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À l’Ouest

À l’Ouest, rien de nouveau

von Michael Färber 16. Juni 2013, 21:20 Uhr

Meine sehr verehrten Damen und Herren, willkommen zu dieser neununddreißigsten Ausgabe meiner Abenteuer in Frankreich! 🙂

Abenteuer ist eigentlich diesmal etwas zu viel gesagt, denn diese Woche war eigentlich nicht besonders aufregend. Es macht sich langsam Abfahrtsstimmung breit, und ich muss sagen, dass ich es mittlerweile kaum mehr erwarten kann, wieder nach Österreich zu kommen und meine Familie und Freunde endlich wieder in die Arme zu schließen können …
Ich mache mir momentan allerdings ein wenig Sorgen über meine “Reintegration” in Tirol, denn ich denke, es wird gerade zu Beginn alles komplett ungewohnt sein und sicher auch etwas bizarr. Das zeigt sich schon daran, dass ich mir manchmal Gespräche mit meinen österreichischen Freunden vorstelle und plötzlich merke, dass ich die imaginäre Konversation auf Französisch geführt habe. o_O Aber vielleicht wird mir auch einfach nur ein Stein vom Herzen fallen, so wie bei meinem letzten Österreich-Aufenthalt zu Weihnachten, als ich in der Trafik auf einmal einen plötzlichen Ausbruch von Enthusiasmus hatte, in einem Geschäft wieder ohne Probleme Deutsch sprechen zu können. 😉

Ein Aufbruch muss natürlich wohl geplant sein — hier also eine kurze Aufstellung meiner Pläne, die sich dann natürlich an der Realität messen lassen müssen. Frei nach Brecht: “Ja; mach nur einen Plan, sei nur ein großes Licht! Und mach dann noch´nen zweiten Plan, gehn tun sie beide nicht.” Na sein wir einmal nicht so pessimistisch:

  • 17. Juni: Präsentation der Masterarbeit an der Universität Bordeaux 1
  • 20.-23. Juni: Aufenthalt in Peyrehorade (Nähe Bayonne/Biarritz) bei Simon
  • 28. Juni: Auszug aus Village 2
  • 28.-30. Juni: Aufenthalt in Preignac (Nähe Bordeaux) bei Eli
  • 30.-5. Juni: Aufenthalt in La Grande-Motte bei meinem Cousin Mino
  • 5.-8. Juni: Heimfahrt nach Innsbruck mit meinen Eltern

Bis zu meiner Ankunft in Tirol ist natürlich noch eine Menge zu organisieren; die Liste geht von Kontoschließung über Fahrradverkauf bis Mobilfunkvertragsauflösung. Meine geschätzte Leserschaft möchte ich nicht mit unwesentlichen Details dazu plagen.

Diese Woche habe ich mich jedenfalls weitgehend dem Müßiggang hingegeben, inklusive Schwimmbad- und Restaurantbesuchen. Diese Leerlaufphase scheint sich allerdings positiv auf meine künstlerische Ader auszuwirken, denn ich habe wieder einmal ein neues Lied geschrieben — das erste fertige Lied seit letztem Sommer! Es heißt “Don’t Be Afraid”, und ich habe es innerhalb eines Vormittags fertiggestellt. Aufgrund der unterirdischen Aufnahmequalität meines Telefons möchte ich es noch nicht veröffentlichen, aber ich hoffe, es in Tirol in besserer Qualität aufnehmen zu können. Am Samstag hatte ich jedenfalls Gelegenheit, es insgesamt drei verschiedenen Publiken auf dem UdSSR-Klavier von Village 2 vorzuspielen, und es zeigten sich alle drei Publiken beeindruckt. 😉

Diese Woche kam auch das Paulinchen zurück nach Village 2, und als ich ihr eine neuerliche Aussprache anbot, warf sie mir wieder ein paar Gemeinheiten an den Kopf und verschwand dann in ihrem Zimmer. Dies ist also offiziell ein hoffnungsloser Fall, und ich muss mir wohl eingestehen, dass ich mich ganz massiv in ihr getäuscht habe. Ignorierte ich bisher ihre Seltsamkeiten weitgehendst, so wird mir im Nachhinein immer mehr bewusst, dass diese wohl ein Ausdruck ihres schwierigen Charakters sind, der über kurz oder lang zu Problemen führen musste. Nun, da die Maske gefallen ist und ich nicht mehr mit Blindheit geschlagen bin, ignoriere ich sie vollständig. Das ist für mich die einzig mögliche Lösung, denn ich kann und will nicht mit jemandem reden, der mich auf so perfide Weise via SMS und ähnlichem beschimpft. Selbst ein “bonjour” wird mir nicht mehr über die Lippen kommen. An sich schade, denn wer hätte zu Beginn des Jahres einen solchen Ausgang geglaubt? Es soll mir eine Lehre sein …
Etwas unangenehm ist natürlich, dass sie weiterhin meine Nachbarin ist, aber zumindest kann ich die Tage, die ich voraussichtlich noch in Village 2 bin, an zwei Händen abzählen. Der momentan verstärkte Krach meiner Nachbarn, wegen überstandener Prüfungen noch feierlustiger als sonst, geht mir auch zusehends auf die Nerven … wenn man sich gerade nicht in Feierstimmung befindet und dann um 3 Uhr in der Nacht die Nachbarn die Party samt Subwoofer aus einem Zimmer auf den Gang verlagern, dann kann das schon für böses Blut sorgen. Immerhin waren sie so nett, auf meine Bitte dann die Musik nicht nur leiser zu drehen, sondern gleich komplett auszuschalten.
Um hier kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Ich habe grundsätzlich nichts gegen Feiern, nur muss es meiner Meinung nach jedem freigestellt sein, ob er daran teilnehmen bzw. davon etwas mitbekommen will. Clara z.B. wohnt eine Etage unter der Haupt-Partyzone und hat mir anvertraut, dass sie deshalb schon öfters nicht schlafen konnte, sich aber auch nicht beschwert hat. Natürlich, wer macht sich schon gerne freiwillig zum Buhmann einer Feier?
Vielleicht bin ich aber auch einfach ein wenig zu altmodisch, wenn ich wunderschöne französische Chansons lauter Partymusik vorziehe … manchmal habe ich den Eindruck, ich lebe einfach 60 Jahre zu spät. 😉 Immerhin hat mich der Krach gleich zu einem neuen Lied inspiriert, nämlich den “Wohnheim-Blues”. Eine Seite Text habe ich dafür schon geschrieben, und hoffe, dass mir die Muse weiterhin Reime zuwirft, sodass das Lied zum nächsten Münchener Faschingskonzert präsentabel ist. 😉

Zum Abschluss noch ein Foto von meinem heutigen Fahrradausflug zum sogenannten “Bois des sources du Peugue“. War eine recht schöne Route, und ich bin genau bis an die Grenze von Pessac gestoßen. Dahinter kommt die Freiheit, sprich Arcachon … 😉

Le Bois des Sources du Peugue.

Ich wünsche meinen Lesern noch einen schönen Wochenbeginn und à bientôt !

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