2008), und ich bin immer noch begeistert von der Flexibilität und Stabilität des Programms. Ich glaube, ich kann die Abstürze des Programms an einer Hand abzählen, obwohl ich es schon für unzählige Dokumente von der Bachelorarbeit bis zum Stundenplan eingesetzt habe und auch jetzt für meine Masterarbeit verwende. Außerdem hat das Programm eine exzellente Dokumentation. Kurz und gut, es ist mein Lieblingsprogramm Nr. 1.
Auch Kasia hat es sehr gut gefallen, und ich hoffe, ihr damit geholfen zu haben.
Diese Woche habe ich entdeckt, dass LyX Mathematik-Makros unterstützt, was mir das Leben um einiges leichter gemacht hat: Mithilfe dieser Makros kann ich jetzt z.B. Beweise in Baumform grafisch in LyX schreiben, obwohl LyX von Haus aus eigentlich keine Unterstützung für solche Beweise mitliefert. Dafür verwende ich ein Paket LyXproofs, das intern das Paket bussproofs verwendet.
Am Samstag hat mich Yuko zu selbstgemachtem Sushi zu sich eingeladen. Es ist ja eine Sache, in ein japanisches Restaurant zu gehen, aber eine ganz andere, von einer echten Japanerin bekocht zu werden.
Im Moment beschäftigt sich Yuko sehr stark mit Nordkorea, da das Land ja sehr nahe an ihrem liegt — die Luftlinie zwischen Pjöngjang und Fukuoka ist kürzer als die zwischen Innsbruck und Bordeaux! Da kann man schon verstehen, wenn der eine oder andere Japaner leichtes Unwohlsein verspürt.
Der geschätzte Leser könnte sich an dieser Stelle fragen, was ich denn eigentlich die ganze restliche Zeit getrieben habe, wenn ich denn hier fast nichts zu berichten habe? Tatsächlich habe ich relativ viel Klavier geübt, denn “mein” Konzert findet am 10. April statt, und von nicht kommt nicht. Außerdem habe ich meine Masterarbeit weitergetrieben, und mittlerweile habe ich meinen Algorithmus zur automatischen Beweiskonstruktion fertig implementiert. Er funktioniert! ![]()
Außerdem habe ich mittlerweile begonnen, meine bisherigen Ergebnisse in Textform zu gießen, was mir glücklicherweise nicht allzu schwer fällt; schwieriger ist es, in meinen meterhohen Papierstapeln gewisse Ergebnisse zu finden, die ich vor einem Monat notiert habe.
Soviel von mir; ich wünsche meinen Lesern alles Gute und bis bald!
La peste
Meine sehr verehrten Damen und Herren, willkommen zu dieser dreißigsten Ausgabe meiner Abenteuer in Frankreich!
Diese Woche begann schon sehr vielversprechend: Am Montag Abend steht unerwarteterweise Pauline mit einem Kollegen vor meiner Türe und fragt mich, ob ich mit ihnen zu einem Gratiskonzert an der Universität Bordeaux 1 mitgehen möchte? Eigentlich wollte ich ursprünglich den Abend der Arbeit weihen, aber wieder einmal ist der Geist schwach und ich beschließe, den Abend zur “Kulturveranstaltung” umzuwidmen. Dabei musste ich mit dem Dilemma kämpfen, dass sich der Kollege von Pauline vermutlich einen romantischen Abend mit Pauline zu zweit vorgestellt hätte und ich ihm somit diese Hoffnung nahm; andererseits hatte mich ja Pauline direkt gefragt, was bedeutete, dass sie zu seinen Plänen nicht kongruente Vorstellungen zur Abendgestaltung hatte. Und von Konfluenz hielt sie an diesem Abend schon gar nichts.
Wir packten auf jeden Fall noch unsere Nachbarin Raluca in die Besucherliste, und dann ging’s auch schon zur Uni, wo uns ein “Quintette de cuivres”, also ein Blechbläserquintett erwartete. Dieses setzte sich zusammen aus Mitgliedern des Orchestre National Bordeaux Aquitaine und spielte wirklich gewaltig. War ich anfangs ein wenig skeptisch wegen der vielen zeitgenössischen Komponisten auf dem Programmheft, konnte ich während des Konzertes dann doch erleichtert aufatmen, denn wie mir scheint, machen zeitgenössische Blasmusikkomponisten deutlich weniger “moderne Musik” als z.B. Komponisten für Orchesterstücke. Als programmiertes Highlight des Abends sei das Stück “Der Kuckuck” von Elgar Howarth genannt, bei der ein Bläser die Kuckucksrufe (und ein anderer das Muhen einer Kuh) durch sein Instrument imitiert hat — Heiterkeit beim Publikum war vorprogrammiert. Der komödiantische Ansatz zumindest dieses Stückes hat mich ein wenig an Mnozil Brass erinnert …
Nach dem Konzert gab es noch ein Buffet mit Aperitif (vermutlich zu 50% Paulines Motivation, zu dem Konzert zu gehen ^^), wo auch die Musiker anwesend waren und wir sie ein wenig ausquetschten. Dann ging es wieder nach Village 2, wo mir Pauline nach Verabschiedung ihres Kollegen erzählte, dass sich dieser so nahe neben sie beim Konzert hingesetzt hatte, dass sie beinahe von der Bank gefallen wäre. (Ihr waren seine Annäherungsversuche nicht geheuer. ^^) Merke: Man kann es auch übertreiben.
Über all diesen Geschichten vergaß ich vollkommen den Geburtstag meiner Mutter, der am selben Tag stattfand! Glücklicherweise legt sie nicht so großen Wert auf Geburtstagsfeierlichkeiten, trotzdem biss ich mir am nächsten Tag, als mir mein Malheur bewusst wurde, einmal kräftig in den Allerwertesten! (Es blieb zumindest bei dem Versuch … die Absicht zählt.)
Am Dienstag studierten wir mit dem Chor ein paar neue Stücke ein. Das ist an sich nichts Neues, also warum schreibe ich darüber hier? Aus dem einfachen Grund, weil ein Stück darunter war, das mir so gut gefallen hat, dass es hier eine spezielle Erwähnung rechtfertigt: Es handelt sich um den “Cantique de Jean Racine Op. 11” von Gabriel Fauré, ein Stück, das mich einfach dahinschmelzen lässt. Unglaublich, dass Fauré es mit scheinbar nur 19 Jahren geschrieben hatte …
Am Mittwoch hielt seit längerem wieder einmal die haute cuisine Einzug in Village 2, da ich mein Einheitsprogramm aus Spaghetti, Tortellini und Frankfurtern im wahrsten Sinne des Wortes satt hatte. Da ich noch eine kleine Menge Obers vorrätig hatte (Geschenk von Pauline), beschloss ich, diesen testweise in einem Kaiserschmarren zu verbacken. So ersetzte ich also einen Teil der Milch durch Obers, und siehe da: Das wurde mein vermutlich bester Kaiserschmarrn meines Lebens! So zart und saftig … nicht einmal das Fehlen von Apfelmus und Konsorten (an so etwas denkt man beim Kochen nicht, und am Ende fällt es einem wie Schuppen von den Augen) konnte den Genuss schmälern.
