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Au revoir

Au revoir

von Michael Färber 27. Januar 2013, 23:30 Uhr

Meine sehr verehrten Damen und Herren, willkommen zu dieser einundzwanzigsten Ausgabe meiner Abenteuer in Frankreich! 🙂

Am Dienstag machte sich der verbliebene Teil unserer Erasmus-Gruppe in die Stadt auf, um dort dem cineastischen Vergnügen zu frönen. Es stand ein Film von Quentin Tarantino mit österreichischer Hauptrolle auf dem Programm. Richtig: Django Unchained! Da ich ja gleichzeitig ein großer Fan von Quentin Tarantino und von Christoph Waltz bin (die Apfelstrudel-Szene in Inglourious Basterds wird mir unvergessen bleiben), war dieser Film ja schon länger auf meiner TOVIEW-Liste, und er hat mich nicht enttäuscht. 😉 Kleiner Tipp für Nachahmer: Es lohnt sich bei diesem Epos durchaus, vor Beginn noch einmal die Toilette aufzusuchen, sonst könnte man leichte Konzentrationsschwierigkeiten gegen Ende des Films haben. ^^ Den Film sahen wir übrigens im Cinéma Utopia, wo wir — aufgrund unserer Wahl einer recht frühen Vorstellung — Eintrittskarten für sensationelle 4€ erhielten! Das Innere des Kinos ist sehr schön gestaltet, da in dem Gebäude früher einmal ein Kloster oder eine ähnliche religiöse Einrichtung beheimatet war, und so sitzt man im Kinosaal mit Steinwänden und Kronleuchter, was dem ganzen ein Flair von Mittelalter-Kino gibt. 😉 Erwähnte ich, dass der Werbevorspann nur ca. fünf Minuten dauerte und der Film selbst in Originalsprache gezeigt wurde? Das sind auf jeden Fall alles gute Gründe dafür, dass dieses Kino mein neues Lieblingskino in Bordeaux ist. 🙂
Nach dem Kino setzten wir uns in das zum Kino gehörende gemütliche Café und diskutierten noch ein wenig. Als sich die Gruppe wieder Richtung Pessac aufmachte, blieb ich im Café sitzen, da ich ja am selben Abend in der Stadt Chorprobe hatte. Wie das bei mir so kommt, kam ich mit ein paar Damen am Nebentisch ins Gespräch, und eine davon entpuppte sich als Sängerin an der Oper, die mir den Besuch der Oper Dialogues des Carmélites nahelegte, wo sie auch selbst mitsänge. Pauline hat auf jeden Fall schon Interesse angekündigt. 😉
Nach dem Café nahm ich dann wieder die Tradition des Döner-Day im neuen Jahr auf, und danach ging’s in die Chorprobe. Hatte ich mich vor der Probe irgendwie ein wenig niedergeschlagen gefühlt, ging es mir danach deutlich besser — es geht doch nichts über Musik machen mit Freunden! 😉 An dieser Stelle auch noch eine kleine Kostprobe von unserem Konzert in Gradignan.

Am Mittwoch ging es weiter mit dem Kulturprogramm, diesmal nämlich mit Theater! Kristin hat uns ja schon vor Weihnachten Karten für “Le misanthrope” von Molière reserviert, und am Mittwoch war es dann endlich soweit! Vor der Fahrt zum Theater leistete ich mir allerdings einen gröberen Schnitzer im wahrsten Sinne des Wortes, da ich mich mit der Präparation meines Abendessens stresste und dann beim Parmesanreiben ausrutschte und meinen linken Daumen gleich mitschnitzte. Das darauffolgende Blutbad konnte ich dann mithilfe eines von einer Nachbarin geschenkten Pflasters glücklicherweise schnell stillen, sodass ich noch dazu kam, mein Abendessen in Ruhe zu beenden, bevor ich mich in Richtung Arts & Metiers aufmachte.
Das Theaterstück stellte sich sprachlich als erwartet schwer verständlich aus, trotzdem war es sehr amüsant inszeniert und gefiel uns allen eigentlich ganz gut. 🙂 Wir fühlten uns ob unserer etwas exponierten Position in der zweiten Reihe zwar manchmal ein wenig bedroht von dem Sprühregen, der dem Munde des Hauptdarstellers bei der Intonation entfuhr, aber das trug auch gleichzeitig zur allgemeinen Heiterkeit bei.
Nach dem Theaterstück (2h30 Dauer ohne Pause!) war ich zwar ein wenig kaputt, ging dann allerdings noch mit ins Cock & Bull, da es der letzte Abend in Bordeaux mit Andreas sein würde. 🙁
Wir verabschiedeten uns dann in der Tram voneinander, und dort überraschte mich Lisa damit, dass auch sie schon am nächsten Tag Richtung Heimat aufbrechen würde. Somit ist nunmehr also auch meine allererste Freundin in Bordeaux nicht mehr hier … 🙁
Ich habe mir allerdings überlegt, im Sommer eine Tour d’Allemagne mit dem Fahrrad zu machen, um möglichst viele meiner hiesigen deutschen Freunde wieder zu sehen und mich gleichzeitig auch auf meine USA-Tour (nach diesem Vorbild) vorzubereiten, denn: Der Umgang mit dem Zelt muss geübt sein! 🙂

Ich hatte allerdings glücklicherweise nicht sehr viel Zeit, wegen des Doppel-Abschieds Trübsal zu blasen, denn am Donnerstag stand die Präsentation unseres PER an. Die Tage hatten wir ja auf Hochdruck an dessen Vervollkommnung gearbeitet, und ich fühlte mich am Ende schon wie ein Englisch-Lehrer, da ich sicherlich mehrere Stunden für die Korrektur der Texte meiner Kollegen aufgewandt hatte. 🙂 So ein Rotstift kann süchtig machen …
Die Präsentation verlief auf jeden Fall sehr gut, und wir gingen danach noch in eine Bar (sinnigerweise “Le Carpe Diem” genannt ^^), wo wir freudig das nunmehrige Semesterende feierten. Dieser feriale Zustand, in den wir somit eingetaucht sind, wird allerdings kein längerwährender sein, denn schon in einer Woche beginnt das nächste Semester. Semesterferien? Fehlanzeige! Für mich sind solche Überlegungen sowieso nur Gedankenspiele, da ich ja ab sofort ein freier Mann bin, der sich selbst aussuchen kann, wann, wie und wo er arbeitet, da ich ja keine Vorlesungen mehr habe, sondern “nur” noch an der Masterarbeit arbeiten muss. Das finde ich einerseits schade, da ich vermutlich meine Freunde aus den niederen Semestern nicht mehr so oft sehen werde; allerdings haben Noël und Jonathan schon angekündigt, sich während ihrer Masterarbeit oft in der Uni aufhalten zu wollen, sodass ich hoffe, dass ich die beiden häufig sehen werde und die Arbeit keine einsame wird.

Noël et Jonathan.

Am Abend war dann wieder einmal eine Erasmus-Feier angesagt, und beginnen sollte diese bei Anita. Leicht angeheitert ging es dann in die Stadt, wo eben in der sogenannten Torrito-Bar besagte Erasmus-Feier stattfinden sollte. Dort blieben wir allerdings nicht zu lange, da um 2h die Bar illuminiert wurde und die Besucher relativ unsanft aus dem Lokal “vertrieben” wurden, am Ende sogar per Lautsprecher aus der Umgebung vor dem Lokal verscheucht wurden. o_O Ich verzichtete darauf, mit den anderen in die Diskothek “La plage” weiterzuziehen, da ich auch schon relativ illuminiert war, und machte mich auf der Suche nach einem fahrbaren Untersatz Richtung Pessac. Auf dem Weg traf ich noch ein paar Deutsche, und sogar — Trommelwirbel — wieder einmal eine Österreicherin, und zwar aus “Soizbuag”. 🙂 Der Nachhauseweg gestaltete sich dann allerdings als diffizil, denn am Place de la Victoire waren alle Leihfahrräder schon ausgeliehen. So beschloss ich, Richtung Süden zu Fuß zu laufen. Nach einigen Kilometern endlich eine weitere Fahrradstation. Der Automat fordert mich dazu auf, meine Bankomatkarte einzuführen und dann gleich wieder zu entnehmen. Dieses Spielchen wiederholt sich drei Mal, ohne dass ich ein Fahrrad bekam. Davon etwas genervt, entschloss ich mich, weiterzulaufen, bis ich einige Kilometer weiter am Forum eine weitere Fahrradstation antraf. Dort versuchte ich wieder mein Glück, und diesmal kam ich sogar schon dazu, meinen PIN einzugeben, nur um dann die Meldung “Zahlung verweigert” zu erhalten. 😛 So fand ich mich mit dem Gedanken ab, auch noch den restlichen Weg per pedes laufend zurückzulegen, was somit meine erste Lauftour von der Stadt Bordeaux in mein Domizil darstellte. 😉
Ein interessantes Phänomen übrigens: Es scheint eine starke Korrelation zwischen Alkoholisierungsgrad und Zigarettenkonsum zu geben, denn ich wurde in der Nacht mehrfach und ausschließlich von ziemlich alkoholisierten Menschen nach einer Zigarette gefragt. 😉

Am Tag darauf, Freitag, war erst einmal ein langes Ausschlafen angesagt, denn am Abend wollte ich ja ins Konzert gehen, und was ist ein schönes Konzert, wenn man zu müde ist, um es zu genießen? Es handelte sich um das Konzert, für das mir meine Gruppe zu meinem Geburtstag Karten geschenkt hatte, und zu meiner großen Freude erklärte sich Clara bereit, mit mir das Konzert anzuhören. So fuhren wir denn gegen 19 Uhr in die Stadt, als mich dann in der Tram leise Zweifel beschlichen, ob denn das Auditorium de Bordeaux wirklich im Grand Théâtre situiert wäre. Wir haben dann einige Leute in der Tram gefragt, von denen niemand etwas wusste, und auch die Konsultation der offiziellen Seite per mobilem Internet brachte uns keine Adresse, sodass wir schließlich einfach zum Grand Théâtre fuhren. Dort fanden wir die Türen verschlossen vor, aber auch eine größere Menschenmenge, die sich scheinbar genau die selbe Frage wie wir gestellt hatte. 🙂 Zum Glück fand sich jemand, der uns den Weg zeigte — das Auditorium de Bordeaux liegt nämlich ein wenig nördlich von Gambetta, aber finde das einmal heraus. Französische Internetseiten — da könnte ich seitenweise darüber lästern.
Das Konzert war auf jeden Fall beeindruckend. Es wurden Werke von Debussy, Dutilleux und Ravel gespielt, wobei mir der Ravel am Ende (+ Chor!) am besten gefiel. Der Dutilleux war nicht so das meine, da “neue Musik”.

Auditorium de Bordeaux.

Am Samstag machte ich mir zum ersten Mal in Frankreich ein Tiroler Gröstl, allerdings in einer speziellen Variante mit Speck, welche ich nach meinen freundlichen Speck-Sponsoren ganz frei “Ampasser Gröstl” taufe. Nach dem kulinarischen Genuss gab es am Abend eine kleine Erasmus-Feier bei Ana und Mónica, wo mir mittlerweile schon deutlich auffiel, wie stark unsere Gruppe reduziert war. Als sich Kristin und Anita (die letzten verbliebenen Deutschen) frühzeitig auf den Heimweg machten, setzte eine starke Tendenz zum Spanischen ein, da die größten Nationenblöcke nunmehr von Spanien und von Brasilien gestellt werden. Diese Tendenz finde ich etwas unangenehm, da ich in Frankreich eigentlich schon gerne Französisch sprechen würde und nicht Spanisch. Außerdem merke ich jetzt ganz besonders, dass ich mich mit unseren Deutschen irgendwie doch meistens am besten verstanden habe, was allerdings nicht nur an der Sprache liegt, da wir uns oft sehr lange nur auf Französisch unterhalten haben. Ich denke eher, dass es gewisse Wesenszüge gibt, die Deutsche und Österreicher verbindet und uns von anderen Nationalitäten abgrenzt. Man denke z.B. an die Klischees von Pünktlichkeit und Ordentlichkeit. 😉 Das soll nicht heißen, dass ich mich mit Franzosen oder Vertretern anderer Nationalitäten nicht verstehe, aber ich finde es auffällig, zu welch hohem Prozentsatz ich mich mit den Deutschen verglichen mit den anderen verstehe.

Ampasser Gröstl.

Mit dieser kleinen Beobachtung möchte ich auch schließen und wünsche meinen Lesern noch einen schönen Wochenbeginn! 🙂

P.S.: Momentane Lieblingsmusik: “Kann denn Schwachsinn Sünde sein …?” von der EAV. Quasi Überbleibsel aus Kindestagen.

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