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L’amour

L’amour

von Michael Färber 1. Oktober 2012, 12:20 Uhr

Meine sehr verehrten Damen und Herren, willkommen zu dieser sechsten Ausgabe meiner Abenteuer in Frankreich! 🙂

Eine gute Nachricht gleich vorweg: Meine Krankheit hat sich mittlerweile wieder fast vollständig verzupft, was bedeutet, dass ich la vie française wieder in vollen Zügen genießen kann! 🙂

Die Woche hat recht gut begonnen mit meiner ersten französischen Chorprobe im Konservatorium von Bordeaux. Die Leute dort waren sehr nett, obwohl ich schon zur ersten Chorprobe wieder einmal zu spät gekommen bin. (Allerdings wetterbedingt. Ehrlich!) Bin gleich neben unserem Obmann Piwel zu sitzen gekommen, der mich übrigens sehr an unseren Innsbrucker Unichor-Obmann Thomas erinnert hat, von Aussehen und auch Verhalten. Muss wohl eine eigene Spezies Mensch sein, Chorobmann. ^^ Bei der ersten Probe haben wir die Lieder Anoj Pusej Dunojelio (aus Litauen) und Circle of Life (oh mon dieu, Gänsehaut beim Anschauen des Videos!) gesungen, und ich habe gemerkt, dass ich gesangstechnisch nicht mehr so ganz in Übung bin, da ich ein bisschen Probleme mit dem Blattsingen hatte. Ich hoffe aber, dass sich das, genau wie mein Französisch, im Laufe des Jahres noch deutlich verbessert.

Les Choristes, avec Piwel.

Nach dem Ende der Chorprobe habe ich eigentlich erwartet, dass sich mindestens 80% des Chors auf den Weg in die nächste Kneipe machen würden, analog dem Innsbrucker Treibhaus. 🙂 Das war allerdings nicht der Fall; es haben sich nach der Chorprobe lediglich ein paar kleinere Grüppchen im Konservatorium gebildet. Das war mir gar nicht so unrecht, da es schon recht spät und die letzte Tram (für die Wiener: die “Blaue” ^^) nicht mehr fern war. Mich hat dann noch ein aus dem Umfeld von Paris stammender Chorist mit dem Auto zur Tramstation Victoire gebracht, sehr nett. 🙂 Bin auf jeden Fall sehr begeistert von dem Chor!

Am nächsten Tag, Mittwoch, ereignete sich dann auch wieder etwas, das allerdings einer kleinen Vorgeschichte bedarf:
Vor einigen Tagen habe ich bei der Tramstation “Doyen Brus”, also bei meiner Residenz, ein Auto mit Wiener Kennzeichen gesehen. Da bin ich natürlich sofort ausgeflippt, denn bis dahin habe ich seit Beginn meines Erasmus-Aufenthaltes in Frankreich erst einen einzigen österreichischen Wagen gesehen. Da das Auto ein altes österreichisches Kennzeichen hatte (ohne das A auf blauem Hintergrund mit Europa-Sternen) und es in der näheren Umgebung fast ausschließlich universitäre Einrichtungen gibt, habe ich geschlussfolgert, dass es sich hier um einen studentischen “Grattn” handeln könnte. Da ich ja ein sehr kommunikativer Mensch bin, habe ich einen Zettel mit meiner Telefonnummer geschrieben und auf das Auto gepickt. Ein wenig später habe ich dann eine SMS von einer österreichischen Studentin namens Francesca bekommen, der das Auto gehört und die mir schrieb, dass wir uns gerne einmal treffen könnten. Sie regte ein größeres Treffen inklusive einiger Wahl-Österreichern (sprich: in Wien studierender Deutscher ^^) in der Innenstadt von Bordeaux an, was ich für eine gute Idee hielt und auch gleich noch ein paar Mitglieder meiner Erasmus-Gruppe mobilisierte.
Vorgeschlagen habe ich als Treffpunkt das Sherlock Holmes, das ich auf dieser Seite gefunden habe und mir als Fan der englischen Pubs zugesagt hat. Dorthin bin ich dann mit meiner Erasmus-Gruppe vorgegangen; leider mussten wir bei unserer Ankunft feststellen, dass der Laden schon pumpevoll war und unserer aus schon ca. 10 Personen bestehenden Gruppe keine Herberge bieten konnte. So sind wir dann in das gegenüberliegende “Le Juda” gegangen (benannt nach der Straße “rue judaique”), wo ich meine Landsleute erwartet habe. Die sind mit einiger Verspätung gekommen, weil sie noch bei einem Ereignis namens “Speak Dating” waren, wo man sich in vielerlei Zungen mit anderen Menschen unterhalten kann. Wir haben dann ein bisschen geplaudert, aber das wird vermutlich eine einmalige Sache bleiben, denn wir haben uns nicht so übermäßig gut miteinander unterhalten. 😉 What shall it. Was solls.
(An dieser Stelle noch eine Klage. Ein großes Bier kostet in Bordeaux 5€. WTF! Das ist ja ärger als am Oktoberfest.)

Der Donnerstag signalisierte dann den Beginn der studentischen Festivals “Les Campulsations”. Am Abend fand sich auf dem Gelände der Université Bordeaux 4 (nur eine Tramstation stadtauswärts von mir entfernt) eine große Studentenmenge ein, um wieder einmal der Lieblingsbeschäftigung der Studenten nachzugehen: Feiern! 🙂 Dabei war unsere Erasmus-Gruppe natürlich auch wieder präsent, ich habe zusätzlich noch meine Nachbarin Yuko (aus Japan) mitgenommen. Die Musik war recht ansprechend, es war allerdings auffällig, wie viele Texte auf Spanisch waren. Beim Hingehen zum Festival haben wir übrigens schon eine Spanierin getroffen, die sofort, als sie unseren Erasmus-Gruppen-Spanier Jorge entdeckt hat, mit ihm drauf los gekauderwelscht hat, ohne uns anderen noch viel Aufmerksamkeit zu schenken. 😉 Dieses “spanische Phänomen”, also dass Spanier im Ausland im Gegensatz zu anderen Volksgruppen immer untereinander Spanisch sprechen, hat zumindest die Dame im Accueil von Village 2 verfochten, allerdings sind die Spanier in unserer Erasmus-Gruppe eine angenehme Ausnahme dieser “Regel”, denn sie sprechen auch untereinander Französisch, wenn andere dabei sind. Zumindest meistens. Na gut, manchmal. ^^

Wer findet die zwei Spanier auf dem Bild?

Oh, ich bin ein wenig vom Thema abgekommen. Campulsations. Macht nix. Ich bin auf jeden Fall bis ungefähr Mitternacht geblieben und habe mich dann verzupft, als sich ziemlich schlagartig mehr als die Hälfte unserer Gruppe nach Hause vertrollt hat. Das war ein richtiger Dominoeffekt: “Ich geh dann mal.” – “Ich auch.” – “Oh, ja ich werd’s dann auch packen.” – “Wisst ihr was, ich geh auch mit.” 🙂

Der Freitag begann mit ein wenig Kopfweh, da ich nicht so gut geschlafen habe (man konnte das Festival bis in mein Zimmer hören!). Der Tag wurde dann allerdings “amazing”, denn an diesem Tag kam ich mit meiner jetzigen Freundin zusammen. 🙂
La France, le pays d’amour? Für mich jetzt definitiv. 🙂 Ich habe mich an diesem Punkt entschieden, die Spannung ein wenig zu steigern und noch nicht zu verraten, um wen es sich bei meiner Freundin handelt, aber soviel sei verraten: Ich habe in meinem Blog schon von ihr geschrieben. Ich bitte um Kommentare unterhalb meines Artikels, um wen es sich handeln könnte; so wird die Sache lustiger. 😉
Wir haben uns auf jeden Fall am Nachmittag getroffen, und sie hat mich zu ihr zum Essen eingeladen. Dafür sind wir zuvor noch zusammen einkaufen gegangen, und dann zu ihr. Dort haben wir Galettes gespeist (eine Art Crêpes, aber mit Käse und Schinken), und danach hat sie Musik angemacht und wir haben miteinander getanzt, worauf dann das eine zum andern kam. 😉 Wie in den guten, alten Filmen möchte ich an dieser Stelle sanft ausblenden und mit der Schilderung des nächsten Tages fortfahren. ^^

Für den Samstag nämlich hat meine Erasmus-Gruppe schon länger einen Besuch in St. Emilion geplant. Das ist ein kleines Örtchen in der Nähe von Bordeaux, das hauptsächlich (wie übrigens die ganze Region ^^) für ihren Wein bekannt ist. Wir sind dorthin gegen Mittag mit dem Zug gefahren, und haben uns dann an einem riesigen Weinfeld vorbei in Richtung Ortsmitte begeben. Dabei fiel uns auf, dass die Weinfelder nicht abgesperrt waren; diesen Umstand haben wir genutzt, um dem Luxus frischer Weinreben vom Ursprung zu frönen. Haben sehr gut geschmeckt. 🙂

Mmmmhhhh ...

