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Rien de rien

Rien de rien

von Michael Färber 9. April 2013, 16:47 Uhr

Meine sehr verehrten Damen und Herren, willkommen zu dieser einunddreißigsten Ausgabe meiner Abenteuer in Frankreich! 🙂

Abenteuer ist diesmal etwas zuviel gesagt, denn diese Woche war eigentlich verhältnismäßig ereignislos. Das mag die Leser freuen, die von der Last meiner Buchstaben bisher schier erdrückt worden sind und sich schon länger einmal einen kürzeren Text gewünscht hätten. (Dabei denke ich nicht zuletzt auch an meine Familie, die ja von mir auch manchmal über den Inhalt meiner Blog-Einträge geprüft wird. ^^)

Seit Montag führe ich einen Tram-Entzug durch, hauptsächlich mit den Substitutionsdrogen Véloin und Pedesol. Bisher funktioniert der Entzug ganz hervorragend (keine Entzugserscheinungen, dafür wegen entfallender Tramkarten mehr Geld in der Tasche!), und vermutlich ist er auch meiner Gesundheit recht zuträglich. Wobei man sich fragen muss, inwiefern Fahrradfahren mit einem viel zu niedrig eingestellten Sattel die Kniegelenke schädigt, und ob das den allgemeinen Gesundheitsgewinn durch die Bewegung wettmacht.

Der Dienstag hat mir das unbestrittene Video der Woche beschert — voilà Gros Google. Cooler französischer Rap mit bärigem Beat, dazu tolle Animation und eine interessante Thematik, wenn auch etwas derb aufbereitet. 😉
Selber singen konnte ich am Dienstag hustenbedingt leider noch nicht, außer in den allertiefsten Stimmlagen. Da das aber bizarr klingt, musste ich auf den Chor verzichten.

Am Mittwoch der monatliche Gang zum Accueil von Village 2, wo ich meine Miete bezahlen möchte. Freudige Überraschung: Ich muss nichts zahlen! Mittlerweile hat sich nämlich die CAF (nach fast sechs Monaten!) meiner erbarmt und mich für wohnunterstützungsberechtigt befunden. Das heißt, dass ich ab jetzt Monat für Monat haarsträubende 37,92€ aus den barmherzigen Konten der CAF zu empfangen die Ehre habe. Dazu kommt, dass ich die besagten 37,92€ für meinen gesamten bisherigen Aufenthalt nachgezahlt bekomme, was ungefähr zwei Monatsmieten entspricht, die somit für mich entfallen. 😀
Als i-Tüpfelchen habe ich auch gleich noch ein Paket gekommen, in dem mein neuer Friseur, sprich Haarschneidemaschine, enthalten war. Da ich nämlich schon immer über eine äußerst dagobertoide Ader verfügt habe, habe ich mir durchgerechnet, wie viel Geld ich mir sparen würde, wenn ich mir selber die Haare schneiden könnte. Das Ergebnis (509,2 Fantastillionen) hat mich so überzeugt, dass ich trotz immanenten Haarüberschusses nicht den Gang zum Friseur angetreten, sondern mir bei Amazon eine Haarschneidemaschine von Philips zugelegt habe. Ich erwähne hier die Marke ausdrücklich, da ich schon einen Rasierapparat von Philips mein Eigen nenne und dieser erstaunlich langlebig ist; da ich etwas gegen geplante Obsoleszenz habe, achte ich nach Möglichkeit darauf, langlebige Produkte zu erstehen.
Nachdem ich nunmehr also in meinem kleinen Village-2-Zimmerchen ein Restaurant (Küchenzeile), ein Hotel (Bett) und ein Büro (Arbeitstisch) eingerichtet habe, ist hier nunmehr auch ein Frisieursalon angesiedelt. Das Selbst-Schneiden funktioniert auch recht gut; nur am Hinterkopf habe ich noch nachbarlicher Unterstützung bedurft, nämlich am …

Tout s'en va.

Freitag von Kasia! Im Gegenzug habe ich ihr einen kleinen LyX-Kurs gegeben, nachdem ich bei meinem letzten Besuch bei ihr bemerkt habe, dass sie eine unregistrierte Version von Word benutzte, mit der sie überdies noch die Überschriften händisch nummeriert hat! (Da ist sie allerdings nicht die erste.) Für diejenigen, die noch nicht erleuchtet wurden: LyX ist ein Programm wie Word, mit dem man Dokumente erstellen kann; im Unterschied zu Word sieht man allerdings auf dem Bildschirm nicht direkt, wie das Dokument im Druck ausschauen wird, sondern nur eine ungefähre Vorschau. Will man das endgültige Dokument sehen, dann klickt man auf ein Knöpfchen und bekommt eine PDF-Datei, die um einiges hübscher ist als die Vorschau. Meistens sind die Resultate von LyX auch optisch sehr ansprechend, da im Hintergrund das renommierte Programm LaTeX die endgültige Ausgabe erzeugt.
Warum ist LyX so toll? Manche Leute schreiben ihre Dokumente direkt mit LaTeX; dabei kann allerdings schnell einmal die Übersicht verloren gehen, wobei einem LyX sehr hilft, da es z.B. Überschriften anders darstellt als normalen Text. Außerdem zeigt es viele andere Objekte direkt in der Vorschau an, wie z.B. Tabellen, Bilder, Formeln, …
Ich verwende LyX schon seit Schulzeiten (genauer gesagt, seit meiner Fachbereichsarbeit 2008), und ich bin immer noch begeistert von der Flexibilität und Stabilität des Programms. Ich glaube, ich kann die Abstürze des Programms an einer Hand abzählen, obwohl ich es schon für unzählige Dokumente von der Bachelorarbeit bis zum Stundenplan eingesetzt habe und auch jetzt für meine Masterarbeit verwende. Außerdem hat das Programm eine exzellente Dokumentation. Kurz und gut, es ist mein Lieblingsprogramm Nr. 1.
Auch Kasia hat es sehr gut gefallen, und ich hoffe, ihr damit geholfen zu haben.
Diese Woche habe ich entdeckt, dass LyX Mathematik-Makros unterstützt, was mir das Leben um einiges leichter gemacht hat: Mithilfe dieser Makros kann ich jetzt z.B. Beweise in Baumform grafisch in LyX schreiben, obwohl LyX von Haus aus eigentlich keine Unterstützung für solche Beweise mitliefert. Dafür verwende ich ein Paket LyXproofs, das intern das Paket bussproofs verwendet.

Am Samstag hat mich Yuko zu selbstgemachtem Sushi zu sich eingeladen. Es ist ja eine Sache, in ein japanisches Restaurant zu gehen, aber eine ganz andere, von einer echten Japanerin bekocht zu werden. 🙂 Im Moment beschäftigt sich Yuko sehr stark mit Nordkorea, da das Land ja sehr nahe an ihrem liegt — die Luftlinie zwischen Pjöngjang und Fukuoka ist kürzer als die zwischen Innsbruck und Bordeaux! Da kann man schon verstehen, wenn der eine oder andere Japaner leichtes Unwohlsein verspürt.

Dîner pour deux.

Der geschätzte Leser könnte sich an dieser Stelle fragen, was ich denn eigentlich die ganze restliche Zeit getrieben habe, wenn ich denn hier fast nichts zu berichten habe? Tatsächlich habe ich relativ viel Klavier geübt, denn “mein” Konzert findet am 10. April statt, und von nicht kommt nicht. Außerdem habe ich meine Masterarbeit weitergetrieben, und mittlerweile habe ich meinen Algorithmus zur automatischen Beweiskonstruktion fertig implementiert. Er funktioniert! 🙂
Außerdem habe ich mittlerweile begonnen, meine bisherigen Ergebnisse in Textform zu gießen, was mir glücklicherweise nicht allzu schwer fällt; schwieriger ist es, in meinen meterhohen Papierstapeln gewisse Ergebnisse zu finden, die ich vor einem Monat notiert habe.

Soviel von mir; ich wünsche meinen Lesern alles Gute und bis bald! 🙂

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