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Le calme avant la tempête

Le calme avant la tempête

von Michael Färber 9. Dezember 2012, 20:17 Uhr

Meine sehr verehrten Damen und Herren, willkommen zu dieser fünfzehnten Ausgabe meiner Abenteuer in Frankreich! 🙂

Das Leben hier geht seinen gewohnten Lauf; die Zeit der Prüfungsvorbereitung ist immer noch im Gange und fordert allen Studenten das höchste ab. Allen Studenten? Nein! Eine von faulen Studenten strotzende Erasmus-Gruppe hört nicht auf, dem Prüfungswahn Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die Kellner, die als Bedienung in den Lokalen Sherlock Holmes, Cock & Bull und Rose Pub arbeiten … 🙂
Spaß beiseite, ich habe mich zwar nicht von den Extrem-Strebern anstecken lassen, aber meine Studien auch nicht komplett “glangln lassen” (welch wunderschöner Tiroler Ausdruck ^^).

Der Montag begann leider mit einem ziemlichen prüfungsbedingten Schlafmangel, da ich generell vor Prüfungen recht nervös bin und in der Nacht häufig aufwache. (Dieses Phänomen wird begünstigt durch Prüfungen, die schon um 8 Uhr früh beginnen. Wie in der Schule. o_O) Die Prüfung (erwähnte ich schon, dass sie um 8 Uhr früh begann? ^^) ging dann aber erstaunlich gut; ich war nämlich schon nach ca. der Hälfte der Zeit fertig und schien überhaupt der einzige zu sein, der mit der Prüfung fertig wurde. Das mag auch an dem Fach liegen, denn in der Prüfung ging es um maschinelle logische Beweise, und das ist für mich als Logik-Fan natürlich ein Heimspiel. 😉
Meine bisherige Prüfungsbilanz liegt somit mit einem vorhergesehenen Durchschnitt von 19.5/20 Punkten noch recht gut; schauen wir, wie es sich nach den Prüfungen in den nächsten Wochen entwickelt.
Am Nachmittag gönnte ich mir dann zur Feier des Tages eine Siesta ohne Wecker, die mit 3h Dauer dann allerdings doch ziemlich lang ausfiel — wenn man vom Mittagsschläfchen erst wieder aufwacht, wenn die Sonne schon wieder untergeht, dann fühlt man sich doch ein wenig faul. Aber andererseits sind ja Studenten notorische Faulenzer, und als solcher verhalte ich mich nur artgemäß. 😉
Was charakterisiert den Studenten außer der Faulheit noch? Richtig, neben der Siesta ist die Fiesta das zweitwichtigste characteristicum studentis. Demgemäß beschloss ich mich nach meiner Extrem-Siesta, mich mit meiner Erasmus-Gruppe dem Biergenuss im Cock & Bull hinzugeben, wo außerdem wieder ein Pub-Quiz stattfinden sollte. Unser Gruppenname des Abends: “Who cares about France?” (Danke für deinen Geistesblitz, Stefan!) Leider sind wir wieder grandios gescheitert. Natürlich nicht wegen unseres Gruppennamens.

C'est Kristin tout crachée ... 🙂

Am Dienstag fand in Village 2 eine Zimmerinspektion statt, im Zuge derer ich zuvor meinen kleinen Kakerlakis einschärfte, keinen Mucks von sich zu geben und sich möglichst hinter meinem Kühlschrank versteckt zu halten. Ach, ich vergaß, dass sie das ohnehin tun — ich habe sie scheinbar sehr gut erzogen! Die Inspektion war jedenfalls fast lächerlich einfach, ein kurzer Blick ins Zimmer, eine Unterschrift meinerseits und fertig. Man muss wohl ein absolutes Müllschwein sein, dass man bei dieser Inspektion durchfällt.
Am Nachmittag traf ich mich noch mit meiner PER-Gruppe, um unsere Arbeit weiterzutreiben. Bei diesem Treffen kam es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen uns, die ich eigentlich gütlich lösen wollte. Als aber mein Kollege Noël einen meiner Ansicht nach vollkommen undurchdachten Schmarrn auf die Tafel schrieb, bekam ich einen dermaßenen Wutanfall, dass ich nicht mehr Französisch sprechen konnte und mich nur mehr mühsam auf Englisch ausdrücken konnte. (Erinnert mich an die Südtiroler, die mit ihren Kindern nur dann Italienisch sprechen, wenn sie etwas ausgefressen haben.) Stieg dann noch wutentbrannt in die Tram Richtung Sprachkurs, wobei mir vor lauter Ärger gar nicht auffiel, dass ich eine Stunde zu früh dran war. 🙂 In der Alliance Française angekommen musste ich meine cholerischen Elemente irgendwie abbauen, und so schrieb ich ein kleines Lied, wobei Lied wohl noch eine eher harmlose Beschreibung ist. Es war mitnichten ein klassisches Lied, sondern vielmehr in Textform gegossener Zorn. Es bewahrheitet sich hier wieder, dass ich zum Schreiben von Lieder in einer sehr emotionalen Stimmung sein muss, sonst klappt es nicht …
Beim Sprachkurs waren außer mir nur noch eine andere Studentin da, nämlich Miriam. Wie sich später herausstellte, hatte die Tram ihren Geist aufgegeben und zirkulierte für ca. zwei Stunden nicht, sodass so gut wie alle Pampa-Bewohner (zu denen ich mich auch zähle) nicht in die Stadt kamen. Dieses Schauspiel wiederholte sich diese Woche übrigens noch häufiger; Stromausfälle und Unfälle wechselten sich im fröhlichen Wechselspiel ab (ich zählte bis heute ca. sieben Mal!), sodass ich am Donnerstag bei einem solchermaßen etwas erzwungenen Spaziergang konstatieren musste: Die TBC (Tram-Betreiberin) tut offenbar etwas für unsere Fitness. Löblich, löblich.
Nach dem Sprachkurs holte ich mir noch rasch meinen üblichen Dienstags-Döner (Dienstag ist bei mir immer Döner-Day, kurz D-Day ^^) und machte mich dann im strömenden Regen auf in Richtung Chorprobe, die reibungslos vonstatten ging.

Am Mittwoch fand mein Klavierkonzert statt, mein allererstes öffentliches Solokonzert meines Lebens! Ich kam um ca. 17 Uhr zum Salle des Actes, wo ich ungefähr 40 Minuten Zeit zum Einspielen hatte — nicht viel, wenn man bedenkt, dass ich durch den Ausfall der Übemöglichkeit in Village 2 die ganze Woche nicht üben konnte. Nach einiger Zeit kam dann Matthieu, der mich bei einem Lied mit der Gitarre begleitet, und wir übten dieses eine Lied dann solange, bis die ersten Zuhörer eintrudelten. Es kamen dann allerdings deutlich weniger Leute, als ich erwartet hatte (ungefähr 15-20), was an folgenden drei Gründen liegen mag:

  • Gießender Regen: An diesem Abend hatten sich scheinbar alle verfügbaren Wettergötter gegen das kleine Dörfchen Talence gerichtet, mit dem festen Ziel, den Ort in einen großen Fluss zu verwandeln. Wir können von Glück reden, dass uns nur der Regen und nicht auch der Himmel auf den Kopf gefallen ist.
  • Vergessene Einladungen: Nach dem Konzert sind mir zig Leute eingefallen, die ich eigentlich einladen hätte wollen, aber aus Vergesslichkeit nicht eingeladen habe. Alzi lässt grüßen. Auch meine Lieblingsnachbarin Pauline (die ich hier exemplarisch nenne) wusste nichts von dem Ereignis, als ich ihr eine Stunde davor davon erzählte, und hatte leider schon etwas ausgemacht. 🙁
  • Die Zeit: Um 18 Uhr, man glaubt es kaum, haben viele Studenten hier noch Lehrveranstaltungen. Später als 18 Uhr konnte ich das Konzert allerdings kaum veranstalten, da den eifrigen Pianisten im Salle des Actes der Rausschmiss ab 19:30 Uhr droht, wenn nämlich der Nachtwächter in den Saal stürmt und die sofortige Evakuierung anordnet.

Beim nächsten Konzert werde ich jedenfalls versuchen, diese Punkte soweit wie möglich zu berücksichtigen. (Bis auf den Wettergott, beim Teutates!)
Kommen wir allerdings zurück zu dem Konzert diese Woche. Ich spielte folgendes Programm:

  • Robert Schumann: Vogel als Prophet
  • Robert Schumann: Jagdlied
  • Frédéric Chopin: Prelude Op. 28 No. 15
  • Frédéric Chopin: Valse Op. posth. 69 No. 1
  • Frédéric Chopin: Etude Op. 25 No. 12
  • Scott Joplin: Maple Leaf Rag
  • Michael Färber: Goin’ To See You
  • Georg Kreisler: Tauben vergiften
  • Georg Kreisler: Der guate, alte Franz
  • Georg Kreisler: Wien ohne Wiener
  • Comedian Harmonists: Mein kleiner grüner Kaktus (mit Text von mir)

Anmerkungen dazu:

  • Statt des “Maple Leaf Rag” wollte ich eigentlich den “Entertainer” spielen, allerdings entschieden sich meine Finger spontan für ersteres Stück, das ich mitnichten zuvor geübt hatte. Wurde dann auch in der Mitte ein wenig wacklig, aber ich kompensierte fehlende Übung durch Elan. 🙂
  • “Goin’ To See You” ist eine Eigenkomposition von mir aus dem Jahre 2012, die ich mit Matthieu zusammen spielte.
  • Ich entschloss mich für ein paar deutschsprachige Lieder am Ende, da ich sie schon zuvor einige Male vor französischem Publikum gespielt und das Publikum trotz Sprachbarriere immer sehr positiv reagiert hatte.

Das Konzert dauerte ungefähr 45 Minuten. Die Ansagen machte ich auf Englisch, da Matze, der Freund von Kristin, anwesend war und ja immer noch kein Französisch beherrscht. 😉 Dabei fiel mir auf, dass mein Englisch schon komplett eingerostet ist; ich musste mich bei vielen Sätzen vergewissern, ob ich nicht versehentlich ein französisches Wort eingebaut hätte. (Sonst kommen Sätze heraus wie z.B.: “Were you on the market yesterday aussi?”)

Post concertem.

Nach dem Konzert luden mich noch meine québécois (die sehr zahlreich erschienen waren) ins Sherlock Holmes ein, ich war allerdings aufgrund eklatanten Schlafmangels (nur ca. 4h!) ziemlich müde und habe mich dann nach Hause ins Bettchen getrollt.
Danke an dieser Stelle auf jeden Fall an meine Zuhörer; es hat mir Spaß gemacht, für euch zu spielen! 🙂

Den Donnerstag habe ich mich wieder ans Klavier gesetzt und ca. 2h lang geübt, unter anderem auch ein paar neue Stücke, u.a. “Abschied” von Robert Schumann. Dabei ist meine Liebe zum Klavier wieder so richtig entflammt; es ist wirklich ein Jammer, dass mir hier solche Steine in den Weg gelegt werden, wenn ich Klavier spielen möchte. Wie schön wäre es doch, wenn ich in meinem Zimmer ein Klavier hätte, das ich am Abend nach getaner Arbeit spielen könnte … *seufz*

Am Freitag war, wen wundert es, wieder einmal ein Chorkonzert angesagt! Dieses fand abends in der Kirche Notre-Dame statt, allerdings nicht in Paris, sondern im Zentrum von Bordeaux. 🙂 Diese Kirche hatte ich zuvor noch nie gesehen, und sie ist wirklich recht hübsch!
Das Konzert wurde veranstaltet zu Gunsten von krebskranken Kindern und Jugendlichen, und wir sangen in einer ziemlich vollen Kirche (trotz regulären Eintrittspreises von 15€!) ca. zwei Stunden lang kreuz und quer durch das musikalische Gemüsebeet, saisonbedingt auch einige Weihnachtslieder. Bei diesem Konzert war auch Pauline anwesend, der es sehr gut gefallen hat.

Qui peut me trouver ?

Nach dem Konzert ging es noch zu unserem Chorleiter Alexis, wo eine sogenannte soirée espagnole stattfand: Alexis hatte nämlich unsere Reise in Spanien filmisch festgehalten, und er präsentierte uns das Ergebnis in Form einer einstündigen Dokumentation, die überwiegend humoristisch angelegt war. Zum Glück war ich nicht allzu häufig in peinlichen Situationen anzusehen. 😉

Avant la première du film.

Den Samstag habe ich überwiegend lernend verbracht. Am Nachmittag habe ich mich noch mit Noël für PER getroffen, wo wir sehr gut vorangekommen sind und nunmehr am Montag eine gute Arbeit präsentieren können. Ich war etwas erleichtert, dass ich mich mit Noël nach meinem durch ihn am Dienstag ausgelösten Wutanfall wieder so gut verstanden habe. 😉
Am Abend wollte ich eigentlich ursprünglich im Basislager (Village 2) bleiben, ließ mich dann aber doch von Phil zu einem kleinen abendlichen Umtrunk überreden, den wir dann in einer neuen Lokalität, nämlich dem Rose Pub (ich liebe solche Film-Anspielungen ^^), einnahmen. In besagtem Pub wurde überwiegend Paulaner-Bier aus München ausgeschenkt, was besonders bei unseren Deutschen auf Anklang stieß. (Ich persönlich bin kein so großer Paulaner-Fan, aber das Paulaner Salvator hat mir nicht so schlecht geschmeckt.)

Am Sonntag hieß es wieder lernen, aber ich fand zwischendurch wieder einmal Zeit, mich kulinarisch zu betätigen. Voilà: mein erstes französisches Wiener Schnitzel, selbst paniert! Es ist mir auf Anhieb gelungen, und trotz mangelnder Zitrone, trotz mangelnder Preiselbeermarmelade war es ein Genuss. Man wird bescheiden, wenn man tagein, tagaus Spaghetti, Spiegelei, Tortellini und Frankfurter mampft. 🙂

Escalope viennoise.

In Village 2 ist übrigens schon erste nomadische (weniger monadische ^^) Aktivität zu erkennen, denn die ersten Heimbewohner ziehen schon wieder aus, da ihr Erasmus-Aufenthalt zu Ende ist. Unter anderem auch Tina und Dorca aus Ungarn. Schluchz. Was sich dadurch aber kaum ändern wird, ist der Zustand der Hütte, der mittlerweile auch literarische Anerkennung an der Tür zu den Klohäusln gefunden hat.

War leider bisher noch nicht von Erfolg gekrönt.

Zum Abschluss noch eine kleine Liste von Dingen, die ich aus Tirol nach den Weihnachtsferien mitnehmen möchte:

  • Zahnseide-Sticks: In Frankreich habe ich noch keine integrierten Zahnseide-Sticks mit Zahnstocher am Ende gefunden. Die einzigen Zahnseide-Sticks, die ich hier gekauft habe, sind von so minderwertiger Qualität, dass die Zahnseide durchreißt, bevor ich alle Zähne damit gereinigt habe.
  • Neue Schuhe: Bei dem Scheißwetter hier, wo es alle geschätzen zehn Minuten schifft, brauche ich neue Schuhe, denn die alten sind schon leck und ich laufe bei Regen die meiste Zeit mit nassen Füßen herum. Das kann as doch nüd sin.
  • Spätzlehobel: Deutlich praktischer, als mit dem Schneidbrett und dem Messer herumzufuhrwerken.

Gruß und Kuss aus Pessac! (jetzt hätte ich beinahe München geschrieben … what goes on in this brain? ^^)

P.S.: Weil’s einfach soooo schön ist …

1 Antwort zum Artikel “Le calme avant la tempête

Maximilian

9. Dezember 2012, 20:17 Uhr

Du hast den Sinn der Inspektion nicht verstanden…da gings darum den einwandfreien Zustand der Zimmer abzunehmen. Du hast ihnen gegengezeichnet, dass das Zimmer picobello geputzt ist, die Wände frisch geweißelt (blanché?) und vor allem die Ungezieferfreiheit des Zimmers…oje und des erwarten sie dann von dir…sonst ein Bravo fürs Konzert! Auch ein großer Meister beginnt klein (Mozart hat wahrscheinlich einen großen Teil seiner Konzerte nicht vor zahlreicherem Publikum gegeben:-)Schnitzel solo machen ist aber blöd…hast nicht gleich mehr gemacht und eingefrohren? Dann rentiert sich die patzerei!

Hier schneits volle und der Schnee wird immer höher…ejtzt steht er schon fast bis zum 3. Stock hinauf!^^

Die Sonstigen Schilderungen klingen cool. Vorallem das Pubquiz! Probiert es mal mit On s’en fout de la France! Oder mit Vive l’alsace libre^^ Oder vielleicht lieber nicht!

Danke für den Bericht!

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