Am Donnerstag war ich wieder einmal dichterisch tätig und vollendete die Übersetzung eines weiteren Liedes der Comedian Harmonists auf Französisch, nämlich “Auf Wiedersehn, My Dear” (der deutsche Titel sollte eigentlich m.E. “Gib mir den letzten Abschiedskuss” lauten, denn die Worte “Auf Wiedersehn, My Dear” kommen im Lied selbst gar nicht vor). Hier also die Übersetzung:
“Embrasse-moi une dernière fois
parce-qu’il faut maintenant que je pars
et dis-moi au revoir, chérie
adieu, et au revoir.
On s’est aimé avec passion
et le bonheur était profond
c’est pourquoi je dis au revoir
adieu, et au revoir.
Tu ne dois pas me dire si tu restes féale
si on s’aime vraiment on ne demande pas d’choses si banales
Embrasse-moi une dernière fois
parce-qu’il faut maintenant que je pars
je me réjouis de te revoir
adieu, et au revoir.
On s’est trouvé par chance
aimé et embrassé
c’était une connaissance
qui est rare à trouver
ce conte se finit vite
donc donnes-moi tes mains petites
Embrasse-moi une dernière fois
[...]”
Am Freitag spürte ich schon eine gewisse faiblesse in meinen Gliedern, die wieder einmal die Ankunft eines neuen Infektes ankündigte. Den ganzen Vormittag über war ich dementsprechend unproduktiv und wollte mich gegen Mittag ins R.U. zum Essen schleppen, als ich beim Verlassen von Village 2 im Treppenhaus Pauline hörte und beim Ausgang (galant wie immer ^^) die Türe aufhielt. Wie sich herausstellte, war sie gerade mit ihrer Freundin Anne-Sophie auf dem Weg in die Stadt, um dort japanisch essen zu gehen, und ich schloss mich dieser Runde kurzentschlossen an. In Situationen wie diesen wünscht man sich, doch ein wenig mehr Sorgfalt auf die Wahl seiner Kleider gelegt und nicht krankheits- und faulheitsbedingt sein Äußeres hintangestellt zu haben. Nun ja, sei’s drum, die Damen scheinen es mir nicht allzu übel genommen zu haben … ![]()
Am Nachmittag war ich schon ziemlich tot und verbrachte die meiste Zeit im Bett. Daraus holte mich unerwartet meine Nachbarin Yuko, die von meiner Krankheit gehört und mir einen Sack voll Obst mitgebracht hatte! Wahnsinn, was ich für Nachbarn habe. Zu unserem Gespräch gesellte sich dann bald auch noch Kasia dazu, die scheinbar seit fünf Tagen kaum ihr Zimmer verlassen hatte und deren Redeschwall kaum zu bremsen war.
Am Abend wollte ich dennoch allein sein, und ich schaute mir dann den Film “28 Days Later” an, in dem es zum Anlass passend um eine höchst infektiöse Krankheit geht, die die menschliche Zivilisation in Großbritannien zerstört.
Am Samstag ging der Ringelreihen zum Themenkomplex “Krankheit” weiter: Ich wurde nämlich endlich mit dem Buch “La peste” von Albert Camus fertig, das ich irgendwann im letzten Herbst auf Kristins Anraten hin begonnen habe. Damals ahnte ich freilich noch nicht, dass ich für diese an sich lächerlichen 279 Seiten fast ein halbes Jahr benötigen würde. Es ist mir daher ein Trost, dass mir schon einige Franzosen versichert haben, dass “La peste” kein leichter Stoff ist, den man so eben im Vorübergehen liest, und dass auch viele Franzosen Probleme mit dem Text haben. Immerhin ist jetzt der Weg frei für das nächste Buch von Kristin, nämlich “Le Magasin des Suicides” von Jean Teulé.
Den Großteil des Tages verbrachte ich wiederum im Bett. Wenn ich nicht so ein unangenehmes Halsweh hätte, dann würde ich es vermutlich direkt genießen …
Mir fiel auf, dass bei einer Krankheit alles irgendwie ein wenig extremer ist: Ich trinke wie ein Kamel (die können scheinbar innerhalb weniger Minuten bis zu 100l Wasser aufnehmen!), spreche um ca. eine Oktave tiefer, und wo normalerweise auf meinem Nachtkastl ein einziges Taschentüchlein befindet, hat sich ein veritabler “Montblanc” aufgetürmt. (Um die Grenzen des guten Geschmacks nunmehr unwiderruflich zu überschreiten: Ich müsste den Berg eigentlich eher als “Montvert” oder “Montjaune” bezeichnen.
)
Am Sonntag ging es mir dann schon wieder etwas besser; so konnte ich wieder an meiner Masterarbeit weiterarbeiten, wo erste experimentelle Ergebnisse mit meinem neuen Beweiskonstruktionsverfahren sehr positiv ausgefallen sind.
Da dieses allerdings meiner Meinung nach nicht immer anwendbar ist, hatte ich die Idee, mein neues Verfahren mit einem schon existierenden Verfahren zu kombinieren. Man wird sehen, ob diese Kombination etwas kann …
Außerdem lernte ich noch am Abend Bügeln, was meiner Allgemeinbildung und meinem Aussehen bei Konzerten etc. zugutekommen sollte.
Hiermit sind wir also am Ende dieser Woche angelangt; ich wünsche meinen Lesern frohe Ostern und einen schönen Wochenbeginn! Das dürfte wohl das erste Mal in meinem Leben sein, dass ich beim Osterfest nicht mit meiner Familie bei meinen Großeltern war, und irgendwie ist es schon komisch … ich versuche, mir mit großen Mengen von Wikipedia-Artikeln zum Thema Tirol darüber hinwegzuhelfen, aber es will nicht ganz funktionieren …
P.S.: Ich darf am Ende noch ein kleines Video von letzter Woche nachreichen, das eine Expedition im Ötztal zum Zwecke einer Kometensichtung dokumentiert: hier. Das lässt mich von zuhause träumen …
Tranquille
Meine sehr verehrten Damen und Herren, willkommen zu dieser neunundzwanzigsten Ausgabe meiner Abenteuer in Frankreich!