Im Ort angekommen sind wir dann ein bisschen herumgelatscht, haben uns ein paar kleinere Märkte und Geschäfte angeschaut und sind dann noch in einen Weinkeller gegangen, den man kostenlos besichtigen konnte. (Ein anderer Weinkeller hätte 12€ gekostet, allerdings dann auch mit dégustation.) Da es uns zu dem Zeitpunkt schon noch einem Wein gelustet hat, sind wir dann in eine Art Lokal gegangen, wo wir uns zwei Flaschen pour tout le monde bestellt und dann unsere private dégustation durchgeführt haben.

Dégustation.

Ich fand den Wein jetzt nicht so besonders, und die Bedienung war auch etwas komisch dort, denn unsere schüchternen Versuche, Französisch zu sprechen, wurden relativ schnell durch das eher miserable Englisch der Bedienung abgewürgt. Vielleicht sind es die Leute dort einfach schon leid, irgendwelchen amateurhaft französisch sprechenden Touristen bei der Vergewaltigung ihrer Sprache zuzuhören? 🙂
Diese Episode wurde dann allerdings wettgemacht von der ziemlich tollen Aussicht über den Ort, den wir von einer Erhebung aus genossen.

St. Emilion.

Nachdem wir mit dem Zug nach Bordeaux zurückgeeilt sind, waren wir alle ziemlich fertig. Ursprünglich wollte ich noch auf den Tipp von Kristin hin zu einer Ausstellung gehen, die in der Nacht geöffnet war, aber ich war schon so müde, dass ich diese Idee fallen gelassen habe und mich ins Bett fallen lassen habe.

Der Sonntag war dann größtenteils dem Müßiggang gewidmet, wobei das auch wieder relativ zu sehen ist. Ich habe z.B. eine gute halbe Stunde mit der Dame vom Accueil von Village 2 geplaudert und dabei auch einiges erfahren, z.B. dass man für die französische Wohngeldunterstützung (CAF) eine französischsprachige (allenfalls noch englischsprachige) Geburtsurkunde benötigt. Mein Gott, diese Administration! Warum reicht nicht einfach ein Pass! Wir haben allerdings auch von schöneren Themen gesprochen; sie war nämlich schon in Österreich und sie hat sich sehr positiv über unser Land geäußert. Yay! 🙂
Wie wir so geredet haben, ist meine Nachbarin Sabina (Rumänien) eingetreten und hat passenderweise ihren CAF-Antrag mitgebracht, der allerdings gleich mangels französischsprachiger Geburtsurkunde zurückgewiesen wurde. ^^ Dafür habe ich sie dann spontan zum Essen eingeladen, wo sie dann auch mit Lucien, einem anderen rumänischen Freund von uns, erschienen ist. Dabei haben sie gleich noch einige Sachen zum Essen mitgebracht, was ich total nett gefunden habe — mir sage niemand etwas gegen die Rumänen!
Nach dem Essen habe ich dann wieder einmal die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, ein wenig Klavier zu spielen, und ich kann mittlerweile das “Perpetuum Mobile” von Carl Maria von Weber schon mit akzeptabler Fehlerquote spielen. 🙂 Yeeeeah!
Nach diesem Erfolg bin ich noch ein bisschen in der Gegend laufen gegangen, wobei ich ein ganz nettes kleines Wäldchen entdeckt habe, das auch einen kleinen Teich (lac) beinhaltet.

Der "Perlacher Forst" von Pessac. 🙂

Le lac, mais pas à la fac.

Danach habe ich mich bei mir mit meiner Freundin getroffen, wo wir Spaghetti à la Teresa Palewski genossen haben. Sie ist dann noch relativ lange bei mir geblieben, weshalb ich keine Zeit mehr hatte, um diesen Blog-Eintrag zu vervollständigen. Ich bitte meine geduldige Leserschaft, mir diese Abweichung von der bisher eingehaltenen Veröffentlichungsfrequenz zu verzeihen. 🙂

So, jetzt habe ich schon wieder einen halben Roman geschrieben. Noch ein kurzer Newsflash:

  • Ich habe jetzt eine französische SIM-Karte, die ab morgen, den 2. Oktober, meine österreichische Nummer ablösen wird! Die Nummer lautet: +33, dann (0)651, dann 717362. In Frankreich scheinen übrigens so gut wie alle Nummern nach der Vorwahl nur sechs Stellen zu haben. Habe mich schon gefragt, wie das geht, bei einer Einwohnerzahl von doch über 60 Millionen?
  • War ziemlich begeistert von dem ORF-Bericht über die Segelflieger in Tirol, wo ein wunderschönes Video unseres Tiroler Lands zu sehen ist, featuring unser Urgestein Erhard Berger. 🙂
  • Wenn wir schon bei Videos sind: Dieses hier zeigt nicht Tirol, sondern unser Nachbarland im Norden, aus der Sicht unserer transatlantischen Freunde beyond the great lake. Total beknackt, aber dadurch auch schon wieder lustig. 🙂
  • Habe eine ziemlich komische E-Mail von meiner Bank LCL bekommen, die mir sagt, dass ich meine Bankomatkarte angekommen wäre. Das komische daran ist: Ich habe meine Bankomatkarte bereits, die E-Mail kommt von einer gmail-Adresse, ist eigentlich an eine rumänische Adresse gerichtet und ich bin nur als versteckter Empfänger gelistet, und sie enthält Schreibfehler. Zu Beginn habe ich die E-Mail also als einen Betrugsversuch gedeutet, aber da ich nirgendwo zu einer Antwort aufgefordert werde, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die E-Mail wirklich von der Bank kommen könnte. Das schafft allerdings nicht unbedingt Vertrauen. o_O
  • Komme immer mehr zu dem Schluss, dass “From Dusk Till Dawn” einen der besten Soundtracks der Filmgeschichte hat. Höre es die ganze Zeit auf und ab. Anspieltipps: “Mary had a little Lamb”, “Mexican Blackbird”, “Angry Cockroaches”.

Newsflash Ende! Und auch ich bin am Ende, jetzt geht’s ab in die Mensa! Meiner Leserschaft wünsche ich noch einen schönen Tag und eine schöne Woche und bitte um zahlreiche Spekulation zur Identität meiner Freundin! Let the games begin. 🙂

8 Antworte zum Artikel “L’amour

Maximilian

1. Oktober 2012, 12:20 Uhr

sehr cool! Da würd ich sagen muss man mal skypen! Bei all den neuigkeiten!
Glg aus dem Krankenbett.

Antworten

Michael Färber

1. Oktober 2012, 12:20 Uhr

Oje, da hat es dich also auch erwischt! Gute Besserung, aber ich denke, nach sechs Tagen könntest du schon wieder unter den Lebenden weilen? 😉
Ich bin gerade auf Skype online, sehe aber nie etwas von dir — bist du immer noch dauer-unsichtbar wegen A. M.? ^^
LG!

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barbara

1. Oktober 2012, 12:20 Uhr

des klingt ja alles richtig gschtiascht:) lg aus dem büro, barbara

Antworten

Michael Färber

1. Oktober 2012, 12:20 Uhr

Gschtiascht, wieder a Wort glernt! 😉
LG aus der Kakerlakenbude!

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Teresa

1. Oktober 2012, 12:20 Uhr

Much, was sind die “Spaghetti à la moi???”

Antworten

Michael Färber

1. Oktober 2012, 12:20 Uhr

Ah, die Spaghetti à la Palewski sind die Spaghetti mit der Soße, die du mir amal beigebracht hasch. Mit Zucchini, Karotten und Paprika. Danke noamal dafür, des Rezept is sehr beliebt. 🙂
LG!

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Herbi

1. Oktober 2012, 12:20 Uhr

Ich tippe mal auf deine Klavier-Schülerin! 🙂

Btw: Wirklich super Blog, der durch deinen lustigen und interessanten Schreibstil nie langweilig wird. Ich bin jedenfalls ein treuer Leser!

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Michael Färber

1. Oktober 2012, 12:20 Uhr

Du bist ja ein Genie! Wie hast du das erraten? 😉

Danke vielmals für das Lob! Ich werde mir weiterhin Mühe geben! Und wo ist dein Blog? ^^ Wie läuft’s denn bei dir in Amsterdam? Hat die Marina schon eine Arbeit gefunden? Meine Nachbarin hier heißt übrigens auch Marina. 🙂

Liebe Grüße nach A’dam,
Much

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