blog >

Petit Papa Noël

Petit Papa Noël

von Michael Färber 25. Dezember 2012, 22:45 Uhr

Meine sehr verehrten Damen und Herren, willkommen zu dieser siebzehnten Ausgabe meiner Abenteuer in Frankreich, diesmal mit einem Österreich-Teil! 🙂

Am Dienstag setzte ich mich, von Sorgen über den stetig näher rückenden freitäglichen Abgabetermin geplagt, mit Laetitia im CREMI (Computerräume) zusammen, um an unserem Projekt für Compilation zu arbeiten. Dort arbeiteten wir eine Zeit lang ziemlich produktiv; in meinen Augen ging mehr an Laetitias Teil weiter als je zuvor. Beim Mittagessen traf ich dann auf Phil, der mit einem Schlag unsere Produktivitätsspitze wieder auf Null drückte, indem er uns mitteilte, dass der Abgabetermin für unser Projekt auf den 8. Jänner verlegt wurde. Erste Reaktion: Yeeeeeaaaah! 🙂 Zweite Reaktion: Verdammt, dann müssen wir ja in den Weihnachtsferien noch daran arbeiten. 🙁 Gemäß dem informatischen Arbeitsgesetz, das besagt, dass die Arbeitsleistung an einem Projekt indirekt proportional zur Zeit bis zum geplanten Fertigstellungszeitpunkt ist, bedeutet das, dass in den Weihnachtsferien wieder nichts weitergehen und dann nach den Ferien der Extrem-Stress ausbrechen wird. Die Statistik scheint mir bisher recht zu geben, denn die letzte Änderung an dem Projekt bis heute fand am Donnerstag statt, also vor fünf Tagen. :/ Das heißt wohl, dass ich jetzt nach Weihnachten das Zuckerbrot bald wieder ein- und die Peitsche auspacken darf …

Von diesen düsteren Zukunftsvisionen lenkte mich allerdings die Mensa am Mittwoch ab, denn da gab es ein besonderes Weihnachtsessen, für das sich die Mensa ins Zeug gelegt hatte: Es gab nämlich eine Art Faschiertes mit Kartoffeln, dazu foie gras mit Brot und Marmelade, und als krönenden Abschluss noch eine Roulade. Nahezu selbstverständlich gab es noch eine Orange und Zuckerln für jeden gratis dazu. So lobe ich mir das; aber jeden Tag wäre das nichts für mich, denn das würde selbst mein Gewicht nach einiger Zeit drastisch steigern. 🙂 An diesem Tag schlemmte ich allerdings mit Phil ohne Bedenken.

Atmosphère de Noël au Resto'U

Le repas.

Am Nachmittag kam noch Meiyi zu mir für unseren Chinesisch-Kurs, und da ich voraussah, dass wir uns in diesem Jahr nicht mehr sehen würden, lud ich sie auch gleich noch zum Essen bei mir ein, das wir gemeinsam kochten. Nach dem Essen zeigte ich ihr noch einige Fotos aus meiner Heimat, und wir trennten uns erst nach Mitternacht voneinander. Da ich wusste, dass auch meine Nachbarin Pauline am nächsten Tag das Weite suchen würde, schrieb ich ihr noch eine kleine Karte, die ich unter ihrem Türschlitz durchschob, und machte mich dann auch ziemlich todmüde in die Heia.

Am Donnerstag fand ich dann einen Antwortbrief von Pauline vor, der mich ob seines sehr enthusiastischen Inhalts sehr freute. 😉
Mein Tag ging dann noch weiter mit diversen Leuten in Village 2; so traf ich auch noch auf Idir, der sich an dem Tag ebenfalls nach Paris aus dem Staub machen wollte; zuvor allerdings zeigte er mir noch eines seiner Bilder, dass er als Auftragsarbeit gemalt hatte. Wie es scheint, macht er so etwas öfter, und verdient auch gar nicht so schlecht damit.

Mettez les points sur les i!

Etwas später ging ich dann auch noch zu Clara, um sie zu meinem Konzert am selbigen Abend einzuladen; allerdings wusste sie schon davon (immer gut informiert, die Mademoiselle ^^). Auch Yuko lud ich ein, aber diese hatte Besuch von ihrer Schwester Yuki aus Japan, die gerade krank war, und konnte dementsprechend nicht kommen. Dafür teilte sie mir mit, dass sie beide im Jänner nach Österreich fahren würden, wobei ich sie nach den Weihnachtsferien noch ein wenig beraten werde. 😉
Am Abend fand dann besagtes Konzert statt, und zwar in der Kirche Notre-Dame de Talence, ungefähr zehn Minuten per Tram von meinem Domizil entfernt. Zu diesem Konzert kamen fast alle Deutschen meiner Erasmus-Gruppe, dazu auch noch Clara und Joudy — über diese starke Präsenz meiner Freunde freute ich mich sehr. 🙂 Wir sangen ungefähr zwei Stunden bei eisigen Temperaturen im dünnen Hemd, wodurch ich am Ende dem Ende schon im wahrsten Sinne des Wortes “entgegenfieberte”. Am Schluss des Konzertes sangen wir noch als Zugabe eine moderne Version des artikeltitelgebenden Lieds “Petit Papa Noël”.
Nach dem Konzert hätte es noch eine Weihnachtsfeier des Chores gegeben, aber wie man aus meiner Verwendung des Konjunktives vermutlich schon ersehen kann, beschloss ich mich, im Hinblick auf meine am nächsten Tag um 8 Uhr stattfindende Vorlesung auf dieser Weihnachtsfeier durch Abwesenheit zu glänzen und sie einfach zu schwänzen.

Notre-Dame de Talence.

Am Freitag fand dann besagte Vorlesung statt, wo wir uns schon ein bisschen auf die uns im Jänner bevorstehende Prüfung vorbereiteten (schauder — es lebe der Erikativ!). Im Laufe der Vorlesung verzupfte sich Michaël, um seinen Zug nach Paris zu nehmen. Nach der Vorlesung folgte ihm dann der zweite Québécois im Bunde nach, nämlich Phil, sodass es sich langsam leere anfühlte in Talence. Allerdings ging ich dann noch mit Matthieu, Kristin und Andreas in der Caféteria essen, sozusagen das “letzte Mittagsmahl” dieses Jahres in Bordeaux.
Den Nachmittag verbrachte ich überwiegend mit Packen und Aufräumen für meine anstehende Reise nach Paris. Dabei traf ich auch auf meinen Nachbarn Alaa, dem ich eine Packung fromage blanc (Topfen) verehrte, den ich nicht mehr rechtzeitig aufessen konnte. Sonst verarbeitete ich fast alles noch vorhandene Essen zu Reiseproviant.
Als Weihnachtsgeschenk wollte ich meinen kleinen Untermietern noch eine kleine Gazage bereiten, allerdings siegte schlussendlich mein mildes Herz und ich beschloss stattdessen, meine Kakis sich aus Nahrungsmangel gegenseitig auffressen zu lassen. Hehe.

Cafards exterminés 2012 --- la liste.

Am Abend traf ich mich dann mit Andreas, Anita, Kristin und Lisa, die mit mir die Reise nach Paris antraten. Am Bahnhof in Bordeaux trafen wir wieder einmal auf Alain Juppé, der scheinbar auch dabei war, den TGV nach Paris zu besteigen. Auch diesmal, mein lieber Max, hielt ich mich zurück, ein Foto mit ihm zu machen, obwohl ich ihn schon das dritte Mal sah. 🙂 Wie wäre das denn für ihn, wenn ihn jeder bei seinem Anblick nach einem gemeinsamen Foto fragen würde? Das wäre doch kein Leben mehr!
Beim TGV erlebten wir dann eine seltsame Überraschung: Der TGV fuhr im Bahnhof ein, er hatte allerdings keinen Wagen mit der Wagennummer, die auf unseren Tickets stand. Als wir einen Bahnangestellten fragten, sagte uns dieser, dass gleich nach diesem TGV ein zweiter TGV mit derselben Destination ankommen würde, was auch stimmte. In diesem zweiten TGV fanden wir dann auch gleich unseren Wagen, wo auf unseren reservierten Sitzen allerdings schon Passagiere saßen, die auch auf unsere Anfrage hin gültige Fahrscheine mit Reservierung für genau diese Plätze vorweisen konnten! Scheinbar nimmt auch die SNCF die von Fluggesellschaften bekannte Praxis der “Überbuchung” auf, wo man einfach darauf hofft, dass einige Passagiere nicht auftauchen und somit das Verkehrsmittel maximal ausgelastet ist. Glücklicherweise ging dieses Kalkül nicht auf, denn der Zug war nicht sehr voll, und so fanden wir alle einen Sitzplatz.
In Paris angekommen begaben wir uns zum Aloha Hostel, das wir vom Gare Montparnasse zu Fuß erreichten. Dieses machte auf mich einen sehr guten Eindruck; es war nicht zu laut, sehr sauber und die Zimmer waren schön. An dieser Stelle also schon einmal eine eindeutige Empfehlung! (Auch wenn die Dusche hin und wieder nur eiskaltes Wasser spendete.  ;))
Im Hostel trafen wir noch auf zwei Freundinnen von Lisa namens Kathi und Franzi, die Lisa quasi von Deutschland aus entgegengefahren waren. Wir ließen den Abend dann noch bei einem gemeinsamen Bier ausklingen.

Am Samstag begannen wir den Tag mit einem gemeinsamen Hostel-Frühstück (das macht das Hostel cool ^^), dann ging es casino pa natet auch schon hinaus in den strömenden Pariser Regen, der leider den Großteil des Tages anhielt.

Parlez-moi de la pluie, et ne pas du beau temps ...

Hier machte sich der schlechte Zustand meiner Schuhe unangenehm bemerkbar, denn die Schuhe waren schon nach ca. einer Minute total durchnässt — dagegen halfen dann auch zwei Schichten Socken wenig. Der Regen hatte allerdings auch sein Gutes, denn so war z.B. vor der Kirche Notre-Dame überhaupt keine Schlange, und wir konnten quasi verzögerungsfrei die Kirche besichtigen.

Notre-Dame de Paris.

In der Kirche beschlossen wir, danach in die Galeries Lafayette zu schauen, wo Kristin sich nämlich mit einem Paar Gummistiefeln eindecken wollte, da ihre Schuhe sogar noch durchnässter waren als die meinen. Said, done! Die Galeries Lafayette sind ein sehr bekanntes Pariser Kaufhaus, allerdings mit wahrhaftig Pariser Preisen, denn wir fanden dort u.a. Regenschirme für 70€ und dergleichen Abnormitäten vor. Die Haupthalle war natürlich mit Tiroler Technik ausgestattet, denn auch hier hatte sich Swarovski prominent verewigt. 🙂 Kristin kaufte sich dort für 50€ Gummistiefel und für 10€ ein Paar Socken (!) und war dann ob der Besucherströme total entnervt und fertig.

Galeries Lafayette, made in Wattens.

Solchermaßen nunmehr entsprechend ausgerüstet, bewegten wir uns Richtung Centre Pompidou, nicht ohne zuvor noch einem Geschenkeladen und einem Subway einen kurzen Besuch abzustatten. Im Centre Pompidou (Eintritt: 10€) sahen wir eine Ausstellung von Mircea Cantor, deren Werke mir teilweise sehr gut gefielen, aber zum Teil auch wirklich sehr bizarr waren. Ist ein Video von einer öffentlichen Kopulation denn wert, als Kunstwerk ausgestellt zu werden? Wo war mei Leistung?

Centre Pompidou.

Dann besichtigten wir noch eine Ausstellung über Salvador Dalí. Stopp, Korrektur: Wir standen ca. eine Stunde ein einer Schlange, DANN besichtigten wir eine Ausstellung über Salvador Dalí. 🙂 Diese Ausstellung hat mir recht gut gefallen; ich meine, dort etwas über Dalí gelernt zu haben. Leider gab es einfach zuviele Bilder, sodass wir am Ende ziemlich erschöpft waren. Zitat Kristin: “Noch ein Bild, und noch ein Bild, und noch ein Bild …”
Nach einem Kaffee zum Aufwachen schlenderten wir ein wenig durch die Straßen, in denen der Regen glücklicherweise eine Verschnaufpause eingelegt hatte: Wir sahen das Hôtel de Ville, dessen Vorplatz sich analog zum Wiener Eiszauber zu einer Eislauffläche verwandelt hatte. (Diese allerdings kleiner als in Wien.) Dann spazierten wir an der Seine entlang zum Louvre, das wir allerdings nur von außen bewunderten.

Da Vinci Code.

An diesem Punkt machte sich der Hunger bei uns bemerkbar, und um diesem Umstande Abhilfe zu schaffen, fuhren wir mit der Métro in das Quartier Latin (Place Monge), wo wir in der Rue Mouffetard auf ein sehr nettes Couscous-Restaurant stießen und dort unser “letztes Abendmahl” einnahmen. Im Restaurant rief mich dann noch mein Freund Max an, der an diesem Abend gerade in Paris angekommen war, und lud mich zu einer gemeinsamen Stadtbesichtigung ein. So fuhr ich nach dem Abendessen zu ihm, wo ich mich sehr freute, ihn und seine Pariser Freundin Teresa endlich wieder einmal zu sehen.

Die haben gut lachen mit trockenen Schuhen ...

Gemeinsam besichtigten wir noch ein wenig die Stadt, und zwar hauptsächlich das Viertel, in dem ich Max schon einmal vor vier Jahren in Paris besucht hatte. Nach ca. zwei Stunden des Flanierens, unter anderem auch zum Eiffelturm, begleiteten mich die zwei noch zum Hostel, wo wir uns wieder voneinander verabschiedeten. Etwas später kam dann auch noch der Rest meiner Reisegruppe an, und wir verbrachten den Rest des Abends im Hostel-Zimmer. Unter anderem auch mit dem Versuch, die ersten 150 Pokémon auswendig aufzuzählen. 😉

La Tour Eiffel et moi.

Am Sonntag trennten sich dann leider unsere Wege, denn ich musste schon um 10:23 Uhr auf dem Gare de Lyon sein. Von meinem letzten Paris-Besuch geprägt, wo ich den Zug nur ca. eine Minute (!) vor der Abfahrt desselben erreichte, machte ich mich schon eine Stunde davor auf den Weg zum Bahnhof, was mir einen sehr komfortablen, stressfreien Weg bescherte. Während der Zugfahrt nach Zürich hatte ich sehr angenehme Schweizer Mitfahrer, mit denen ich (wie immer) ein wenig plauderte. Der Umstieg in Zürich war problemlos, und mir hüpfte beim Anblick des ÖBB railjet nach Wien Westbahnhof das Herz im Halse. Ein österreichischer Zug! 🙂
Es stellte sich heraus, dass meine Reservierung relativ unnötig war, denn trotz des angekündigten “hohen Fahrgastaufkommens” war der Zug eigentlich relativ leer. An der österreichischen Grenze angekommen nahm ich nach langer Pause auch wieder meine österreichische Mobiltelefonnummer in Betrieb, und wurde prompt eine Minute später von einem Freund angerufen und zu einer Silvesterfeier in Wien eingeladen. Da fühlt man sich geliebt. 🙂
An der Tiroler Grenze hörte ich dann das Stück der Wahl für Tiroler Temporär-Emigranten, nämlich “Dem Land Tirol die Treue“. 😀 Meine Einfahrt am Innsbrucker Hauptbahnhof unterlegte ich dann musikalisch mit dem Lohengrin-Orchestervorspiel. Dort empfing mich schon meine Familie, und wie ich mich freute, sie endlich wiederzusehen!
Zu Hause wartete dann allerdings noch eine unangenehme Überraschung auf mich, denn meine Mutter hatte beschlossen, alle meine Sachen einer gründlichen Entkakerlakisierung zu unterwerfen, um die Einnistung unangenehmer Schädlinge in unserem Hause zu verhindern. Immerhin kam ich im Zuge dieser Aktion bei meiner Ankunft sofort zu einem heißen Bad, wogegen ich nichts einzuwenden hatte. 🙂 Bei der Gelegenheit konnte ich auch mein Gewicht überprüfen, das mittlerweile endlich knapp über 60kg liegt! Wie es scheint, bekommt mir das französische Essen sehr gut. 😉

So sauber ist mein Zimmer im Hotel Mama selten.

Am nächsten Tag, Montag, war Weihnachten! Diesen Tag verbrachte ich allerdings größtenteils damit, meine Sachen ein wenig zu ordnen und mich von der Reise den Tag zuvor zu erholen. Außerdem wollte ich noch das Betriebssystem meines Rechners reparieren, das sich über zu wenig Speicherplatz aufregte. Dieses Manko versuchte ich, durch Löschen nicht mehr benötigter Dateien zu beheben, löschte dabei allerdings ein paar wichtige Systemdateien (/var/cache), sodass ich eine Ausrede hatte, ein neues Xubuntu auf meinem Rechner zu installieren. Dabei musste ich die unangenehme Erfahrung machen, dass meine Grafikkarte AMD Radeon HD 4000 vom Hersteller nicht mehr richtig unterstützt wird, sodass ich sie nicht mehr mit dem neuesten X-Server einsetzen kann. Temporäre Abhilfe schaffte dieser Artikel — es bleibt allerdings ein übler Nachgeschmack, weshalb ich auch vom Kauf von AMD-Grafikkarten nur abraten kann.
Nachdem ich also endlich wieder ein funktionierendes Betriebssystem installiert hatte, machte ich noch eine kleine Radltour durch das momentan leider gar nicht verschneite Innsbruck, das wohl auch in den nächsten Tagen schneefrei bleiben wird. Nach der Radltour ging es dann auch schon bald zu meinen Großeltern, wo wir das Weihnachtsfest auf traditionelle Weise mit Gesang, italienischem Salat und Weinseligkeit zelebrierten.

Heute Dienstag bin ich leider ein wenig krank geworden, was vielleicht meiner gestrigen Radltour oder noch dem nassen Paris-Aufenthalt geschuldet sein könnte. Ich hoffe, dass sich das in den nächsten Tagen wieder gibt, denn eigentlich hätte ich vorgehabt, einige Freunde von mir zu treffen, was ich heute allerdings schon absagen musste. 🙁

Nichtsdestotrotz wünsche ich allen meinen Lesern noch geruhsame Feiertage und schöne Ferien (sofern sie denn solche haben sollten ^^)!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *