blog >

Bruit

Bruit

von Michael Färber 16. Mai 2013, 10:18 Uhr

Meine sehr verehrten Damen und Herren, willkommen zu dieser sechsunddreißigsten Ausgabe meiner Abenteuer in Frankreich! 🙂

Die kulinarische Versorgung diese Woche gestaltete sich als erstaunlich aufwendig, da die Mensa die ganze Woche geschlossen war. Die Franzosen haben nämlich wieder einmal Ferien, weshalb Eigenversorgung angesagt war. Immerhin bot sich gleich am Montag die unerwartete Gelegenheit eines gemeinsamen Abendessens mit meinem Nachbarn Simon, im Zuge dessen wir einige sehr interessante Themen diskutierten. Wie sich herausstellte, haben wir beide sehr ähnliche Interessen; u.a. arbeitet Simon auch momentan an zirkulären Beweisen so wie ich, und wir interessieren uns beide für die Grundlagen der Wissenschaften. Da ist es auch kaum erstaunlich, dass er wie ich ein leidenschaftlicher Radfahrer ist und für diesen Sommer eine Tour de France plant. 🙂 Würde mich natürlich sehr jucken, da mitzufahren, aber andererseits freue ich mich schon zu sehr auf Österreich, sodass ich den Sommer lieber zuhause verbringen möchte.

Wenn wir schon bei Österreich sind: Die Tiroler Landtagswahlen sind ja jetzt geschlagen, und die eingetretene Koalition von ÖVP und Grünen ist genau das, was ich mir erhofft hatte — wunderbar! 🙂 Die Reaktionen der Leute auf die Koalitionspartnersuche, die der ORF zusammengeschnitten hat, ist meines Erachtens legendär.

Ich verfluche fast täglich die Konstrukteure von Village 2, denn was diese als Materialien für die Konstruktion desselben gewählt haben, würde in Österreich vermutlich nicht einmal als Schuhkarton durchgehen. So ist es hier möglich, dass man eine Etage und mehrere Zimmer von einem Lärmverursacher (im weiteren Verlauf dieses Textes “Disco Stu” genannt) entfernt diesen noch immer allerbestens hört. Was aber noch besser ist, ist dann die Reaktion desselben: Beim ersten Mal entschuldigt sich Disco Stu und verspricht, seine “Musik” leiser zu drehen. Hört man dann die Geräusche immer noch und tritt erneut den Gang in das höhere Stockwerk an, sagt Disco Stu: “Du hörst mich immer noch? Jetzt kann ich aber wirklich nichts mehr machen … ich könnte allerhöchstens den Bass abstellen.” Verdammt, warum kommst du da erst jetzt darauf? Ein Studentenwohnheim ist keine Disco, zumindest nicht zur Mittagszeit. Und sich schon zu einer solchen Tageszeit zuzudröhnen, finde ich ebenso peinlich, wie den ersten Whisky des Tages zum Frühstück einzunehmen.
An Lärm ist in Village 2 allerdings keine Knappheit: Man muss oft nicht einmal in die Ferne schweifen, sondern vor bzw. neben der eigenen Haustüre kehren, nämlich bei seinem besten Nachbarn Aalâa. Dieser hat mir die Woche auch wieder einmal dadurch versüßt, dass er bis spät in die Nacht hinein geredet hat, und das mehrfach pro Woche. Und mit “spät in der Nacht” meine ich nicht 10 Uhr, sondern deutlich nach Mitternacht, und mit “reden” meine ich Geräusche erzeugen, dass ich sie trotz einer uns trennenden “Mauer” (Kuchenblech) und Ohrenstöpseln (Hansaplast, made in Germany) noch deutlich zu vernehmen vermag. Ich kann mich natürlich jedes Mal wieder beschweren, aber das habe ich langsam satt. Besonders toll ist es dann, wenn ich, wie in der Nacht auf den Samstag, um 5 Uhr in der Nacht aufwache, weil mein Nachbar dies als wunderbare Zeit zur Konversation auserkoren hat. Zumindest half da ein kräftig gerufenes “Aalâa, ta geule” (“Halt die Pappn, Aalâa”), um für instantane Ruhe zu sorgen. 😉
Was mich als verbindendes Motiv hauptsächlich stört, ist nicht hauptsächlich der Lärm selbst; es ist vielmehr der Unwillen meiner Nachbarn, ihre Nachbarn zu respektieren. Ich unterstelle ja meinen Nachbarn ein gewisses Maß an Intelligenz, mit dem diese eigentlich wissen sollten, dass sie andere Leute stören, wenn sie Krach machen. Daher folgere ich, dass sie dieses Wissen bewusst und wiederholt ignorieren. Und wie sagt so schön ein Zitat von Christopher Marlowe? “There is no sin but ignorance.” Es ist diese Ignoranz, der ich den Kampf ansage.

Am Samstag bin ich dann auch relativ geladen zum Accueil von Village 2 gegangen, um eine offizielle Beschwerde gegen meinen Nachbarn einzulegen. Ich denke, manche Leute lernen es nur auf dem harten Weg, und den war ich zu gehen entschlossen.
Am Nachmittag machte ich noch ein paar Erledigungen in der Stadt und nützte die Gelegenheit gleich für eine kleine Radltour, bei der ich einige Zeit im Buchgeschäft Mollat hängenblieb. Bei meiner Rückkehr nach Village 2 war Disco Stu schon wieder voll in seinem Element, woraufhin ich die Schnauze voll hatte und ihm relativ scharf klarmachte, dass meine Geduld zu Ende sei und ich ab jetzt bei weiteren Störungen einfach direkt die Heimleitung kontaktieren würde. Das schien ihm gar nicht zu schmecken und er wurde ein bisserl aggressiv, was mir aber vor lauter Ärger relativ wurscht war. Es kam jedenfalls zu keiner Messerstecherei oder dergleichen (quod erat demonstrandum per hunc historiam), und — siehe da — die Musik war danach tatsächlich nicht mehr zu vernehmen. So geht das!
In der Nacht kam allerdings genau in dem Moment,  als ich mich hinlegen wollte, mein Nachbar Aalâa zurück und fing natürlich sofort wieder an zu quatschen. Als ich daraufhin bei ihm klopfte, wurde ich allerdings unerwartet zu einem zweiten Abendessen eingeladen, was ich eigentlich nicht annehmen wollte, da ich mich ja quasi am selben Tag noch bei der Heimleitung über ihn beschwert hatte. Er insistierte aber so stark auf seine Einladung, dass ich nicht Nein sagen konnte und die Ehre hatte, mit ihm und seinem Freund Said Hühnchen zu essen. Ich fühlte mich ein wenig wie in 1001 Nacht, bei einem opulenten Nachtmahl mit Said und Aladdin (Aalâa). Es fehlte eigentlich nur noch die Wunderlampe.
Als ich ihm dann eröffnete, dass ich offizielle Beschwerde wegen ihm eingelegt hatte, sagte er, dass er ohnehin schon über sein Verhalten nachgedacht hätte und in Betracht zöge, das Zimmer zu wechseln, da er wüsste, dass mich sein Verhalten störe und er nicht unsere Freundschaft deswegen belasten möchte. Das kam allerdings unerwartet; ich fühlte mich wegen meiner Beschwerde etwas schäbig, aber er schien es nicht so tragisch zu nehmen. Finde es auf jeden Fall bemerkenswert, dass er sich doch Gedanken über sein Verhalten gemacht hat, und muss sagen, dass es mir auch leid täte, ihn als Nachbarn zu verlieren — wenn er nicht nur immer so viel Krach machen würde. ^^

 

Unter der Woche habe ich fast durchgehend wie ein Verrückter an meiner Masterarbeit gearbeitet, die jetzt schon sehr klare Gestalt annimmt (49 Seiten :D). Ein Schreck erfasste mich am Wochenende, als ich von meinem Innsbrucker Betreuer Cezary erfuhr, dass man für die Defensio der Masterarbeit alle seine Kurse erfolgreich abgeschlossen haben müsse, denn ich muss noch ein paar Kurse in Innsbruck belegen und kann deshalb vermutlich meine Defensio noch nicht im Sommer machen. Momentan kläre ich gerade ab, ob das Auswirkungen auf die Anerkennung meiner Masterarbeit für meinen Erasmus-Aufenthalt hat.

Wieder einmal mit einiger Verspätung, aber schließlich doch wünsche ich rückwirkend einen angenehmen Wochenbeginn für den 13. Mai ^^ und verabschiede mich bis bald. Auf Wiederlesen!
(Dieser Artikel hat im Vergleich zu seinem Vorgänger statt 7 Tagen nur noch 4 Tage Verspätung. Daher sage ich für diese Woche eine Verspätung von einem Tag voraus. ^^)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *