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Un air de vacances

Un air de vacances

von Michael Färber 10. Juni 2013, 15:15 Uhr

Meine sehr verehrten Damen und Herren, willkommen zu dieser achtunddreißigsten Ausgabe meiner Abenteuer in Frankreich! 🙂

Wie von mir schon prophezeit, musste ich mit diesem Artikel ein wenig zuwarten, da ich letztes Wochenende sehr stark mit dem Abschluss meiner Masterarbeit beschäftigt war. Diese Arbeit ist nun zu meiner Befriedigung abgeschlossen, und ich war seitdem auch nicht gerade untätig, sodass sich dieser Artikel weiter verzögert hat. Nun, beginnen wir jetzt mit letzter Woche:

Am Montag Abend gönnte ich mir wieder einmal einen Filmabend bei mir und sah “La Grande Vadrouille“, einen der bekanntesten Filme mit Louis de Funès. Dieser Film hat für mich eine besondere Bedeutung; war es doch einer der ersten Filme, die ich komplett auf Französisch schaute. Damals, das heißt vor einigen Jahren, sah ich den Film noch dazu ohne Untertitel und verstand vielleicht 10% der französischen Dialoge. (Glücklicherweise gibt es in dem Film auch einige deutsche und englische Sequenzen, sodass ich nicht komplett verloren war.) Als ich den Film dann also jetzt erneut anschaute, war ich sehr positiv überrascht, da ich nunmehr 90% des Films verstand, und das komplett ohne Untertitel. 😉 Ein höchst befriedigendes Gefühl!

Am Dienstag fand das Jahreshauptkonzert meines Chores statt, und zwar in der “Église Sainte-Geneviève de Bordeaux”. Dies sollte eines der bisher besten Konzerte werden, da die Stimmung im Publikum ganz ausgezeichnet war und sich das natürlich auf uns Sänger übertrug: Es macht einfach mehr Spaß, vor einem hochmotivierten Publikum zu spielen, als vor einem faden und desinteressierten. Und so gaben wir natürlich unser Bestes, was am Ende auch mit einigem Applaus reichlich honoriert wurde. 😉
Das Konzert feierten wir dann auch bei einer kleinen soirée in einer WG, die sich aus mehreren Chormitgliederinnen zusammensetzt.

Soirée.

Die nächsten Tage arbeitete ich relativ hart an meiner Masterarbeit, dabei in engem Kontakt mit meinen beiden Betreuern stehend. Die Tatsache, dass ich zwei Betreuer habe, zeichnete sich hier als Vorteil aus, da natürlich zwei Betreuer beim Lektorat einer Arbeit mehr Fehler entdecken als ein einzelner. 😉 Auch waren die verschiedenen Hintergründe meiner Betreuer sehr hilfreich, denn so sah ich die Dinge unter unterschiedlichen Aspekten.

Am Samstag wurde meine Arbeit nochmals unterbrochen (nennen wir es “aufgelockert”) durch das letzte Konzert meines Chores mit mir: Wir sangen an der “Fête du Fleuve” direkt gegenüber des Place de la Bourse, vermutlich einer der bekanntesten Orte in Bordeaux überhaupt. Um eine Analogie zu gebrauchen, war das ein wenig so wie ein Konzert vor dem Goldenen Dachl oder dem Wiener Stephansdom. Es schloss sich damit auch irgendwie ein Kreis, denn dieser Platz war einer der ersten, den ich nach meiner Ankunft in Bordeaux erblickt hatte; nie hätte ich es mir damals träumen lassen, später an genau diesem Platz an einem Konzert bei einem der größten Feste von Bordeaux mitwirken zu können.
Schon der Soundcheck war sehr lustig; es waren nämlich einige sehr bizarre Personen unter den Zuschauern. Unter anderem ein schon etwas älterer Herr, der einige höchst bizarre Tänze darbot, des öfters an epileptische Anfälle erinnernd. Wir hatten ehrlich Mühe, uns beim Singen das Lachen zu verkneifen. Wie ich hörte, war diese seltsame Gestalt kein Unbekannter, sondern schon seit mehreren Jahren bei diesem Fest regelmäßig vertreten. Er schaffte es immerhin, noch einen anderen Zuschauer zu einem nicht minder bizarren Tanz zu motivieren, was einfach unglaublich genial ausschaute. 😉
Nach dem Soundcheck schauten wir uns noch ein wenig auf der Fête um und konnten uns dann noch ein wenig unterirdisch ausruhen, denn unter unserem Konzertplatz war ein recht großes unterirdisches Gewölbe, eine ehemalige Parkgarage, die temporär als Künstlerloge herhalten musste. Jedenfalls ein Ort, den man als Normalsterblicher üblicherweise nicht zu Gesicht bekommt. 😉
Das eigentliche Konzert fand dann zu bester Zeit statt, nämlich um 20 Uhr, und der Zuschauerzustrom war enorm. Einen kleinen Auszug kann man hier sehen. Auch beim eigentlichen Konzert war unser Freund, der Tänzer, wieder anwesend, dazu noch ein etwas notgeil wirkender Mensch, der direkt an der Absperrung stand und die Damen unseres Chores lüstern beäugte — er bekam seinen Mund kaum zu. Zum Glück war der Rest des Publikums etwas “normaler”, und so war es ein sehr gelungenes Konzert.

Fête du Fleuve.

Nach dem Konzert traf ich Clara, die ich zum Konzert eingeladen hatte, und wir schauten uns nach einem kurzen Imbiss noch ein anderes Konzert an. Dann ging ich zu einer Chorfeier, die direkt im Stadtzentrum bei unserer Chorsängerin Raïssa stattfand. Von dort konnte man auch das Feuerwerk sehen, das im Rahmen der Fête du Fleuve veranstaltet wurde — wie mir erzählt wurde, hat der Bürgermeister von Bordeaux, Alain Juppé, ein faible für pyrotechnische Spektakel. 😉

Am nächsten Tag, Sonntag, arbeitete ich wieder an meiner Masterarbeit, fand aber immerhin ein wenig Zeit für eine kleine Radltour in meinem bevorzugten “Kurort” Pessac.

Am Montag war Abgabetermin für meine Masterarbeit. Zum Glück war nicht mehr allzuviel zu ändern, sodass ich diesem Termin relativ locker entgegensah. Am Nachmittag hatte ich sogar Zeit, mein Zeugnis für den Französisch-Sprachkurs abzuholen, das mit 15/20 Punkten recht zufriedenstellend ausfällt und ungefähr einem österreichischen 2er entspricht. Nach Rücksprache mit dem Studienbeauftragten in Innsbruck sollte es möglich sein, mir diesen anrechnen zu lassen, da es kein Anfängerkurs ist, sondern ein Kurs auf dem Niveau B2-C1. 😉
Nebenbei beschäftigte mich auch das Hochwasser in Österreich, das in mir Erinnerungen an 2003 weckte. Von meiner letztjährige Radltour von Tirol bis vor die Tore Wiens (Tulln) kenne ich viele der Orte, die ich diese Woche in den Nachrichten vom Wasser verwüstet sah — ein seltsames Gefühl … Ich hoffe auf jeden Fall, dass meinen Lesern kein Unheil zugestoßen ist und alle Häuser noch stehen.

Am Dienstag nutzte ich jedenfalls das in Frankreich im Gegensatz zu Österreich ausgezeichnete Wetter, um mit Kasia nach Arcachon zu den dortigen Dünen zu fahren. Auf dem Weg lernten wir ein paar sehr sympathische “Réunionnais” kennen, also Einwohner der Insel “La Réunion”, die wir zu den Dünen begleiteten. Dort brutzelten wir dann einige Zeit in der prallen Sonne, nur um dann ein paar Stunden später krebsrot aufzuwachen — wir hatten es offensichtlich mit der Sonne ein wenig übertrieben. Und so machten sich Kasia und meine Wenigkeit auf den Weg in schattigere Gefilde, als wir einen Radfahrer nach dem Weg fragten. Mit diesem hatten wir eine längere Diskussion, und schließlich hielt ein LKW neben uns an, der uns auch nach dem Weg fragte. 🙂 Daraufhin ergriff unser Radler die Initiative und fragte den Fahrer, ob er uns ein Stückchen mitnehmen wolle? Dies wurde uns gewährt, und so kletterten wir in den LKW — wie es scheint, ist dies eine Gegend, die Mitfahrgelegenheiten begünstigt. Zuerst wollten wir zu den Dünen zurück, dann aber entschieden wir uns dafür, mit dem LKW nach Arcachon zu fahren, nur um allerdings zu erfahren, dass der Fahrer nicht nach Arcachon fährt. o_O Daraufhin stiegen wir irgendwo in der Pampa an einer Schnellstraße aus, über der der Boden schon flimmerte und das Zirpen der Zikaden für eine mediterran-meditative Stimmung sorgte. Von ein paar vorbeigleitenden Rennradfahrern abgesehen, keine Spur von nicht-automobilem Leben. Wir stellten uns also an die Schnellstraße und hatten Glück, denn schon nach zwei Minuten hielt ein Auto an, um uns direkt nach Arcachon mitzunehmen. Das Autostoppen funktioniert also im Großen und Ganzen ganz hervorragend, und es ist sicherlich von Vorteil, so wie in meinem Fall ein Mädchen dabeizuhaben. 😉
In Arcachon angekommen schlenderten wir noch ein bisschen am dortigen Strand herum, von einem Eis nur deshalb absehend, da die Abfahrt des Zuges nach Bordeaux immer näher rückte. Im Zug trafen wir dann wieder auf unsere Réunionnais, die genau wie wir ziemlich erledigt waren.
Bei unserer Rückkehr nach Pessac war der Kauf von “après soleil” dringend angesagt, und ich war so geschafft, dass ich meine Teilnahme an der letzten Chorsitzung an jenem Abend absagte. Nachdem ich mein Abendessen eingenommen hatte, ging es mir allerdings wieder besser, weshalb ich dann doch noch in die Stadt fuhr und so zumindest noch am Ende der Chor-Jahreshauptversammlung dabeisein konnte. Es hätte mir doch sehr leid getan, mich von so vielen meiner Freunde nicht gebührend verabschieden zu können …

Am Mittwoch fragte mich Romaric (ein Freund aus meiner Mensa-Stammgruppe) recht spontan, ob ich mit ihm klettern gehen möchte, was ich natürlich mit höchster Freude bestätigte! Und so fuhren wir mit seinem Auto nach dem Mittagessen in das malerische Örtchen Frontenac, wo sich auf dem Gelände eines ehemaligen Bergbaugebiets eine natürliche Kletterwand von ca. 10m Höhe erstreckte. Bevor es ans Klettern ging, gab mir Romaric allerdings noch eine Einführung, da ich mich nicht erinnern kann, je schon einmal mit eigenem Seil klettern gegangen zu sein. (Klettersteige allerdings schon einige!) Als die Einführung vorbei war, war mir trotzdem etwas mulmig zumute, da ich ja Romaric immer wieder sichern musste, aber es ging alles gut, und auch ich selbst kam einige Male ohne Blessuren die Kletterwand hinauf. Es kam also zu keiner Tragödie wie im Film Nordwand, an den ich immer wieder zurückdenken musste …

À l'escalade.

Nach dem Klettern ließen wir uns Zeit mit dem Zurückfahren nach Bordeaux, da wir bei der Hinfahrt schon einige wunderschöne Landschaften gesehen hatten, die wir noch ein wenig genießen wollten. Unter anderem sahen wir ein Art Schloss mitten in der Landschaft, die sich als Naturschutzgebiet um den Lac de Laubesc herum herausstellte — absolut sehenswert!

Lac de Laubesc

Weiters sahen wir einen Radweg (voie verte), der ca. 50km von Bordeaux nach Sauveterre-de-Guyenne führt und einen sehr schönen Eindruck macht. Hätte ich ein gescheites Fahrrad, würde ich mir sofort einen Tag für diese Route gönnen …
Nach unserer Landschaftsbesichtigung gingen wir in eine Pizzeria, um den Tag bei einer Riesenpizza und einem Radler ausklingen zu lassen. Da Romaric ein bisschen mehr als ich trank, bot ich ihm an, das Steuer bei der Rückfahrt zu übernehmen, und so kam ich also zum allerersten Mal ans Steuer eines Autos in Frankreich. Die Tatsache, dass es ein Diesel-Auto war, es mittlerweile stockdunkel war und ich vor ca. fünf Monaten das letzte Mal Auto gefahren bin, machten mir anfangs ein wenig zu schaffen, weshalb ich oftmals auf der Landstraße mit 40km/h unterwegs war. Gab mir jedenfalls schon einen Vorgeschmack auf die Pension. 😉

Am Donnerstag kam ich seit langem wieder einmal zum Klavierspielen, das ich während der letzten Zeit etwas vernachlässigt hatte. Es wirkt sich eben nicht sehr motivierend aus, wenn man zum Klavierspielen die Wahl hat entweder zwischen einem lichtlosen Raum voller Spinnenweben auf einem UdSSR-Klavier mit zu niedrigem Stuhl, oder einem Klavier, wo man immer schon Tage im Vorhinaus buchen muss und dann mit An- und Abreise immer eine halbe Stunde zusätzlich einplanen kann. Nun, immerhin habe ich’s noch nicht komplett verlernt. 😉

Am Samstag war ich zum Mittagessen bei Lili eingeladen, wo ich die Entdeckung machte, dass das chinesische Essen an Schärfe das europäische bei weitem übertrifft — so sehr wie beim Verzehr dieses Essens habe ich nicht einmal beim Klettern geschwitzt. Immerhin kühlte der an diesem Tag vorherrschende Starkregen mein Gemüt dann wieder etwas ab …
Am Abend konnte ich Simon zu einem Kinobesuch motivieren — ursprünglich hatte ich vor, einen polnischen Film im Rahmen des momentan stattfindenden polnischen Filmfestivals zu sehen, aber beim Kino Utopia angekommen stellten wir fest, dass ich mich auf der Webseite verlesen hatte und der Film an dem Tag nicht stattfand. So disponierten wir um und sahen stattdessen Acciaio (dt. “Stahl”), einen italienischen Film über das Leben in der italienischen Stadt Piombino, das eng mit dem dortigen Stahlwerk verknüpft ist. Außerdem traf ich dort eine fille namens Beatrice, die mir gefiel, und wir verabredeten uns für den darauffolgenden Tag, zusammen einen Film der Paradies-Trilogie von Ulrich Seidl zu schauen. 😉
Nach dem Film trafen wir uns noch mit Freunden von Simon, Adrien und Céline, mit denen wir in ein italienisches Restaurant gleich gegenüber dem Utopia gingen, wo wir den Abend mit Rotwein und Italiana begingen. 😉

Am Sonntag war der große Tag des Faulenzens, frei nach dem Motto “doch am siebten Tag sollst du ruhn”, mit einer fast dreistündigen Siesta. 🙂 Am Abend traf ich mich dann wie vorgesehen mit Beatrice (eine echte bordelaise!), allerdings war es etwas zu spät für den Film, weshalb wir stattdessen die Stadt in der Dämmerung besichtigten und uns dann in einen der zahllosen irischen Pubs (Molly Malone’s) setzten. Die Stimmung war dann perfekt, als wir gegen Mitternacht auf den sanft beleuchteten Quais entlangschlenderten und den langsam einsetzenden Nieselregen (bruine) genossen …

Soweit also meine letzten zwei Wochen. Nächste Woche wird vermutlich nochmals recht entspannt, da ich meine Präsentation für die soutenance, also meine letzte “Prüfung”, schon großteils vorbereitet habe und also schon dementsprechend in Ferienstimmung bin. Damit liege ich im Trend, denn z.B. im restaurant universitaire hat die Gästezahl diese Woche schon stark abgenommen, was dafür hindeutet, dass fast alle ihre Prüfungen hinter sich haben und schön langsam nach Hause diffundieren …

Ich wünsche meinen Lesern auf jeden Fall einen schönen Wochenbeginn und bis bald! Lang isch nimma …

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