blog >

J’ai besoin d’un vélo

J’ai besoin d’un vélo

von Michael Färber 16. September 2012, 18:36 Uhr

Meine sehr verehrten Damen und Herren, willkommen zu dieser vierten Ausgabe meiner Abenteuer in Frankreich! 🙂

Nachdem sich diese Plattform ja eigentlich der Informatik widmen soll, habe ich mir gedacht, dass ein kleiner Überblick über meine Vorlesungen angebracht ist: Diese Woche hat nämlich die Uni weiter an Fahrt aufgenommen, und ich habe schon drei Vorlesungen gehabt, nämlich Logique, Compilation und Modèles de Calcul, die ich hier kurz umreißen möchte.

In der Logik-Vorlesung beschäftigen wir uns im Moment mit den Grundlagen des natürlichen Schließens, was übrigens nicht im Sinne von “Schließen einer Tür” zu verstehen ist, sondern mehr mit dem Schließen “auf etwas”. Nehmen wir z.B. an, dass der Boden nass ist, wenn es regnet. In diesem Falle wissen wir: Wenn es regnet, dann ist der Boden nass. 🙂 Das mag jetzt trivial klingen, aber wir können auch den Umkehrschluss ziehen: Wenn der Boden nicht nass ist, dann regnet es auch nicht. Faszinierend. ^^ Das wären nur zwei simple Beispiele für natürliches Schließen; es gibt viel komplexere und interessantere, mit denen ich aber meine geschätzte Leserschaft hier nicht vergraulen möchte.

In der Vorlesung “Compilation” geht es um die Übersetzung von Sprachen, genauer gesagt von Computersprachen. Da nämlich die Sprache, die der Computer für seine internen Prozesse verwendet, für Programmierer im Allgemeinen eher umständlich zu schreiben ist, verwendet der Programmierer eine Hochsprache, die für ihn leichter zu schreiben und zu verstehen ist. Dafür braucht der Programmierer aber dann ein Übersetzungsprogramm, welches das Programm in der Hochsprache in ein Programm umwandelt, das der Computer dann direkt ausführen kann.
Wir haben in unserer ersten Übung für das Fach ein kleines Programm geschrieben, das eine Computer-Hochsprache analysiert und daraus Merkmale extrahiert. Um das zu illustrieren, ein kleines Beispiel aus der deutschen Sprache: “Ich komme aus Innsbruck.” Dieser Satz besteht aus mehreren Teilen, nämlich:

  • “Ich”: Subjekt
  • “komme”: Prädikat
  • “aus Innsbruck”: Adverbial
  • “.”: Satzende

Ein in Grammatik beschlagener Mensch kann einen Text wie “Ich komme aus Innsbruck.” auf solche Weise syntaktisch aufgliedern, und auf ähnliche Weise kann auch unser Programm Texte in Computersprache analysieren, bzw. später einmal auch in andere Sprachen übersetzen. Hoffentlich.

Nun zum letzten Fach, nämlich Modèles de Calcul: Diese Vorlesung beschäftigt sich damit, was berechenbar ist und was nicht; außerdem damit, mit wieviel Aufwand gewisse Dinge zu berechnen sind. Zum Beispiel gibt es Probleme wie Sudoku, für die es relativ aufwändig ist, eine Lösung zu finden (sprich: berechnen), aber vergleichsweise einfach, eine gefundene Lösung zu überprüfen. Das weiß jeder, der schon einmal eine halbe Stunde an einem Sudoku gesessen ist, nur um dann in zwei Sekunden zu merken, dass er/sie wieder einmal versehentlich zwei gleiche Zahlen in die selbe Reihe gesteckt hat. 🙂 Es gibt aber auch andere Probleme, wie die Addition von zwei Zahlen, wo die Lösungsüberprüfung nicht einfacher ist als die Berechnung — um zu überprüfen, ob “873 + 125 = 998” stimmt, führt kein Weg daran vorbei, die Berechnung selber auszuführen. 🙂
Diese Vorlesung ist zwar interessant, aber da ich eine relativ ähnliche Vorlesung in Innsbruck schon besucht habe weiß ich noch nicht, ob ich sie mir weiterhin anschaue oder mir lieber einen freien Freitag mache. ^^

Modèles de Calcul (während der Pause aufgenommen)

Vor Beginn meines Auslandsaufenthalts habe ich übrigens viel davon gehört, dass die französischen Universitäten sehr verschult seien: So würde der typische österreichische Student, der mit Kaffee und Tageszeitung eine halbe Stunde zu spät in der Vorlesung erscheint, in Frankreich zuerst gnadenlos zur Schnecke gemacht und anschließend mit einer leckeren Sauce angerichtet. Habe ich mir so vorgestellt. Mittlerweile hat sich dieses Bild revidiert: Von einigen Kollegen anderer Fakultäten habe ich nämlich gehört, dass es ihnen so ähnlich schon ergangen sei, aber in der Informatik scheint das bisher noch überhaupt nicht der Fall zu sein! Die Leute kommen und gehen, wann es ihnen passt — im Übrigen gilt das teilweise auch für die Professoren. 🙂 Da ich mir allerdings seit der Zeit mit meiner Strebergruppe in München angewohnt habe, regelmäßig und pünktlich zu Lehrveranstaltungen zu erscheinen, profitiere ich nicht sonderlich von dieser Freiheit, freue mich aber trotzdem darüber, dass ich nicht in der Ecke stehen muss, wenn ich einmal die Tram verpasse und fünf Minuten zu spät komme. 🙂

Am Freitag habe ich übrigens auf ORF.at gelesen, dass die österreichischen Studenten immer mehr arbeiten und dafür aber immer weniger verdienen. Zumindest dem Trend zu mehr Arbeit folgend, habe ich mich ja für eine Tutorenstelle an der Universität beworben, war dann allerdings etwas verunsichert, als mich eine Freundin von der Erasmusgruppe gefragt hat, ob ich denn wirklich während meines Erasmusjahres arbeiten möchte? Daraufhin habe ich nämlich nochmals nachgedacht, und habe entschlossen, mich trotzdem zu bewerben, aber im Falle einer Ablehnung keine andere Stelle zu suchen, da ich durch die Arbeit ohnehin nur ein kleines Zubrot verdienen würde, quasi das Circonflexe auf dem I. Am Mittwoch hatte ich dann mein “Rendez-vous” mit einer sehr netten Dame, die mir gleich am Anfang schon nahelegte, mich doch lieber für einen anderen Tutoratsposten zu bewerben, da sie selbst schon mehr Bewerber als Posten hätte und mich trotz meiner “guten Führung” eher nicht einstellen könne. ^^ Daraufhin war ich doch ein wenig erleichtert, da ich schon um meine heilige Freizeit bzw. meine geliebte Siesta gefürchtet habe. 😉

A propos Freizeit: Diese Woche bin ich am Donnerstag zum ersten Mal mit meiner Erasmus-Gruppe in die Stadt ausgegangen! Das Ganze begann  schon im Wohnheim Village 2, wo ich eine Freundin aus Rumänien (Sabina) traf, die mich spontan auf ein Bier einlud. Etwas später gingen wir dann zusammen mit meiner Erasmus-Gruppe auf einen Empfang der Université Bordeaux 1 für die Erasmus-Studenten. Dort gab es nach der Vorstellung einiger Angebote der Uni und einer ca. halbminütigen Ansprache des Rektors in bestem französischem Englisch wieder eine Menge von Getränken der Region. 😉 Von dort wieder zurück in mein Wohnheim Village 2 zurückgekommen, wurde ich mit einer Freundin von mir (Clara) spontan zu einer anderen Wohnheimbewohnerin aus der Bretagne (Emy) zum Essen und Trinken eingeladen. Dort blieben wir eine Zeit lang, mussten uns dann allerdings empfehlen, da wir schon mit unserer Erasmus-Gruppe in einem anderen Wohnheim (Pierre et Marie Curie) zur Soirée verabredet hatten. Nachdem es also dort auch noch einmal etwas zu trinken gab, sind wir dann auch noch in die Stadt gegangen, da uns Emy (die Bretonin) nochmals in der Stadt treffen wollte. Schon die Fahrt mit der Tram dorthin war ein Abenteuer, denn diese glich um ca. 23 Uhr weniger einem Verkehrsmittel als wie vielmehr den Zuschauerrängen eines Fußballstadions beim Spiel Simmering-Kapfenberg. Oder einem Affenkäfig. Man konnte sich ob der Sprechchöre jedenfalls nicht mehr sinnvoll unterhalten, und so glitten wir von der Animalität der Masse gebannt durch die dunklen Gässchen der Vorstadt zum Place de la Victoire. Auf diesem steht die Porte d’Aquitaine, ein Triumphbogen, der sehr stark der Innsbrucker Triumphpforte ähnelt. Zu dieser mitternächtlichen Stunde war der ganze Platz gesteckt voll von Studenten! Dabei war ich doch ziemlich froh, dass ich mit meiner Gruppe unterwegs war, denn einigen der Zeitgenossen dort wäre ich alleine lieber nicht begegnet. Nachdem wir ca. 20 Leute nach der Bar gefragt haben, in der wir uns mit Emy treffen sollten, und uns keiner eine Antwort geben konnte, haben wir Emy dann doch noch gefunden. Nach einiger Zeit in der Bar gingen dann gegen 2 Uhr nachts die Lichter an, und wir zogen weiter in Richtung Bahnhof, wo sich eine Diskothek befinden sollte. Dieser Zug war allerdings laufend geprägt von Verzögerungen, sodass wir für die 1,9km lange Strecke ca. eine volle Stunde benötigten. o_O Da ich generell kein großer Fan von Diskotheken bin, war ich nicht unglücklich, als zwei unserer Erasmus-Gruppe ankündigten, sich ob dieser Verzögerungen und der fortgeschrittenen Uhrzeit in Richtung Bett bewegen zu wollen, und schloss mich an. Doch vor das Bett hat Gott schließlich den Bus gesetzt, und dieser ließ noch ca. eine halbe Stunde beim Bahnhof auf sich warten. Als der Bus sich dann langsam meinem Wohnheim näherte, folgte ich dem Rat einiger mutmaßlich Ortskundiger und stieg bei einer Station aus, die sich im Nachhinein als mehrere Stationen von Village 2 entfernt herausstellte. Die nächste halbe Stunde verbrachte ich damit, in kurzen Hosen bei frostigen Temperaturen fluchend durch die komplett menschenleeren Straßen von Talence zu laufen und mein Wohnheim zu suchen. Das war nicht so leicht, denn ich hatte überhaupt keine Orientierung und Straßenpläne gibt es bei den Bushaltestellen nicht. Am Ende bin ich dann in eine Klinik gegangen und habe dort nach dem Weg gefragt, woraufhin es dann auch geklappt hat. 😉 Das wäre mir nicht passiert, wenn ich mit dem Fahrrad schon ein wenig die Umgebung erkundet hätte, aber so kannte ich von der Umgebung bisher hauptsächlich den Weg von der Tram-Station zum Wohnheim. Ich brauche ein Fahrrad!

Am Freitag hatte ich meine erste Chinesisch-Stunde und gab darauf im Gegenzug meine erste Klavierstunde. 🙂 Das war sehr interessant, wenn auch ein bisschen anstrengend, denn die chinesische Kalligraphie ist nicht ohne Tücken, und meine Lehrerin ist sehr streng. Aber dafür kann ich jetzt die chinesische Version von Bruder Jakob, die übersetzt ungefähr so lautet:

Zwei Tiger, zwei Tiger
laufe schnell, laufe schnell
einer ohne Ohren, einer ohne Schwanz
sehr bizarr, sehr bizarr.

Chinesisches "Bruder Jakob".

Am Samstag fuhr ein Teil unserer Erasmus-Gruppe dann nach Arcachon, um sich die weltbekannten Dünen anzusehen. Vor der Hinfahrt habe ich allerdings noch mein ganzes Zimmer auf Anraten der Wohnheim-Putzfrau mit Insektenspray zugenebelt, um meinen kleinen Mitbewohnern endgültig den Garaus zu bereiten. Dazu später noch mehr.
Die Fahrt nach Arcachon mit dem Zug von Pessac aus gestaltete sich relativ einfach und war mit 7,30€ auch gar nicht so teuer wie erwartet. In Arcachon angekommen mussten wir den Bus zu den Dünen nehmen, was sich aufgrund der recht geringen Bus-Taktfrequenz ziemlich hinzog. Die Dünen waren dann allerdings ziemlich spektakulär, und das daran angrenzende Meer nicht minder, denn es gab sehr viele Wellen, die teilweise auch ziemlich hoch und stark waren. Für Surfer und Segler ein Paradies! Ich war auf jeden Fall von meinem ersten Ausflug an den Atlantik begeistert!

Les Dunes.

Ein paar aus unserer Gruppe verabschiedeten sich dann von uns, die wir noch ein wenig länger am Strand bleiben und den Tag genießen wollten. Wir stellten dann allerdings fest, dass sich mit dem letzten Bus von den Dünen (ca. 19:40 Uhr) vermutlich der letzte Zug nach Bordeaux (ca. 20:15 Uhr!) nicht mehr ausgehen würde! Daraufhin brachen wir relativ eilig auf, um uns irgendwie eine Verbindung nach Bordeaux zu organisieren. Es wusste allerdings niemand die Nummer eines Taxiunternehmens, auch die Auskunft scheint nichts gewusst zu haben. So ging ich dann zur Bushaltestelle, wo ich ein paar Leute fragen wollte, die sich dann lustigerweise als Österreicher herausstellten. ^^ Der Vorarlberger unter ihnen war natürlich bestens informiert und versicherte uns, dass wir mit dem Bus doch den Zug erreichen würden. Während ich noch mit den Österreichern ein bisschen ratschte, sah ich auch gleichzeitig das erste Auto mit österreichischem Kennzeichen seit meiner Ankunft in Bordeaux vor mehr als zwei Wochen! Die Dünen von Arcachon scheinen eine Art Attraktion auf Österreicher auszuüben. 😉

Aufgabe: Finde den Vorarlberger! 🙂

Als ich mich also schon wieder langsam wie in Österreich zu fühlen begann, kam ein Mann auf uns zu, den ich zuvor nach einem Taxiunternehmen gefragt hatte, und bot uns eine Mitfahrgelegenheit für zwei an, die Andreas und ich dann auch dankbarerweise beanspruchten. Leider mussten wir den Rest unserer verbliebenen Gruppe zurücklassen, aber wir hatten dafür eine erstklassige, kostenlose Mitfahrgelegenheit bis fast vor unsere Haustür! Leider bekam ich noch während der Fahrt relativ starkes Halsweh, weshalb ich dann nicht mehr mit den anderen ausgehen konnte. 🙁
Wem es dafür pudelwohl ging, waren meine geliebten insektoiden Mitbewohner! Nachdem ich eigentlich erwartet hatte, bei meiner Rückkehr den Boden vor lauter Kakerleichen nicht mehr zu sehen, war ich ob des Misserfolgs meines Insektozids erschüttert: Keine einzige tote Kakerlake war zu sehen, nur einem armen, unschuldigen Spinnchen scheine ich den vorzeitigen Tod beschert zu haben. R.I.P. Dafür sah ich gleich bei meinem Eintritt in das Zimmer ein richtig fettes Kakerlakenexemplar ungeniert die Zimmerwand entlangeilen. 1:0 für euch, aber ich schlage schon noch zurück!

Den Sonntag habe ich dann hauptsächlich in meinem Zimmer im Bett verbracht, weil ich mich krankheitsbedingt nicht besonders gut gefühlt habe. Eigentlich wollte ich ein Konzert in der Kathedrale besuchen, aber da hat mir meine Krankheit leider einen Strich durch die Rechnung gemacht. Glücklicherweise fühle ich mich jetzt schon etwas besser, weshalb ich hoffe, dass sich das Ausruhen gelohnt hat. 🙂

Ich wünsche euch noch einen schönen Wochenausklang und hoffentlich bis nächste Woche! ^^

3 Antworte zum Artikel “J’ai besoin d’un vélo

Maximilian

16. September 2012, 18:36 Uhr

Ja dann doch noch nach Arcachon gekommen^^. Den Vorarlberger hab ich gefunden und Tiger Jakob ist coo^l;-) Hier in Ösiland zieht langsam der Herbst ein begleitet von Föhn der die Blätter zuerst färbt und dann von den Bäumen weht. Wegen der kakalaken wünsch ich dir viel viel Glück, aber vielleicht sind es auch nur die Geister der exterminierten Kakalaken der Vorgänger. Hast du schon mal nachgedacht über den Zusammenhang von Kaka-Laken und Bett-Laken?

Antworten

Michael Färber

16. September 2012, 18:36 Uhr

Schau einer an, eine Nachricht vom Max! Wie schön! 🙂 Ja, der Arcachon-Ausflug war das Geld wirklich wert, aber vom Wetter war’s wirklich knapp — mittlerweile kann man in Arcachon bestenfalls noch eistauchen. :/ Hast du verstanden, was auf dem T-Shirt des Vorarlbergers steht? (Ich hab’s gerade gegoogelt. ^^) Das mit dem Herbst freut mich für dich, wenn ich mich richtig erinnere, war das doch deine Lieblingsjahreszeit? 🙂 Auch ich könnte dem Herbst einiges abgewinnen, wenn sich die Wohnheimleitung endlich dazu entscheiden könnte, die Zentralheizung zu aktivieren und somit ein wohlig warmes Klima zu verbreiten. 🙂
Der Himmel steh mir bei, wenn meine Kakerlaken Geister wären, denn gegen eine Armee von untoten Kakerlaken komme ich nicht an. Da braucht es dann … Ghostbusters! 😉 Über den Zusammenhang von Kaker- und Bett-Laken denke ich lieber nicht nach, denn nach meinen Erkenntnissen war mein Bett bisher kakerlakenfreie Zone. Zumindestens die Oberseite. 🙂
Liebe Grüße nach Tirol! Freu mich, wenn du mir wieder schreibst! 🙂

Antworten

  • Pingback: A la recherchu du truc perdu | You can make IT

  • Hinterlasse eine Antwort

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *