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La peste

La peste

von Michael Färber 1. April 2013, 00:27 Uhr

Meine sehr verehrten Damen und Herren, willkommen zu dieser dreißigsten Ausgabe meiner Abenteuer in Frankreich! 🙂

Diese Woche begann schon sehr vielversprechend: Am Montag Abend steht unerwarteterweise Pauline mit einem Kollegen vor meiner Türe und fragt mich, ob ich mit ihnen zu einem Gratiskonzert an der Universität Bordeaux 1 mitgehen möchte? Eigentlich wollte ich ursprünglich den Abend der Arbeit weihen, aber wieder einmal ist der Geist schwach und ich beschließe, den Abend zur “Kulturveranstaltung” umzuwidmen. Dabei musste ich mit dem Dilemma kämpfen, dass sich der Kollege von Pauline vermutlich einen romantischen Abend mit Pauline zu zweit vorgestellt hätte und ich ihm somit diese Hoffnung nahm; andererseits hatte mich ja Pauline direkt gefragt, was bedeutete, dass sie zu seinen Plänen nicht kongruente Vorstellungen zur Abendgestaltung hatte. Und von Konfluenz hielt sie an diesem Abend schon gar nichts.
Wir packten auf jeden Fall noch unsere Nachbarin Raluca in die Besucherliste, und dann ging’s auch schon zur Uni, wo uns ein “Quintette de cuivres”, also ein Blechbläserquintett erwartete. Dieses setzte sich zusammen aus Mitgliedern des Orchestre National Bordeaux Aquitaine und spielte wirklich gewaltig. War ich anfangs ein wenig skeptisch wegen der vielen zeitgenössischen Komponisten auf dem Programmheft, konnte ich während des Konzertes dann doch erleichtert aufatmen, denn wie mir scheint, machen zeitgenössische Blasmusikkomponisten deutlich weniger “moderne Musik” als z.B. Komponisten für Orchesterstücke. Als programmiertes Highlight des Abends sei das Stück “Der Kuckuck” von Elgar Howarth genannt, bei der ein Bläser die Kuckucksrufe (und ein anderer das Muhen einer Kuh) durch sein Instrument imitiert hat — Heiterkeit beim Publikum war vorprogrammiert. Der komödiantische Ansatz zumindest dieses Stückes hat mich ein wenig an Mnozil Brass erinnert …

Quintette de cuivres.

Nach dem Konzert gab es noch ein Buffet mit Aperitif (vermutlich zu 50% Paulines Motivation, zu dem Konzert zu gehen ^^), wo auch die Musiker anwesend waren und wir sie ein wenig ausquetschten. Dann ging es wieder nach Village 2, wo mir Pauline nach Verabschiedung ihres Kollegen erzählte, dass sich dieser so nahe neben sie beim Konzert hingesetzt hatte, dass sie beinahe von der Bank gefallen wäre. (Ihr waren seine Annäherungsversuche nicht geheuer. ^^) Merke: Man kann es auch übertreiben.
Über all diesen Geschichten vergaß ich vollkommen den Geburtstag meiner Mutter, der am selben Tag stattfand! Glücklicherweise legt sie nicht so großen Wert auf Geburtstagsfeierlichkeiten, trotzdem biss ich mir am nächsten Tag, als mir mein Malheur bewusst wurde, einmal kräftig in den Allerwertesten! (Es blieb zumindest bei dem Versuch … die Absicht zählt.)

Am Dienstag studierten wir mit dem Chor ein paar neue Stücke ein. Das ist an sich nichts Neues, also warum schreibe ich darüber hier? Aus dem einfachen Grund, weil ein Stück darunter war, das mir so gut gefallen hat, dass es hier eine spezielle Erwähnung rechtfertigt: Es handelt sich um den “Cantique de Jean Racine Op. 11” von Gabriel Fauré, ein Stück, das mich einfach dahinschmelzen lässt. Unglaublich, dass Fauré es mit scheinbar nur 19 Jahren geschrieben hatte …