Diese Woche war eigentlich relativ ruhig, wenn ich sie so mit anderen Wochen meines Frankreich-Aufenthalts vergleiche. Das mag einerseits daran liegen, dass ich von meiner Reise letzte Woche noch ein wenig Ausruhbedarf habe, andererseits aber auch damit, dass ich mit dem Fortschritt meiner Masterarbeit nicht zufrieden war und dementsprechend weniger Freizeitaktivitäten eingeplant habe. Ich habe mich nämlich, wie mir scheint, bei meiner Masterarbeit in eine ganz bestimmte Richtung verrannt und war dementsprechend frustriert, als sich diese eine Richtung als uneinnehmbare Burg erwiesen hatte. Mein Innsbrucker Betreuer, Cezary, hat mich am Freitag allerdings wieder débloqué, denn noch am selben Tag hatte ich einige neue Ideen, sodass ich jetzt wieder frohen Mutes weiterarbeiten kann. Er hat mir außerdem geraten, meine bisherigen Ergebnisse und Schwierigkeiten niederzuschreiben, wovor ich bisher ein wenig zurückgeschreckt bin, da ich befürchtete, dass sich diese Arbeit am Ende als unnötig herausstellen könnte, wenn ich eine Lösung finden sollte, die all meine bisherigen Zwischenergebnisse obsolet macht. Da sich mein Problem aber als unerwartet vertrackt herausgestellt hat, denke ich, dass auch die Zwischenschritte zu meiner endgültigen Lösung in spe interessant sein können, da sie zumindest zeigen, in welche verschiedenen Richtungen ich gedacht habe und warum ich gewisse Ansätze wieder verworfen habe.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich war bei der Masterarbeit ein wenig “perdu”, bin jetzt aber wieder guter Dinge und motiviert!
Neben meiner akademischen Tätigkeit habe ich auch die Kunst nicht außer Acht gelassen und fleißig Klavier geübt, denn “mein” Klavierkonzert am 10. April nähert sich. Außerdem hatte ich diese Woche ein Schlüsselerlebnis: Ich fühle mich gewissermaßen erst jetzt wirklich in Frankreich angekommen, nachdem ich die französischen Chansons verstehe und mitsingen kann. Zwar kannte ich schon vorher einige Chansons, aber erst jetzt kann ich ein Chanson hören und auch beim ersten Mal verstehen. Natürlich nicht jedes Wort (dafür sind die Franzosen zu große Poeten), aber den ungefähren Sinn bekomme ich mit. Für diese Entwicklung ist großteils mein Cousin Mino verantwortlich, der mir in La Grande-Motte eine umfassende Einführung in das französische Chanson gegeben hat, mit Hintergrundgeschichten zu seinen Akteuren. Seither ist der französische Anteil an meiner Musiksammlung explodiert, und ich bin eifrig dabei, neue Lieder zu lernen.
Es folgt eine kleine Auswahl meiner momentanen Lieblingstitel (teilweise inspiriert durch den Film “On connaît la chanson“):
- Michel Berger : Quelques mots d’amour, Ça balance pas mal à Paris
- Daniel Balavoine : Le chanteur
- Alain Souchon : On avance
- France Gall : Résiste
- Bénabar : Le dîner
- Jacques Dutronc : J’aime les filles
Nebenbei versuche ich auch, das französische Liedgut auf eigene Faust zu erweitern; so habe ich wieder einmal in einem nächtlichen Motivationshoch passend zur neuen Jahreszeit das Lied “Veronika, der Lenz ist da” auf Französisch übersetzt — voilà “Véronique, le printemps est là”:
“Véronique, le printemps est là
les filles chantent “tralala”
et tout le monde est enchanté
Véronique, il faut s’aimer.
Écoute Véronique, on ne vit qu’une fois
donc il faut aller dans les bois
même le grand-papa
dit à la grand-maman
Véronique, le printemps est là.
Fille rigole, garçon dit
voulez-vous, non ou oui
dehors c’est printemps,
le poète Jean Mouchoir
pense que c’est son devoir
d’écrire cette histoire.
Véronique, le printemps est là
les filles chantent “tralala”
et tout le monde est enchanté
Véronique, il faut s’aimer.
Écoute Véronique, on ne vit qu’une fois
donc il faut aller dans les bois
le vieux et gentil grand-papa
dit à la bonne grand-maman
Véronique, le printemps est là.
Ils exultent de joie, le printemps est là, Veroniqué
et tout le monde est enchanté
Véronique, il faut s’aimer.
Oh Véronique, oh Véronique, on ne vit qu’une fois
donc il faut aller dans les bois
même le gentil et bon vieux grand-papa
dit à la chère bonne vielle grand-maman
Véronique, le printemps est là.
Véronique, le printemps est là
les filles chantent “tralala”
et tout le monde est enchanté
Véronique, il faut s’aimer.
Véronique, le printemps est là.”
Von solch guten Neuigkeiten abgesehen gibt es allerdings auch schlechtes zu berichten: Mit blutleeren Lippen muss ich konstatieren, dass mich seit einigen Tagen eine Armee von Mücken zwar dank Ohrenstöpseln nicht meines Schlafes, doch dafür meines roten Lebenssaftes beraubt. Die reichlichen Regenfälle der letzten Monate und das momentan recht warme Wetter haben nämlich äußerst günstige Lebensbedingungen für die kleinen Sauger geschaffen, die sich jetzt über Village 2 hermachen. Dazu trägt auch bei, dass gewisse Nachbarn ständig das Fenster offen lassen und die Biester geradezu einladen, sich an ihnen (und ihren anderen Nachbarn, wie meiner Wenigkeit) zu laben. Das hat solche Ausmaße angenommen, dass mich Leute schon gefragt haben, ob mich jemand geschlagen hätte, weil ich so rot im Gesicht sei. ![]()
Außerdem verfolgt mich schon seit Beginn der Woche ein hartnäckiger Schnupfen, der nicht und nicht weggehen möchte. Immerhin hat er außer Halsweh keine besonders unangenehmen Nebenwirkungen …
Weiter geht es mit einer kleinen Chronologie:
Am Donnerstag fand unser Französisch-Kurs statt … nicht! Wir warten vor der Türe, niemand ist da, nur ein Zettel, dass der Kurs nicht stattfindet. Was macht der Erasmus-Student in einem solchen Fall? … Richtig, er macht sich mit den anderen Studenten selbstständig, besorgt sich im Casino (Supermarkt) ein Bier und setzt sich in einen Park, um gemeinsam die letzten Sonnenstrahlen des Einzug haltenden Frühlings zu genießen. Dieses Vergnügen wurde allerdings jäh gestört von einem Missionar, der sich in unsere Runde drängte, um uns die Welt zu erklären. Unser Diskurs mit ihm dauerte einige Zeit, kam allerdings auf keinen grünen Zweig, da er auf unsere Argumente nicht einging und riesige Redeschwälle auf uns niederließ, sodass mit das Ganze zu einseitig vorkam und ich ihn bat, uns in Ruhe zu lassen. Als er auf diese Bitte mehrfach nicht einging, wurde ich so wütend, dass ich ihn händisch vertrieben hätte, wären nicht meine Kollegen zwischen uns gegangen. Immerhin hat er sich danach von selbst verzupft, worüber ich sehr froh war. Im Nachhinein hat der Zwischenfall unseren Aufenthalt aber durchaus aufgelockert und uns einigen Diskussionsstoff beschert.
Am Freitag fand wieder einmal ein kleines Treffen unserer Erasmus-Gruppe statt, die allerdings nach meinem Empfinden leider nur noch ein Schatten ihrer selbst ist, da einige der ohnehin nicht zahlreichen Verbliebenen abgesagt haben. Es fehlen insbesondere die ganzen Deutschen, die immer sehr motivierbar waren und bei fast jeder kulturellen Aktivität mitgemacht haben.
So waren wir nur zu dritt; wir haben schon bessere Abende gesehen. Machte aber nichts, denn ich musste sowieso früh gehen, denn …
Am Samstag stand eine kulturelle Stadtführung von Bordeaux am Programm! Diese wurde veranstaltet von unserer Französisch-Professorin, die den Französisch-Kurs am Dienstag hielt und uns nunmehr aufgrund einer Beinoperation leider nicht mehr unterrichten wird. Wir sahen bei dieser Stadtführung einige uns schon bekannte Monumente, aber auch einige versteckte Ecken der Stadt — ich hoffe, meine nächsten Besucher aus Heimatlanden jetzt also eine kulturelle Einführung in die Stadt geben zu können.
Nach der Stadtbesichtigung gingen wir geschlossen zum Döner (obwohl es kein Dienstag und somit kein Döner-Day war!), der nach der ausführlichen Stadttour auch dringend nötig war. Danach verabschiedete ich mich frühzeitig von den anderen, da ich starken Siesta-Bedarf hatte und mich für den Abend ausruhen wollte, denn da war ein Chorkonzert angesagt.
Dieses Konzert fand in der Maison cantonale de La Bastide in Bordeaux statt, auf der rive droite (rechten Flussseite) von Bordeaux. Wunderschön in der Nähe der Tramstation “Stalingrad” gelegen (führt zu lustigen Sätzen wie “Ich fahre heute nach Stalingrad.” ^^) begrüßte uns die Maison cantonale mit einem kleinen, aber feinen Veranstaltungssaal, den wir an diesem Abend allerdings leider nicht füllten, vermutlich wegen mangelnder Werbung. War aber trotzdem ein tolles Konzert!
Am nächsten Tag ging es weiter mit dem nächsten Konzert, diesmal in der Dorfkirche von Camarsac. Hier bekamen wir immerhin schon vor dem Konzert crêpes und cidre serviert, sodass dieses Konzert ein sehr lustiges wurde.
Das war im Groben und Ganzen meine Woche. Ich hoffe, dass diese Woche auch für meine verehrten Leser eine gute war und freue mich auf ein Wiederlesen!
Le midi
Meine sehr verehrten Damen und Herren, willkommen zu dieser achtundzwanzigsten Ausgabe meiner Abenteuer in Frankreich!
Am Montag fuhr ich mit meinem Cousin Mino mit dem Fahrrad in das idyllische Fischerdörflein Le Grau-du-Roi, bzw. an den nahegelegenen Strand Pointe de l’Espiguette. Was mir auffiel, war die allgemein vorherrschende Menschenleere in der Region, die sich schon bemerkbar machte, als wir etwas außerhalb von Le Grau-du-Roi ein Baguette kaufen wollten und alle Bäckereien geschlossen hatten. Es scheinen große Gebiete nur zur Hauptsaison bewirtschaftet zu werden, die dann den Rest des Jahres komplett brachliegen.
Am Strand war es auf jeden Fall sehr schön (hier gab es auch im Gegensatz zu La Grande-Motte Dünen!), auch wenn die Wassertemperatur nicht gerade zur baignade einlud. Wir genossen unsere selbstgemachten Sandwiches und ließen uns in der Sonne leicht knusprig anbräunen. Mmmmhhhh …
Am Dienstag wollte ich mir einmal eine Auszeit vom Familienleben gönnen und machte mich auf den Weg nach Montpellier, das ich ja schon ein wenig kannte, da ich vor ca. sechs Jahren schon einmal dort war. Ich promenierte ein wenig durch die Straßen der Altstadt, wo ich auf ein Stadtmuseum (Musée du Vieux Montpellier) stieß, das allerdings leider nicht sehr anschaulich war: Es waren ein paar Gegenstände und Bilder ausgestellt, aber es gab dazu kaum Erklärungen, und die einzige Angestellte gab frei von der Leber weg zu Protokoll, sich eigentlich nur für Photographie zu interessieren und sich überhaupt nicht mit dem Museum auszukennen. :/
An diesem Tag wollte ich eigentlich meine Zugbekanntschaft Sarah treffen, die sich ja in Montpellier aufhielt, aber leider hatte sie an dem Tag keine Zeit, bot mir allerdings für den nächsten Tag ein rendez-vous an. So tröstete ich mich mit einem üppigen Mittagessen über diesen Umstand hinweg und traf mich nachher noch mit Omar und dessen Freund Anoir, der in Montpellier studiert und Omar auch während dessen Zeit in Montpellier aufgenommen hatte. Zusammen streiften wir ein wenig durch die Stadt, immer mehr Richtung Quartier Antigone strebend, wo wir die moderne Architektur bestaunten und uns dann am Flussufer des Lez einigen Mutproben hingaben. Gar nit letz.
Als die Schatten länger wurden, die T-Shirts zu kurz und uns die Dämmerung ihr dunkles Antlitz entgegenreckte, war es für mich “time to say goodbye”, und ich begab mich mit dem “Hérault Transport” per Bus von Montpellier zurück nach La Grande-Motte. An diesem Abend entdeckte ich das französische Fernsehen (bin ja sonst komplett fernsehabstinent); besonders eine Sendung auf France 2 tat es mir an: “N’oubliez pas les paroles”, also zu deutsch “Liedtext nicht vergessen!”. In dieser Serie müssen die Kandidaten Karaoke singen, aber ab einem gewissen Punkt im Lied wird der Liedtext nicht mehr eingeblendet, und die Kandidaten müssen den Liedtext einige Zeit aus dem Gedächtnis weitersingen. Eine, wie ich meine, sehr niveauvolle Sendung, die auch zur Pflege der französischen chansons beiträgt. Zu schade, dass man so etwas in Österreich vermutlich nicht machen kann, weil nicht genügend bekannte österreichische Lieder vorhanden und die vorhandenen nicht so sehr im allgemeinen Bewusstsein verankert sind … Im Gegensatz dazu steht mein Cousin stellvertretend für Frankreich, wenn er bei dieser Sendung so gut wie alle Lieder kennt und in vielen Fällen auch noch den Text dazu.
Dann die Nachrichten; der Norden Frankreichs versinkt im Schnee. Ausnahmezustand. Aus jeder betroffenen Region werden die gleichen Bilder geschickt und immer wieder neue Korrespondenten berichten von derselben Lage. Nach ca. 20 Minuten der hochgepeitschten Emotionen noch ein klitzekleines Reportägchen über das französische Budget (ein Schelm, der böses dabei denkt). Mit Bildern von Schneetreiben und Chansons gehe ich dann schon gegen 22 Uhr ins Bett … die Anpassung an das französische Familienleben schreitet notgedrungen voran, wenn man jeden Tag spätestens um 7 Uhr morgens geweckt wird.
Am Mittwoch: Katzenjammer. Kopfweh. Halsweh. Schwäche. Müdigkeit. Schnupfen. Taschentuchpyramide. Rendez-vous abgesagt. Papst gewählt.
Am Donnerstag: Ähnlich wie am Vortag, aber schon etwas besser, und an François I haben wir uns auch schon gewöhnt. Ich gönne mir am Nachmittag sogar einen Strandspaziergang, bevor ich mit meinem Betreuer in Innsbruck wegen meiner Masterarbeit telefoniere. Ich berichte ihm von meiner Arbeit, die ich am Mittwoch und Donnerstag krankheitsbedingt mangels alternativer Beschäftigungsmöglichkeiten weitergetrieben hatte, woraufhin er mir wünschte, dass ich noch einige Zeit weiterhin krank sein möge.
Dieser Wunsch sollte allerdings ein frommer bleiben, denn am Freitag war ich wieder weitestgehend wiederhergestellt, und da ich in meinen Ferien nicht weiter stubenhocken wollte, machte ich mich mit einem Bus des Unternehmens Edgard (benannt nach dem Département Gard, wo es operiert) in die Stadt Nîmes auf. Dabei zahlte ich für die ca. eineinhalbstündige Fahrt über 50km einen sensationellen Preis von 1,50€, da alle Busfahrten mit Edgard streckenunabhängig soviel kosten. Man vergleiche damit die sensationell unverschämte Preisgestaltung des VVT, wo ich schon für die ca. zehnminütige Fahrt über 3km von der Technik bis zur Cyta 2,70€ blechen dürfte, wenn ich mir das je antäte!
In Nîmes angekommen habe ich erst einmal die Stadt ein wenig erkundet und entschied mich dann für einen Besuch der Arènes, von außen frappant dem römischen Kolosseum ähnelnd. Beim Eingang wurde ich allerdings darauf aufmerksam gemacht, dass Einzelpersonen aus “Sicherheitsgründen” derzeit nicht in die Arènes dürfen. Erste Reaktion: WTF? Zweite Reaktion: Na gut, die Stadt Nîmes will menschliche Begegnungen fördern; suche ich mir also eine Reisegruppe. Das war allerdings nicht ganz einfach, da an diesem Tag in Nîmes nicht so viele Touristen unterwegs waren (im Gegensatz zu Innsbruck fehlten z.B. Asiaten fast vollständig im Stadtbild). Dafür traf ich ein paar Nîmois, die mich ein wenig durch die Stadt führten — sehr cool.
Von ihnen erfuhr ich auch, dass der Eintritt in die Arènes für Einzelpersonen deshalb verboten ist, da in der näheren Vergangenheit einige Besucher dort Selbstmord begangen hatten. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die findigen Selbstmörder sich à la norway.today zusammentun und dann der Zugang zu den Arènes komplett gesperrt wird … *kopfschüttel*
Am Nachmittag fand ich dann endlich vor den Arènes zwei Touristinnen, mit deren Hilfe ich in die Arènes einsteigen konnte. Dort erwartete mich ein sehr gut erhaltenes römisches Amphitheater, das auch eine schöne Übersicht über die Stadt erlaubte. Sah an diesem Tag von Selbstmord ab, da das Wetter so schön war.
Nach den Arènes eilte ich noch per pedes auf die Tour Magne (“großer Turm”), die sehr, sehr idyllisch in einem schönen Park an der Spitze eines Hügels gelegen ist. Würde die Lage am ehesten mit Schloss Ambras vergleichen. Der Park war im Nachhinein gesehen eigentlich das schönste an Nîmes; schade, dass ich ihn erst so spät entdeckte.
Nach dem Turmaufstieg hetzte ich zurück zur Maison Carrée, ein ebenfalls sehr gut erhaltener Tempel aus der Römerzeit, der mittlerweile Vorführungsort eines 3D-Films über die Stadt Nîmes ist. Der Film war zwar cool, aber das 3D ist nicht so ganz meine Sache … meine Augen haben wohl nicht nur wegen der traurigen Handlung so getränt.
Den Tag ließ ich auf einem hübschen Plätzchen ausklingen, dann gemächlich zum Bahnhof flanierend, wo ich auf meinen Bus mit einem gemütlichen Zeitpolster warten wollte. Doch, oh Schreck! Ich hatte im Kopf, dass der Bus um 19:30 Uhr abfährt, dummerweise war das die Abfahrtzeit des letzten Busses aus Montpellier und nicht aus Nîmes, der nämlich schon um 19:10 abfuhr! So hatte ich also den letzten Bus aus Nîmes elegant verpasst. Wohnt man in einer solchen Situation auf dem Land, ist einem anzuraten, ein Hotel zu nehmen, denn es ist unmöglich, irgendwie doch noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln am selben Tag zu sich nach Hause zu kommen. Ich konnte allerdings mit dem Zug nach Montpellier fahren (9,30€ — autsch), wo mich mein Cousin netterweise abholte. Merci une autre fois!
Am Samstag unternahm ich wieder einmal etwas mit meinem Cousin; wir fuhren nämlich nach Sètes, eine Hafenstadt. Dort kletterten wir auf einen Hügel, von dem aus wir einen schönen Ausblick über die Region und das Meer hatten. Dann bemerkten wir, dass um 15 Uhr nachmittags in Sètes kein Restaurant mehr Essen anzubieten scheint, weshalb wir nach Montpellier fuhren und uns dort im “flunch” restaurieren ließen. Letzteres ist ein Art französisches McDonald’s, aber von recht guter Qualität.
Nach dem flunch noch Einkauf im Auchan, und dann zurück in die Motte, wo ich das Büro von meinem Cousin besichtigen konnte.
Am Sonntag war einmal wieder ein richtig schiaches Wetter, sodass wir uns einen feinen Tag à l’intérieur machten. Zu Mittag gab es Muscheln vom (mutmaßlich schwulen) Muschelverkäufer “Admiral von Schneider” (von uns so benannt wegen seiner schneidigen Uniform) gegenüber, der sich anscheinend schon nach mir erkundigt hatte, als mein Cousin die Muscheln abgeholt hatte.
Nach den Muscheln war ich ziemlich erledigt, ließ es mir allerdings nicht nehmen, noch einmal mit Rémy Fußball spielen zu gehen, bei mehr oder weniger tröpfelndem Regen.
Es fiel mir schwer, mich von meinen Gastgebern zu verabschieden; zu schön war es bei ihnen gewesen. Durch sie habe ich auch einen Einblick in das französische Familienleben bekommen, der für mich sehr interessant war. Studenten sind ja doch für die Gesellschaft nicht unbedingt repräsentativ … Ich hoffe auf jeden Fall, dass bis zu unserem nächsten Treffen nicht wieder sechs Jahre vergehen müssen, weil dann müsste ich mir ja wieder alle ihre Namen auswendig merken …
Falls ihr das lest: Danke nochmals für eure außergewöhnliche Gastfreundschaft, ich habe mich bei euch wirklich wie zuhause gefühlt.
Die Zugfahrt nach Bordeaux lief problemlos ab, und gegen Mitternacht fiel ich dann in Village 2 todmüde ins Bett. Hätte im Bus nach Village 2 noch beinahe meine Geldtasche verloren, aber dank meiner Angewohnheit, vor jedem Aufbruch mein Handy, meine Schlüssel und meine Geldtasche zu lokalisieren, bemerkte ich die Abwesenheit der Geldtasche noch im Bus, wo ich sie dann am Boden liegend entdeckte. Uff.
An dieser Stelle noch ein Nachtrag aus der Serie “Häusliche Tipps und Tricks” von letzter Woche: In Bordeaux war es einige Zeit lang recht windig, weshalb meine Zimmertüre immer wieder gegen den Türrahmen geschlagen hat, da sie nicht auf dem Türrahmen fest auflag, sondern zwischen Rahmen und Türe ein kleiner Zwischenraum war. Nach einer eingehenden Analyse des Problems entschied ich mich für meinen Lieblingswunderwerkstoff — nicht Graphen, sondern Tixo! So wollte ich mehrere Schichten Tixo auf den Türrahmen kleben und somit den Zwischenraum füllen, merkte allerdings bald, dass die einzelnen Tixoschichten zu dünn sind, weshalb ich dazu überging, aus Tixo eine ovale Rolle zu formen, die ich immer wieder prüfend in den Zwischenraum schob, bis die Rolle dick genug war, an welchem Punkt ich dann die Rolle an den Türrahmen klebte. Seither ist meine Türe still, und ich kann auch bei stärkstem Wind konzentriert arbeiten, wenn nicht gerade einmal wieder irgendein Nachbar seine Liebe zu Subwoofern auslebt.
Ad laborem: Meine Masterarbeit habe ich während meiner Kurzferien mehr oder weniger ruhend gestellt und nehme ab morgen wieder die Arbeit daran auf. Hoffentlich gelingt mir bald der Durchbruch mit meiner aktuellen Beweisstrategie, denn dann könnte ich mich endlich mit Vollgas an dessen Umsetzung machen.
Meine lieben Leser, ich hoffe, ihr hattet auch eine schöne Woche, und ich hoffe, euch bald wieder hier begrüßen zu können!
Veux manger des frites
Meine sehr verehrten Damen und Herren, willkommen zu dieser siebenundzwanzigsten Ausgabe meiner Abenteuer in Frankreich!
Diese Woche stand im Zeichen meiner Reise nach Montpellier, und tatsächlich schreibe ich diese Worte ganz in der Nähe von Montpellier, nämlich in La Grande-Motte, seines Zeichens direkt am Meer gelegener Vorort von Montpellier. Sozusagen das Arcachon Montpelliers. Nur ohne Dünen. Aber eines nach dem anderen …
Am Dienstag gingen die Franzosen wieder einmal einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen nach — dem Streiken! Äußerte sich darin, dass keine Busse zirkulierten; da die Busse in Bordeaux aber ohnehin nur ein auxiliäres Fortbewegungsmittel darstellen, ist mir das wurscht!
Wir hatten im Französischkurs dann auch noch eine äußert interessante Debatte: Warum ist Frankreich ein interessantes Land für ausländische Unternehmen, z.B. aus Amerika? Diese Frage ist auch aktuell aufgrund der Goodyear-Werksschließung in Frankreich, bei der sich Unternehmensvertreter über die mangelhafte Arbeitsmoral der Franzosen mokiert haben; und tatsächlich fiel mir auf die Schnelle kein guter wirtschaftlicher Grund ein, warum ein amerikanisches Unternehmen Frankreich gegenüber z.B. Großbritannien oder Deutschland bevorzugen sollte. Hat jemand vielleicht einen guten Grund?
Am Mittwoch war großes Village-2-Programm angesagt: Aufgrund meiner freitäglichen Abreise nach Montpellier wollte ich noch ein paar Nachbarn zum Abendessen einladen und auf diese Weise mein restliches Gemüse aufbrauchen, wurde dann allerdings unerwartet von meiner Nachbarin Cristelle selbst zum Abendessen eingeladen.
Dieses war sehr gut, auch wenn mich aufgrund der bei ihr (im hellen Licht!) herumkrabbelnden Kakerlaken nicht wundern würde, wenn ich dabei die eine oder andere Dosis Chitin abbekommen hätte. Mahlzeit!
Nach dem Abendessen wieder einmal eine soirée bei Idir, aber nicht zu lange, da ich am nächsten Tag …
… Besprechung für das Klavierkonzert im April hatte! Ich habe mich dort mit den Verantwortlichen des service culturel der Université Bordeaux 1 besprochen, und so wie es ausschaut, werden wir zu dritt dieses Klavierkonzert am 10. März zwischen 12 und 14 Uhr bestreiten. Die anderen zwei sind Giovanni (brauche ich eine Nationalität zu erwähnen? ^^) und Corinne, die ein Klavier/Gesangs-Duo bilden. Sehr sympathisch, die beiden. ![]()
Mein Programm für das Konzert lautet wie folgt:
- Franz Schubert : Vogel als Prophet (3’30), Jagdlied (3′)
- Frédéric Chopin : Prélude Op. 28 No. 15 (5′), Valse Op. posth. 69 No. 1 (3’30), Étude Op. 25 No. 12 (3′)
- Franz Schubert : Erlkönig (5′)
- Georg Kreisler : Wien ohne Wiener (5′)
Änderungen in letzter Minute vorbehalten.
Am meisten ärgert mich im Moment, dass ich meine Schubert-Gesangsnoten in Tirol gelassen habe; diese würden mir jetzt einen guten Dienst erweisen, da es sich herausstellt, dass die für tiefe Stimme transponierten Versionen der Lieder (die ich immer verwende) im Internet nur schwer erhältlich sind. :/
Musikalisch ging es diesen Tag weiter: Nach dem Französischkurs, wo wir mittlerweile Kant besprechen (welch Ironie — Kant in einem Französischkurs!), lud ich noch Jorge zu mir ein, und zusammen schafften wir es, einen Großteil meiner verbliebenen Gemüsevorräte in einer infernalisch vegetalen Nudelsauce zu vernichten! Danach packte Jorge seine Gitarre aus, und wir machten noch eine kleine Improvisationssitzung, im Rahmen derer wir auch auf folgendes höchst amüsantes Video stießen.
Der Freitag war dann der Tag der Reise nach Montpellier! Etwas unerwartet kam ca. zwei Stunden vor meiner Abfahrt aus Village 2 nach Omar zu mir, der sich danach erkundigte, wann ich mit dem Zug abfahren würde. (18:31 Uhr.) Daraufhin entschied er sich, mit mir bis nach Montpellier mitzufahren, was mich natürlich sehr freute! In einem Anfall von Sauberkeit machte ich noch schnell einen Frühjahrsputz, bis ich zum Bahnhof eilte, wo mich Omar schon erwartete. Im Zug saßen wir zu Beginn leider getrennt, da er erste Klasse reserviert hatte, aber da ich bald von meinen Mitreisenden in der zweiten Klasse genug hatte (Spielkonsolen auf voller Lautstärke im Zug nerven!), begab ich mich zu Omar in die erste Klasse, wo ich dann auch die restliche Zugfahrt blieb. Und so hatten wir eine sehr angenehme Reise, im Verlaufe derer ich auch zum ersten Mal meines Lebens durch Toulouse fuhr. (Dass ich von der Stadt viel gesehen hätte, kann ich allerdings nicht behaupten.) Im Zug lernten wir auch eine sehr sympathische Condomoise (Einwohnerin des französischen Ortes Condom ^^) namens Sara kennen, die uns bis nach Montpellier begleitete.
Am Bahnhof holte mich mein Cousin Mino ab, ein Exiltiroler, den ich schon seit sechs Jahren nicht mehr gesehen hatte. Ich kann wohl sagen, dass ich diesem Treffen etwas nervös entgegensah, da ich nicht wusste, was mich erwartete, aber wie es scheint, bin ich “bien tombé”. Mein Gastgeber lud mich gleich noch auf ein Getränk in Montpellier ein, übernahm mein Gepäck und tat auf jeden Fall von der ersten Sekunde an alles, um mein Wohlbefinden sicherzustellen. Kurz und gut, die Definition eines Gentleman. Wir sind dann nach La Grande-Motte gefahren, wo er mir auch gleich noch ein Abendessen servierte. Den Rest der Familie bekam ich diesen Tag noch nicht zu Gesicht, da sich die Dame des Hauses und ihre Sprösslinge schon etwas früher gebettet hatten, doch ich sollte sie bald zu sehen und hören bekommen …
In der Nacht auf Samstag schlief ich eher schlecht, da mir Mino eröffnete, dass seine Kinder schon um 6 Uhr früh aufstehen, und in Anbetracht dieses vorhergesehenen Schlafmangels wurde daraus eine selbsterfüllende Prophezeihung. Allerdings weckten mich meine Neffen erst gegen 7:30 Uhr, was dennoch zu wenig Schlaf für mich bedeutete. Als erstes bekam ich meinen Neffen Cyril (zwei Jahre) zu Gesicht, der mich als erstes irgendwie für seinen Vater zu halten und zu wundern schien, warum ich auf einmal so viele Haare hätte.
Dann folgte mein Neffe Rémy (acht Jahre), der zu Beginn deutlich zurückhaltender war als sein kleiner Bruder, aber dann im Laufe des Tages deutlich auftaute. Dann Ari, die Frau meines Cousins und wie dieser ebenfalls aus Tirol stammend.
Ich wurde jedenfalls auch von diesem Teil der Familie sehr herzlich aufgenommen und gleich mit einem riesigen Frühstück begrüßt.
Beim Weg zum Bäcker wurde mir meine geographische Lage erst so richtig bewusst: Die Wohnung ist nur ca. eine Gehminute vom Meer entfernt; leider bringt das allerdings wenig, weil es im Moment zum Schwimmen zu kalt ist. Nach dem Frühstück fuhren wir jedenfalls noch für Rémy zum Go-Kart-Fahren, während ich Ari noch in ein Einkaufszentrum begleitete, wo ich auch in den Genuss des Carrefour kam, in dem sich aufgrund dessen enormer Größe die Angestellten teils mit Rollschuhen fortbewegen.
Danach machten wir ein Picknick an einem kleinen See, bevor wir zur Bambouseraie de Prafrance weiterfuhren: Dahinter verbirgt sich ein äußerst schön gestalteter Park von Bambus, in dem wir einige Stunden promenierten. Dort sahen wir unter anderem den Nachbau eines laotischen Dorfes und einen chinesischen Garten, die beide meines Erachtens höchst sehenswert waren, wie auch der Rest des Parks — Besuch empfiehlt sich! (Wie ich später las, wurde dort übrigens auch ein kleiner Teil des Films “Le Salaire de la Peur” gedreht, den ich sehr schätze.)
Die Rückreise im Auto gestaltete sich als recht strapaziös, was dem unbedingten Wunsch meines zweijährigen Neffen nach Pommes Frites geschuldet war — der Satz “veux manger des frites” kann, wenn er nahezu hundert Mal unter zwischenzeitlichem Ausstoßen von lauten Schreien wiederholt wird, ganz schön auf die Nerven gehen. Es ist Galgenhumor, wenn mein Cousin sagt, dass ein Film eines Tages seines Lebens als Durex-Werbung den Kondom-Absatz wohl vervielfältigen würde. ![]()
Eigentlich hatte ich vor, noch mit Omar am Samstag in Montpellier auszugehen, aber dieser war telefonisch leider nicht erreichbar, und die Tatsache, dass der letzte Bus von Montpellier nach La Grande-Motte schon um 19:30 Uhr abfährt und ich schon ziemlich fertig war, stimmte mich dahingehend um, diese Nacht im Kreise meiner Verwandten zu verbringen. Dies taten wir dann auch, indem wir nach dem Abendessen den Film “On connaît la chanson” schauten. Passte auch ganz gut zum Naturell meines Cousins, zu allen möglichen Situationen ein französisches Chanson auf den Lippen zu haben. Parlez-moi de la pluie, et ne pas de beau temps …
Am Sonntag Vormittag ging ich mit der gesamten Familie zum Markt in La Grande-Motte, wo wir Vorräte für das Mittagessen besorgten. Ich spaltete mich mit Rémy allerdings schon etwas früher von der Gruppe ab, da ich ihm versprochen hatte, mit ihm Fußball spielen zu gehen. Erwähnte ich, dass er ein großer Fußballfan ist und so gut wie jedem Gespräch einen Drall zum Ball zu versetzen vermag? Wenigstens war ich am Fußballfeld nicht der befürchteten Schande ausgesetzt, gegen einen Knirps von acht Jahren nicht bestehen zu können, was ich aufgrund meines äußerst begrenzten Interesses für Fußball durchaus erwartet hatte.
Nach dem Training war ich trotzdem relativ kaputt und nur zu glücklich, mit Rémy direkt zum Mittagessen zu meinen Verwandten gehen zu können. Dort erwarteten uns schon Freunde der Familie, Valérie und Sebastien mit ihren zwei Kindern, die so wie ich auch zum Mittagessen eingeladen waren. Es gab ein ausführliches Schlemmen à la française, mit allem Drum und Dran, während die Kinder um uns herum ein wahres Tohuwabohu veranstalteten. Beim Essen hörte ich Ari auch zum ersten Mal wirklich durchgängig Französisch sprechen, da sie normalerweise versucht, mit ihren Kindern die deutsche Sprache zu pflegen. Infolgedessen verstehen die Kinder Deutsch recht gut, antworten allerdings üblicherweise auf Französisch. Hin und wieder wechseln sie dennoch ins Deutsche, dann allerdings mit einem lustigen französisch-tirolerischen Akzent.
Nach dem Essen machte ich noch eine kleine Siesta, gefolgt von einem Spaziergang mit Mino, Ari und Cyril durch La Grande-Motte und am Meer entlang.
An dieser Stelle noch ein Wort zu meiner Masterarbeit: Im Moment stecke ich ein wenig fest. Habe ich doch einen schönen, einfachen Algorithmus gefunden, der bei allen von mir erdachten Beispielen funktioniert, aber ich weiß im Grunde nicht genau, ob er immer zuverlässig funktioniert. Im Moment versuche ich, ihn genauer zu verstehen, doch alle meine Versuche, seine gewünschten Eigenschaften zu beweisen, schlugen bisher fehl.
Eine Alternative zu diesem Algorithmus wäre noch die Adaption eines anderen Algorithmus, wovor ich allerdings zurückschrecke, da dieser sehr kompliziert ist und ich eine schöne, elegante Lösung des Problems einer komplexen, umständlichen zweifelsfrei vorziehe. Andererseits, sollte mein Algorithmus in eine Sackgasse führen, dann habe ich einige Zeit quasi “umsonst” gearbeitet und kann kein positives Resultat vorweisen. Will heißen, habe ich ab einem gewissen Punkt keinerlei Fortschritte zu meinem Algorithmus vorzuweisen, muss ich mich davon wohl schweren Herzens trennen und mich in eine umständliche Lösung einarbeiten … :/
An diesem Punkte wünsche ich allen meinen Lesern noch einen schönen Wochenbeginn und auf ein hoffentlich baldiges Wiederlesen!
P.S.: Am Freitag sah ich in den Nachrichten einen Bericht über Kleinstwohnungen in Hongkong, was mich berührte. Habe doch ich schon zeitweise Schwierigkeiten, mich in meinem 9m²-Kabäuschen zu arrangieren, leben dort manchmal ganze Familien auf weniger Quadratmetern als ich. Das ist sicherlich manchmal ziemlich schrecklich (man stelle sich allein die nicht vorhandene Privatsphäre vor), aber andererseits stelle ich mir vor, dass das auf eine ungemeine Art zusammenschweißt. Genauso, wie uns in Village 2 die eher unangenehmen Wohnbedingungen mehr zusammengeschweißt haben, als dies ein “angenehmes” Studentenwohnheim mit getrennten WCs und Duschen je vermocht hätte.
P.P.S.: Habe heute einen anderen Blog von einer Erasmus-Studentin in Bordeaux (2008/09) gefunden, die scheinbar auch in Village 2 Unterkunft gefunden hat. Deren Vergleich von Village 1 und 2 sollte meine Stimmung jedenfalls deutlich heben, wenn ich wieder einmal von Village 2 genervt bin.
Datenfresser
Es gab schon lange Diskussionen ob und wie man sich in der modernen Informationsgesellschaft am besten einbringen kann. Will man Konsument oder Produzent sein? Will man etwas verändern können oder nur vorgekaute Inhalte konsumieren? Ist man Sender oder Empfänger? Mit großen Datenmengen zu arbeiten und diese zu visualisieren kann Blickwinkel verändern und Andere zum Denken anregen.

















