Am Mittwoch hielt seit längerem wieder einmal die haute cuisine Einzug in Village 2, da ich mein Einheitsprogramm aus Spaghetti, Tortellini und Frankfurtern im wahrsten Sinne des Wortes satt hatte. Da ich noch eine kleine Menge Obers vorrätig hatte (Geschenk von Pauline), beschloss ich, diesen testweise in einem Kaiserschmarren zu verbacken. So ersetzte ich also einen Teil der Milch durch Obers, und siehe da: Das wurde mein vermutlich bester Kaiserschmarrn meines Lebens! So zart und saftig … nicht einmal das Fehlen von Apfelmus und Konsorten (an so etwas denkt man beim Kochen nicht, und am Ende fällt es einem wie Schuppen von den Augen) konnte den Genuss schmälern.

Am Donnerstag war ich wieder einmal dichterisch tätig und vollendete die Übersetzung eines weiteren Liedes der Comedian Harmonists auf Französisch, nämlich “Auf Wiedersehn, My Dear” (der deutsche Titel sollte eigentlich m.E. “Gib mir den letzten Abschiedskuss” lauten, denn die Worte “Auf Wiedersehn, My Dear” kommen im Lied selbst gar nicht vor). Hier also die Übersetzung:

“Embrasse-moi une dernière fois
parce-qu’il faut maintenant que je pars
et dis-moi au revoir, chérie
adieu, et au revoir.

On s’est aimé avec passion
et le bonheur était profond
c’est pourquoi je dis au revoir
adieu, et au revoir.

Tu ne dois pas me dire si tu restes féale
si on s’aime vraiment on ne demande pas d’choses si banales

Embrasse-moi une dernière fois
parce-qu’il faut maintenant que je pars
je me réjouis de te revoir
adieu, et au revoir.

On s’est trouvé par chance
aimé et embrassé
c’était une connaissance
qui est rare à trouver
ce conte se finit vite
donc donnes-moi tes mains petites

Embrasse-moi une dernière fois
[…]”

Am Freitag spürte ich schon eine gewisse faiblesse in meinen Gliedern, die wieder einmal die Ankunft eines neuen Infektes ankündigte. Den ganzen Vormittag über war ich dementsprechend unproduktiv und wollte mich gegen Mittag ins R.U. zum Essen schleppen, als ich beim Verlassen von Village 2 im Treppenhaus Pauline hörte und beim Ausgang (galant wie immer ^^) die Türe aufhielt. Wie sich herausstellte, war sie gerade mit ihrer Freundin Anne-Sophie auf dem Weg in die Stadt, um dort japanisch essen zu gehen, und ich schloss mich dieser Runde kurzentschlossen an. In Situationen wie diesen wünscht man sich, doch ein wenig mehr Sorgfalt auf die Wahl seiner Kleider gelegt und nicht krankheits- und faulheitsbedingt sein Äußeres hintangestellt zu haben. Nun ja, sei’s drum, die Damen scheinen es mir nicht allzu übel genommen zu haben … 😉
Am Nachmittag war ich schon ziemlich tot und verbrachte die meiste Zeit im Bett. Daraus holte mich unerwartet meine Nachbarin Yuko, die von meiner Krankheit gehört und mir einen Sack voll Obst mitgebracht hatte! Wahnsinn, was ich für Nachbarn habe. Zu unserem Gespräch gesellte sich dann bald auch noch Kasia dazu, die scheinbar seit fünf Tagen kaum ihr Zimmer verlassen hatte und deren Redeschwall kaum zu bremsen war.
Am Abend wollte ich dennoch allein sein, und ich schaute mir dann den Film “28 Days Later” an, in dem es zum Anlass passend um eine höchst infektiöse Krankheit geht, die die menschliche Zivilisation in Großbritannien zerstört.

Am Samstag ging der Ringelreihen zum Themenkomplex “Krankheit” weiter: Ich wurde nämlich endlich mit dem Buch “La peste” von Albert Camus fertig, das ich irgendwann im letzten Herbst auf Kristins Anraten hin begonnen habe. Damals ahnte ich freilich noch nicht, dass ich für diese an sich lächerlichen 279 Seiten fast ein halbes Jahr benötigen würde. Es ist mir daher ein Trost, dass mir schon einige Franzosen versichert haben, dass “La peste” kein leichter Stoff ist, den man so eben im Vorübergehen liest, und dass auch viele Franzosen Probleme mit dem Text haben. Immerhin ist jetzt der Weg frei für das nächste Buch von Kristin, nämlich “Le Magasin des Suicides” von Jean Teulé.
Den Großteil des Tages verbrachte ich wiederum im Bett. Wenn ich nicht so ein unangenehmes Halsweh hätte, dann würde ich es vermutlich direkt genießen … 😉 Mir fiel auf, dass bei einer Krankheit alles irgendwie ein wenig extremer ist: Ich trinke wie ein Kamel (die können scheinbar innerhalb weniger Minuten bis zu 100l Wasser aufnehmen!), spreche um ca. eine Oktave tiefer, und wo normalerweise auf meinem Nachtkastl ein einziges Taschentüchlein befindet, hat sich ein veritabler “Montblanc” aufgetürmt. (Um die Grenzen des guten Geschmacks nunmehr unwiderruflich zu überschreiten: Ich müsste den Berg eigentlich eher als “Montvert” oder “Montjaune” bezeichnen. :D)

Am Sonntag ging es mir dann schon wieder etwas besser; so konnte ich wieder an meiner Masterarbeit weiterarbeiten, wo erste experimentelle Ergebnisse mit meinem neuen Beweiskonstruktionsverfahren sehr positiv ausgefallen sind. 🙂 Da dieses allerdings meiner Meinung nach nicht immer anwendbar ist, hatte ich die Idee, mein neues Verfahren mit einem schon existierenden Verfahren zu kombinieren. Man wird sehen, ob diese Kombination etwas kann …
Außerdem lernte ich noch am Abend Bügeln, was meiner Allgemeinbildung und meinem Aussehen bei Konzerten etc. zugutekommen sollte. 😉

Hiermit sind wir also am Ende dieser Woche angelangt; ich wünsche meinen Lesern frohe Ostern und einen schönen Wochenbeginn! Das dürfte wohl das erste Mal in meinem Leben sein, dass ich beim Osterfest nicht mit meiner Familie bei meinen Großeltern war, und irgendwie ist es schon komisch … ich versuche, mir mit großen Mengen von Wikipedia-Artikeln zum Thema Tirol darüber hinwegzuhelfen, aber es will nicht ganz funktionieren …

P.S.: Ich darf am Ende noch ein kleines Video von letzter Woche nachreichen, das eine Expedition im Ötztal zum Zwecke einer Kometensichtung dokumentiert: hier. Das lässt mich von zuhause träumen …

2 Antworte zum Artikel “La peste

Maximilian

1. April 2013, 00:27 Uhr

mei du armer Heiter, wie meine Oma sagen würde…übrigens hast vielleicht Omas (deiner)guten italienischen Salat verpasst:-) naja wie auch immer, du wirst schon gesund werden. Kauf mal einen Honig (ja ich weiß des kostet was) und inhalier ein bisschen. Bisch a Tiroler bisch am Mensch…und überlebsch!

Und 28 Days later ist ein schräger Film^^aber nichts für die Teresa;-) Grausig. Ich hab den mal im Wipptal bei einer Geburtstagsfeier von der Laura Schett geschaut. Gottseidank haben wir nachher zur Aufheiterung American Pie geschaut^^

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Michael Färber

1. April 2013, 00:27 Uhr

“Heiter”, des is a bäriges Wort! 🙂
Na, den italienischen Salat habe ich nicht verpasst — wie könnte ich meiner Oma (und mir) das antun? ^^
Bisch a Tiroler, bisch a Mensch … und überlebsch a ohne Honig! Bin eh scho wieder xund! Hab diese Woche übrigens die zweite Spielmann-Marmelade angebrochen, jetzt bleibt mir noch eine unangetastete übrig. Muss bis Ende Juni halten. 😉

Des mit American Pie war aber nit da, wo alle eingschlafen sind? Mei, jetzt gluschtets mi a nachm Wipptal … :/

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